Depression zwischen Winter und Frühling – wenn die Jahreszeit traurig macht

Man müsste meinen, das nahende Frühlingserwachen nach der lichtarmen und kalten Jahreszeit wirke wie ein Booster für die Stimmung. Einige Wochen nach Jahresbeginn steht schließlich alles auf Anfang: Neues Jahr, neues Glück. Tatsächlich aber fühlen sich viele Menschen davon entfernter denn je und leiden an einer Winterdepression. Diese tritt, wie der Name verrät, meist während der dunklen Jahreszeit auf, der Kurzbegriff lautet ‚SAD’ – saisonal-abhängige Störung. Gestört ist vor allem der Hormonhaushalt im Körper. Durch eine niedrige Lichtintensität schüttet unser Körper mehr Melatonin, das Schlafhormon, aus. Dieses macht nicht nur müde, sondern erhöht auch die Anfälligkeit für Depressionen. Zur Entstehung des Schlummerhormons wird Serotonin in Melatonin umgewandelt. Das Problem? Serotonin ist unser körpereigenes Glückshormon. Dessen Abbau begünstigt die Winter-Depression damit zusätzlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass die schönste Zeit des Jahres nun hinter uns liegt. Weihnachten und Silvester sind für die meisten ein Anlass, um Quality-Time mit der Familie und Freunden zu verbringen, gut zu essen und Erholung zu finden. Die anschließende Silvesterfeier tritt man mit Hoffnung und ambitionierten Vorsätzen fürs neue Jahr an. Sind einige Wochen des neuen Jahres vergangen, folgt nicht selten die ernüchternde Erkenntnis, dass Neujahrsvorsätze bereits gebrochen wurden, das neue Jahr nicht automatisch neues Glück bedeutet und die ganze Arbeit noch bevorsteht. Dieses Gefühl hat mittlerweile einen eigenen Aktionstag, den Blue Monday – laut des britischen Psychologen Cliff Arnall der deprimierenste Tag des ganzen Jahres.

Dieses Phänomen wiederholt sich bei den meisten leider jedes Jahr. Finden Sie daher mit uns heraus, welche Symptome auf den Winterblues hindeuten und wie sich die saisonale Depression behandeln bzw. vermeiden lässt.

Frühjahrsblues frühzeitig erkennen – welche Symptome gibt es?

Jeder hat ja mal schlechte Laune wegen dem Wetter. Zu kalt, zu wenig Schnee, der Himmel zu grau - das schlägt schnell negativ auf jede Stimmlage. Hält dieses negative Gefühl allerdings über Tage an, könnte auch eine Winter-Depression dahinterstecken. Zur Entstehung tragen vor allem das mangelnde Tageslicht und eine Veränderung des Hormonhaushalts bei. Dies erklärt auch, weshalb der Winterblues in südlichen Ländern kaum verbreitet ist, während die Winter-Depression in Skandinavien und Nordeuropa häufig vorkommt.

Die Umwandlung des Glückshormons Serotonin zu Melatonin kann zu Beschwerden wie einem erhöhten Schlafbedürfnis sowie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit führen. Betroffene sind bereits morgens müde und lustlos und erleben ein starkes Stimmungstief, das sich über den Tag hinweg nicht auflöst.

Dabei kommt eine regelrechte Abwärtsspirale in Fahrt: Schlechte Stimmung und Abgeschlagenheit führen zu einer Leistungsminderung, diese wiederum ruft dann Schuldgefühle und Unzufriedenheit hervor. Und dann geht alles wieder von vorne los. Das Wechselspiel der Hormone sorgt außerdem nicht selten für Schlafstörungen und kann Heißhungergefühle verstärken. Die Lust auf Süßes führt in einem zweiten Schritt zu einer nährstoffarmen Ernährung und einer eventuellen Gewichtszunahme, die die Verstimmung nicht verbessert. Durch ein verändertes Körperbild und Antriebslosigkeit kann sich die Winter-Depression zudem negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken: Betroffene fühlen sich in ihrem Körper nicht mehr wohl und verzeichnen beruflich wie privat weniger Erfolge. Sich in diesem verwundbaren Zustand zu zeigen, fällt vielen schwer – zu typischen Symptomen des Winterblues zählt damit auch der soziale Rückzug.

