Environmant, Social, Governance (ESG): EU-Taxonomie schreibt Nachhaltigkeits-Fragen vor

Lange ist es bereits in den Köpfen nicht nur rendite- sondern auch zukunftsorientierter Anleger und Anlegerinnen verankert, nun findet das Thema Nachhaltigkeit auch legislativen Einzug in den Kapital- und Versicherungsmarkt.

Seit dem 2. August 2022 müssen wir, die Versicherungsunternehmen, beim Vertrieb von Anlageprodukten Sie, die Anlegenden, nach Ihren Nachhaltigkeitspräferenzen fragen. Und Ihre Vorlieben dann auch in die Auswahl der Produkte einfließen lassen. Verantwortlich dafür: Eine neue Taxonomie-Verordnung der EU, die frischen (und vor allem „grünen“) Wind in die bestehende Finanzmarktrichtlinie bringen soll. Verbrauchende sollen so zukünftig noch besser geschützt werden und von einer höheren Transparenz profitieren. Oder anders ausgedrückt: Brüssel will die Kundenwünsche noch mehr in den Mittelpunkt der Anlageberatung stellen. Und das Thema Nachhaltigkeit gleich mit dazu.

Worauf Anlegende sich konkret einstellen können und was Nachhaltigkeit bei Anlageprodukten überhaupt bedeutet: Hier lesen Sie es! 

Eines sei jedoch vorweggenommen: Nachhaltigkeit heißt nicht gleich weniger Rendite. Ganz im Gegenteil!

Was die neuen ESG-Fragen mit Kapitalanlagen zu tun haben?

Die Gewinner der neuen Regelungen sind nicht nur Umwelt und Mitmenschen. Insbesondere Sie als Anleger oder Anlegerin profitieren von der Verordnung. Denn Nachhaltigkeitspräferenzen werden plötzlich auf eine Stufe mit anderen Anlagezielen wie Rendite oder Risiko gestellt. Und die von der Versicherung empfohlenen Anlageprodukte müssen eben diesen Ansprüchen auch entsprechen. Oder anders gesagt: Wenn Sie umfassender informiert sind, können Sie besser in jene Kapitalanlagen investieren, die auf Ihre Werte, Bedürfnisse und Ansprüche zugeschnitten sind.

Übrigens: Eine Einschränkung ist die EU-Verordnung keineswegs. Denn wer nicht nachhaltig investieren will, muss dies nicht tun. Machen Sie also im Beratungsgespräch deutlich, dass Sie auf Visionen für eine bessere Welt verzichten können, bietet Ihnen der oder die Vermittelnde das gesamte Spektrum an Finanzinstrumenten an. Ob nachhaltig oder nicht, spielt dann keine Rolle.

Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten: Was bedeutet das genau?

EU und beratende Versicherungsunternehmen ordnen grüne Investments nach bestimmten Kriterien in drei Nachhaltigkeits-Gruppen ein. Doch Vorsicht: Die drei Kategorien haben einen unterschiedlich hohen Nachhaltigkeitsanspruch und fokussieren verschiedene Bereiche der Nachhaltigkeit. Auch oder gerade deshalb sorgt die Abfrage Ihrer Präferenzen hier für mehr Transparenz.

Die Grundlage dieser Kriterien bilden die 17 Sustainable Development Goals, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (kurz: VN, englisch: United Nations/UN).

Das sind die drei Nachhaltigkeitsgruppen für Investments:
 

1. Nachhaltige Finanzprodukte entsprechend der EU-Taxonomieverordnung

Anlageinstrumente, die die Taxonomieverordnung berücksichtigen, haben sich der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Die Taxonomie der Europäischen Union stützt sich auf ein System, das vor allem sechs der 17 UN-Ziele umfasst:

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meer
  4. Kreislaufwirtschaft
  5. die Vermeidung von Umweltverschmutzung
  6. die Förderung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme

Die EU-Verordnung sorgt dafür, dass ein Anlageinstrument dann als „ökologisch nachhaltig“ gilt, wenn die wirtschaftliche Tätigkeit der darin aufgeführten Unternehmen mindestens einem dieser Umweltziele dient. Gleichzeitig darf sie aber keine anderen Ziele beeinträchtigen.

Außerdem müssen die Unternehmen den sogenannten Mindestschutz gewährleisten. Dabei handelt es sich um bestimmte Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Regeln der Unternehmensführung, die von OECD (der Organisation von 38 Mitgliedstaaten zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung), den Vereinten Nationen sowie in den Kernübereinkommen und der Internationalen Charta der Menschenrechte aufgeführt sind.

Und: Die wirtschaftliche Tätigkeit muss gewisse technische Vorgaben erfüllen, für die in der Taxonomieverordnung messbare Kriterien festgelegt wurden.   

Diese Kategorie beinhaltet die strengsten ökologischen Nachhaltigkeitskriterien. In Anlehnung an die gleich folgende Offenlegungsverordnung aus dem Jahre 2019 hat die EU 2020 in diesem Bereich noch einmal nachgebessert. Und konkretere Kennzahlen und Aussagen formuliert, um Greenwashing zu verhindern und Investitionen als wirklich nachhaltig zu klassifizieren.

