Schnäppchenjagd im Winterschlussverkauf, aber nachhaltig – geht das?

Im Rekordtempo wechselnde Kollektionen, die auch für den kleinen Geldbeutel geeignet sind – und das um jeden Preis. Das zeichnet die Fast-Fashion-Branche seit Jahren aus. Die Hintergründe, die so etwas möglich machen, sorgen jedoch erst seit kurzer Zeit für einen (echten) Aufschrei in der Modewelt: Schlechte Arbeitsbedingungen, Hungerlöhne und umweltschädliche Materialien, nur um den Preis möglichst niedrig zu halten. Kein Wunder, dass der Wunsch nach einem Umschwung in der Modebranche immer größer wird.

Dennoch bleibt ein Großteil der Konsumenten dem Fast-Fashion-Modell treu. Schließlich muss man für nachhaltige, ökologische und faire Kleidung tief in den Geldbeutel greifen. Aber trifft das überhaupt noch zu oder ist diese Denkweise schon längst veraltet? Bevor die Winterschlussverkäufe alle Fußgängerzonen und die Online Shops wie förmlich zum Platzen bringen, haben wir einen Blick hinter die Kulissen der Billigheimer-Modewelt geworfen.

Fast Fashion und Super-Sale-Rabatte: Wirklich so schlimm?

Umweltschädlich und ausbeutend – diese Begriffe kriegen wir oft in Verbindung mit großen Modeketten und billigen Klamotten zu hören. Aber ist Fast Fashion wirklich so ein großes Problem, wie es oft dargestellt wird oder können wir weiter sorgenlos die Sales und Schlussverkäufe plündern? Die folgen Fast-Fashion-Fakten zeigen, wie schlimm es um die Billig-Mode-Branche wirklich steht:

  • Acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen werden von der Schuh- und Textilindustrie verursacht.
  • Um eine Jeans herzustellen, werden 10.000 Liter Wasser benötigt.
  • Die Textilindustrie verursacht 20 Prozent der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung.
  • Alles andere als fair: Das durchschnittliche Einkommen der Arbeiter in Textilfabriken in Bangladesch beträgt 73 Euro pro Monat und liegt damit unter der von der Weltbank festgelegten Armutsgrenze von 75 Euro.
  • Um diesen Lohn zu erhalten, verbringen die Arbeiter 10-13 Stunden am Tag in den Textilfabriken – und das an sechs bis sieben Tagen pro Woche
  • In Amerika landen jährlich 14 Millionen Tonnen Kleidungsstücke im Müll.

Das schlechte Image der Fast Fashion-Branche ist also alles andere als unbegründet. Deshalb ist klar: Eine faire und nachhaltige Alternative muss her!

Wie funktioniert nachhaltiges Shoppen?

Sale-Spar-Tipp #1 für ein gutes Gewissen: Second Hand Shoppen

Kleidung aus zweiter Hand kaufen ist schon längst nicht mehr verpönt – ganz im Gegenteil! Der Nachhaltigkeitstrend lässt Flohmärkte und andere Second Hand-Möglichkeiten geradezu aus dem Boden schießen. Dort finden dann gut erhaltene Klamotten, Schuhe & Co. einen neuen Besitzer, anstatt im Müll zu landen. Diese Art der Wiederverwendung lässt nachhaltige Herzen höherschlagen und sagt dem Fast Fashion-Diktat den Kampf an. Diese Möglichkeiten bietet das Second Hand-Universum:

  • Der Klassiker ist vermutlich der gute alte Flohmarkt. Altbacken ist hier jedoch oft gar nichts mehr. Schließlich existieren mittlerweile zahlreiche Neuinterpretationen, wie Disko-Flohmärkte oder (extra für die Ladies) reine Mädchenflohmärkte. Dort werden Jeans, Pullover & Co. in moderner Atmosphäre und für wenig Geld zum neuen Lieblingsteil. Besser geht es nicht (meint jedenfalls auch die Autorin dieses Textes – und zwar aus tiefster Überzeugung)!
  • Wer gerne stöbert, ist in Second Hand-Läden richtig. Dort finden Sie – zwischen der einen oder anderen Niete – oft echte Traumteile für den kleinen Geldbeutel.
  • Sogar Onlineshopping können Sie nachhaltig gestalten. Schließlich hat sich mittlerweile auch das Internet dem Nachhaltigkeitstrend angeschlossen. Auf Webseiten und Apps wie beispielsweise Kleiderkreisel.de können Sie stundenlang nach Teilen aus zweiter Hand stöbern. Dabei kommt es übrigens nicht darauf an, welche Modelabels oder Schnitte Sie im Kopf haben. Hier gibt es nämlich wirklich (so gut wie) alles.
  • Sie haben Flohmärkte, Second Hand-Shops & Co. schon durchsucht und finden Ihr Wunschteil immer noch nicht? Dann nehmen Sie das nachhaltige Shoppen doch einfach selbst in die Hand. Organisieren Sie mit einigen Freunden und Bekannten eine Klamotten-Tauschparty. Das Konzept ist einfach: Jede Person bringt einige Kleidungsstücke mit, die Zuhause nur noch Platz wegnehmen. Die kann man dann gegen Teile der anderen Personen tauschen. So entrümpeln Sie Ihren Kleiderschrank und ergattern gleichzeitig tolle Schnäppchen. 