Winter- & Frühjahrsblues: Wer ist betroffen?

Abends wird es früher dunkel, morgens später hell – auf Tageslichtmangel reagieren die meisten Menschen mit einer Veränderung der Schlafgewohnheiten und der Hormone. Prinzipiell kann diese saisonal abhängige Depression also jeden treffen. Anfälliger scheinen jedoch insbesondere Frauen und Menschen jüngeren Alters. Der Grund dafür liegt aber sicher auch darin, dass Männer seltener Hilfe suchen und in entsprechenden Untersuchungen nicht berücksichtigt werden.

Experten schätzen, dass jede zehnte Depression dem Winterblues zuzuschreiben sei. Einen Hinweis darauf, ob es sich bei Ihrer wechselnden Laune um eine Winter-Depression oder eine bloße Verstimmung handelt, geben Ihnen die folgenden Fragen:

  • Sind Sie mehrere Tage am Stück niedergeschlagen oder verspüren Sie ein Stimmungstief?
  • Fühlen Sie sich oft antriebslos und müde?
  • Haben Sie verstärkt Lust auf Süßes und hat sich Ihr Körper infolgedessen verändert? Zeichnet sich bei Ihnen statt einer Gewichtszunahme eher eine Gewichtsabnahme ab, könnte dies auf eine andere Depressionsform hindeuten.
  • Treten Ihre Symptome nur im Winter bei wenig Tageslicht auf?
  • Fällt es Ihnen schwer, privat wie beruflich Aufgaben zu erledigen?

Konnten Sie einige dieser Fragen bejahen, könnten Sie unter einer Winter-Depression leiden. Sollten Sie sich deswegen schon länger unwohl fühlen, suchen Sie am besten Ihren Hausarzt für weitere Untersuchungen auf. 

Damit die dunkle Jahreszeit nicht die Laune verdunkelt: Tipps gegen Winterdepression & -Blues

Der saisonale Stimmungskiller kommt jedes Jahr wieder und macht uns das Leben schwer. Die gute Nachricht: Sie können dem Winterblues vorbeugen. Verschiedene Therapien wie Licht-, Psychotherapie sowie eine medikamentöse Behandlung können saisonal-depressive Erkrankungen verhindern.

  1. Es werde Licht: Die Winterdepression durch Lichttherapie lindern. Die Lichttherapie imitiert durch künstliche Lichtquellen das Tageslicht. Einige Tageslichtlampen weisen eine Lichtstärke von etwa 10.000 Lux auf – diese entspricht der Helligkeit eines Sommertages und trägt zu einer künstlichen Tagesverlängerung bei. Patienten sollten bei dieser Lichtstärke morgens je eine halbe Stunde vor der Lampe sitzen.Bei schwächeren Lichtstärken um die 2.500 Lux können Betroffene eine Stunde morgens oder nach Sonnenuntergang vor der Tageslichtlampe verbringen. Wirkungsweise: Aufgrund der verstärkten Lichteinstrahlung produziert das Gehirn mehr Serotonin und baut Melatonin ab. Diese Therapieform kann dadurch eine Regulierung des Hormonhaushalts hervorrufen und die Laune innerhalb weniger Tagen verbessern.
  2. Zusammen sind wir stark! Winterblues durch Psychotherapie behandeln: Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei der jahreszeitbedingten Depression bewährt. Bei dieser Therapieform geht es darum, sich seiner Gedankenmuster, Emotionen und darauf basierenden Verhaltensweisen bewusst zu werden. So können minimale Verhaltensveränderungen – wie etwa morgens ein Workout einzubauen – depressive Symptome lindern.
  3. Medikamentöse Therapie bei schweren Winter-Depressionen: Bei schweren oder langanhaltenden Erkrankungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten in Betracht gezogen werden. Zu den bekanntesten gehören Noradrenalin- und Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer sowie Antidepressiva. Führen Sie eine medikamentöse Behandlung nur nach Rücksprache mit Ihrem Hausarzt durch.
  4. Bewegung an frischer Luft: Es fällt natürlich schwerer sich im Winter aufzuraffen, gerade wenn sich draußen ein graues Bild bietet. Aber es lohnt sich! Dank der Bewegung an frischer Luft können Sie Ihrem Blues bald „Ade“ sagen. Allein sind Sie unmotiviert? Schnappen Sie sich Ihre Freunde und nichts wie raus. Auch wenn der Winter auf den ersten Blick trostlos wirkt, selbst in der kalten Jahreszeit gibt es viel für Sie zu entdecken.