2. Finanzprodukte entsprechend der EU-Offenlegungsverordnung (ESG-Regelung)

Immer noch nachhaltig, wie bereits erwähnt aber mit einem etwas geringerem Anspruch im ökologischen Bereich. Dafür erfüllen diese Investitionen auch Kriterien der sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit. In diese Sparte fallen nämlich Finanzprodukte, die gemäß der Offenlegungsverordnung die ESG-Faktoren erfüllen. ESG sagt Ihnen gar nichts? Kein Problem, wir klären auf!

ESG steht für Environmental, Social und Governance und deckt damit die drei Bereiche der Nachhaltigkeit ab. Heißt zu Deutsch: Eine Investition ist nachhaltig, wenn sie entweder ökologisch nachhaltig ist, also die Erreichung eines der bereits angesprochenen sechs Umweltziele begünstigt. Alternativ kann sie aber auch zur Erreichung eines sozial nachhaltigen Ziels, beispielsweise im Bereich Menschenrechte oder soziale Ungleichheit, beitragen. Egal welche Nachhaltigkeit erfüllt wird, es gilt wieder: Kein Umweltziel und kein soziales Ziel darf durch die Geschäftstätigkeiten innerhalb des Finanzprodukts erheblich beeinträchtigt werden. Zu E und S kommt nun aber noch das G: eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die müssen die Unternehmen innerhalb des Anlageinstruments zum Beispiel durch solide Managementstrukturen, Innovationen, angemessene Vergütung oder die Einhaltung der Steuervorschriften gewährleisten.

3. Finanzprodukte zur Vermeidung nachteiliger Auswirkungen

Die Investitionen in dieser Kategorie fördern zwar keine positiven Ziele, vermeiden aber immerhin negative Auswirkungen. Dementsprechend gilt für diesen Bereich der geringste Nachhaltigkeitsanspruch. Im Englischen wurde für diese nachteiligen Auswirkungen das Kürzel PAI gewählt (Principle Adverse Impact). Ihr Vorteil: Sie können selbst bestimmen, welche negativen Effekte in Ihrem Finanzprodukt vermieden werden und inwieweit. So haben Sie es zum Beispiel selbst in der Hand, dass mit Ihrem Geld keine Investitionen in Kohleenergie oder Rüstungsunternehmen getätigt werden. Oder Ihr Geld nicht in Aktien von Unternehmen fließt, die für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind.

Wie gesagt: Je nach Nachhaltigkeits-Sektor gelten verschieden strenge Kriterien. Natürlich können Finanzprodukte auch die Kriterien mehrerer Kategorien erfüllen. Wenn sie beispielsweise sozial und ökonomisch nachhaltig sind, zusätzlich aber die strengen ökologischen Kriterien der Taxonomieverordnung erfüllen. Einige Investitionen haben dazu noch konkrete Ausschlüsse formuliert, um die PAI der dritten Kategorie zu vermeiden.

Falls Sie sich nicht festlegen möchten, können Sie Ihre Investments auch auf die verschiedenen Bereiche aufteilen. Oder aber Sie investieren generell nur einen bestimmten Teil in nachhaltige und den Rest in übrige Finanzinstrumente. Sie als Anleger oder Anlegerin haben die Macht.

Die Vorteile nachhaltiger Investitionen

Die neue Verordnung sorgt vor allem für eines: Transparenz bezüglich der Nachhaltigkeit von Finanzprodukten. Die Gründer und Manager von Aktienfonds und Co. müssen nun konkret nachweisen, nach welchen Werten sie mit Ihrem Geld spielen und ob ihnen der Schutz des Planeten und der Menschheit wichtig ist. Und das geht keineswegs auf Kosten der Sicherheit und Rendite Ihrer Anlage. Denn die hängen weiterhin von der Art Ihres Finanzprodukts und nicht vom Nachhaltigkeitsgrad ab. Eine Studie der Smith School of Enterprise and the Environment der University of Oxford kam sogar zu dem Schluss, dass ESG- und Nachhaltigkeitspraktiken in über 80 Prozent der Fälle zu einer besseren Unternehmensleistung und steigenden Aktienkursen führen. Heißt: Nachhaltig bedeutet in der Regel auch rentabel.

Kein Wunder: Denn erneuerbare Energien, nachhaltige Innovationen und umweltfreundliche Prozesse sind bekanntermaßen die Zukunft.
 

100 Prozent Klimaschutz: Die Pangaea Life Fonds der Bayerischen

Sie möchten Ihr Geld in nachweislich klimaschützende Projekte investieren und davon auch selbst finanziell profitieren? Dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Pangaea Life Fonds der Bayerischen.

Beide Fonds erfüllen sowohl die Kriterien der Taxonomie- als auch der Offenlegungsverordnung. Und schließen zusätzlich noch etliche PAI (nachteilige Auswirkungen) wie Kinderarbeit, fossile Brennstoffe oder Rüstungsunternehmen aus. Nachhaltiger geht kaum.