Sale-Spar-Tipp #2 für ein gutes Gewissen: Schädlichen Stoffen adé sagen

Gerade bei übertrieben reduzierten Teilen im WSV sollten Sie sich die Zusammensetzung der Stoffe ganz genau durchlesen. Schließlich könnten Materialien enthalten sein, die Ihrer Gesundheit keinen Gefallen tun. Zudem werden gerade bei besonders „billiger“ Ware in der Produktion oft Stoffe verwendet, die der Umwelt (und den Fabrikarbeitern!) echten Schaden zufügen können. Auf diese Hinweise sollten Sie deshalb besonders achten: 

  • Hinter typischen Materialien wie Polyester, Nylon und Viskose verbirgt sich einer der schlimmsten Klimakiller, mit dem wir momentan zu kämpfen haben: Plastik. Werden diese Stoffe gewaschen, geben Sie Mikroplastik ab. Das gelangt dann ins Abwasser und schadet der Umwelt. Verzichten Sie also beim nächsten Shoppingtrip am besten auf „Plastik-Klamotten“.
  • Ganz egal ob Jeans, T-Shirt oder Mantel – nahezu jedes Kleidungsstück besteht (zumindest teilweise) aus Baumwolle. Dementsprechend weit ist die Baumwollindustrie auf der ganzen Welt verbreitet. Indien und China sind die größten Produzenten, wobei sich die Arbeitsbedingungen beim Baumwollanbau in diesen Ländern als besonders wenig nachhaltig und fair darstellen. Zudem werden dort für gewöhnlich besonders große Mengen an Pestiziden verwendet, die erhebliche gesundheitliche Probleme bei den Arbeitern auslösen können. Greifen Sie deshalb lieber auf Kleidung aus Bio-Baumwolle zurück, bei welcher der Pestizideinsatz wesentlich geringer ist.
  • Geschmacklich kann man mit Jeans im "Used-Look" wohl nie etwas falsch machen. Ethisch sieht das aber leider ganz anders aus. Denn die Herstellung dieser "schon getragen"-Optik stellt oft ein echtes Gesundheitsrisiko für die Fabrikarbeiter dar. Denn die Jeans werden mit allerlei Chemikalien, ätzenden Substanzen oder anderen gefährlichen Verfahren bearbeitet, um ihnen das gewünschte Aussehen zu verleihen. Verzichten Sie also auf den Look, egal ob bei Jeans oder Jacken. Je nach Tragedauer kommt der Used-Look schließlich irgendwann von ganz allein.
  • Sie sind sich nicht sicher, ob Ihr Wunschteil fair und nachhaltig hergestellt wurde? Dann achten Sie am besten auf Siegel, welche die bedenkenlose Herkunft der Kleidung garantieren. Hier finden Sie eine Liste der vertrauenswürdigsten Siegel, die Ihnen bei Ihrem nächsten Shoppingtag weiterhelfen.

Sale-Spar-Tipp #3 für ein gutes Gewissen: Shoppen mit Köpfchen

T-Shirts ab drei Euro, Pullover für zehn und eine Jeans für kaum mehr als 15 Euro – den Fehler im System sehen Sie selbst, oder? Die Preise vieler Modeketten und Billigproduzenten verleiten uns gerade im Winterschlussverkauf dazu, möglichst viel zu kaufen. Und am besten ganz wenig darüber nachzudenken.

Oft entpuppen sich diese Teile allerdings später ohnehin als Fehlkäufe, sind nur unzureichend verarbeitet oder entsprechen nicht den eigentlichen Wünschen. Deshalb sollten Sie bei jedem Kleidungsstück wieder hinterfragen, ob es den Kauf wirklich wert ist. Dabei können die folgenden Selbst-Check-Fragen helfen:

  • Wird mir das Teil (wirklich) auch morgen noch gefallen?
  • Kann ich das Teil zu mehreren Anlässen tragen?
  • Kann ich die neue Klamotte mit meinen anderen Kleidungsstücken kombinieren?
  • Sind die Materialien wirklich zufriedenstellend – und bestenfalls ohne Leid und Qual von Mensch, Tier und anderen Umweltressourcen entstanden?
  • Ist die Qualität des Teils dem Preis angemessen?

Können Sie alle Fragen bejahen, darf das neue Kleidungsstück gerne mit nach Hause kommen. Zweifeln Sie bei einer der Fragen, können Sie es getrost im Laden lassen. Klingt einfach. Ist es auch – und schont den Geldbeutel!