Jetzt heißt es aktiv werden und in Eigenregie die saisonale Stimmung heben

Wer auf den Einsatz von Medikamenten verzichten möchte, kann der Winter-Depression auf natürliche Weise entgegenwirken. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung steigert das Wohlbefinden und die innere Balance – auch die des Hormonhaushalts. So sorgt der Verzehr dunkler Schokolade oder puren Kakaos für einen Anstieg des Serotoninspiegels und gute Laune. Das darin enthaltene Koffein pusht zusätzlich und vermindert empfundene Antriebslosigkeit. Endlich zwei gute Gründe, um sich gelegentlich ein Stück Schokolade zu gönnen – sie macht wirklich glücklich!

Mit den folgenden Schritten hebt sich die Stimmung (fast) von allein:

  • Gesunde Ernährung: Klingt wie ein Klischee, ist aber wahr. Versorgen Sie Ihren Körper mit wichtigen d- und B-Vitaminen und vielen Mineralstoffen. Auf den Speiseplan gehören viel Obst und Gemüse, sowie Fisch- und Vollkornprodukte.
  • Verbessern Sie Ihr Körpergefühl: Wir wollen jetzt keinen allgemein Sport-Apell erteilen, aber jede Bewegung setzt Glückshormone frei und verbessert das Selbstwertgefühl. Egal ob Spinning mit Freunden, ein Tanzkurs oder lange Spaziergänge mit dem besten Freund und anschließendem Kaffeeklatsch. Erlaubt ist, was guttut. 
  • Your home ist your castle: Machen Sie Ihr zuhause zu einer Wohlfühloase mit den richtigen Farben, Düften und einer warmen Beleuchtung. Lavendel und Blau wirken beruhigend und erinnern an warme Tage in Südeuropa, frische Duftnoten wie Orange und Zitrone verheißen frische Frühlingsluft und kurbeln den Kreislauf an. Unterstützend wirken Gelb, Orange und Grün, denn die positiven Farben hellen jede Stimmung auf.
  • Abwechslung ist Trumpf: Im Winter wird die Couch zum neuen besten Freund. Aber irgendwann kann man sie auch nicht mehr sehen. Also nichts wie raus unter Leute. Vielleicht versuchen Sie einen organisierten Malkurs oder schmökern endlich mal wieder stundenlang im warmen Buchladen. Hauptsache Sie kommen mal raus.
  • Verwöhnen Sie sich: Gerade wenn die Tage länger werden, machen wir es uns gemütlich. Zelebrieren Sie das doch mal so richtig bei den ersten Anzeichen eines Frühjahrs-Blues und gönnen Sie sich eine Massage oder einen entspannenden Sauna Tag.

Tschüss, Frühjahrs-Blues. Hallo, Leben!

Die gute Nachricht: Die saisonal abhängige Depression verfliegt meist mit den ersten Sonnenstrahlen bei Frühlingserwachen. Trotzdem sollte eine Winter Depression ernst genommen und rechtzeitig behandelt werden. Beobachten Sie, mit welcher Therapieform Sie im Kampf gegen den Winterblues die größten Erfolge erzielen: Mit einer Licht-, Psychotherapie oder einer medikamentösen Behandlung. Aber auch Sie selbst können einiges für Ihre Stimmung tun. Warum nicht ein kleiner Kurzurlaub? Nehmen Sie sich eine Auszeit von der dunklen Jahreszeit und tanken Sie Energie und Licht für Ihren Neustart.