Der erste Kinderfasching: So wird er ein Erfolg

Wenn Ihr Kind das nächste Mal ‚Wau-Wau’-rufend durch die Wohnung prescht, ist möglicherweise Faschingszeit (oder Ihr Partner hat allen Widerständen zum Trotz doch einen Hund gekauft). Überall im Lande begrüßen sich Narren mit den eben genannten Tierlauten – oder den anderen „Klassikern“ wie dem altbekannten Helau, Alaaf oder Ahoi. Damit kündigen sie die fünfte Jahreszeit an, in der ausgiebig gefeiert wird. Ob Fasching, Karneval oder Fastnacht – zu dieser Zeit darf das richtige Kostüm nicht fehlen. Doch unzertifizierte, billig produzierte Verkleidungen bergen besonders für den Nachwuchs so einige Gefahren. Dasselbe gilt übrigens auch für ungeprüftes Kostümzubehör oder Schminke. Dazu gleich noch ein wenig mehr.
Ist die Kostümfrage aber erstmal geklärt, sind Karnevalsumzüge und -partys die nächste Herausforderung für kleine Kinderseelen und -ohren. Echt anmutende Faschingskostüme, laute Musik und Menschenmassen können die lieben Kleinen schnell überfordern. Unser Autor spricht hier aus eigener rheinländischer Kindheits-Karnevalsumzugs-Erfahrung.

Kinderfaschingsveranstaltungen sind deshalb gerade für sehr junge Jecken oft die bessere Alternative, damit nicht nur Groß, sondern auch Klein ordentlich Spaß in und an der Faschingszeit hat.

Sicherheit geht vor: Worauf Sie beim Kinderkostüm achten sollten

Auf die Qualität des Kostüms sollten Sie einen genauen Blick werfen. Viele Kinderkostüme bestehen nämlich leider aus Baumwolle und Polyester: Eine gefährliche Materialkombination! Wir zeigen, wo noch überall Gefahren lauern:

  • Das Material: Gar nicht so leicht, etwas Ungefährliches zu finden: Baumwolle ist leicht entflammbar und Polyester verkohlt nach dem Schmelzen. Achten Sie deswegen auf kinderfreundliche Materialmixe. Und Feuer hat in der Nähe von kleinen Karnevalisten ja ohnehin nichts zu suchen.
  • Vorsicht bei Schadstoffen: Minderwertige Kostüme weisen häufig Schadstoffe auf, die sensible Kinderhaut reizen und Allergien auslösen können. Enthaltene Chemikalien entlarven Sie schnell durch einen Blick auf das Etikett oder den unangenehmen, chemischen Geruch der Kleidung. Vertrauen Sie Ihrer Nase und lassen Sie Kostüme mit unangenehmem Geruch gleich hängen. 
  • Schützen Sie empfindliche Kinderhaut: Werden Kostüme ungewaschen getragen, lösen sich durch Schwitzen und Körperwärme oft Schadstoffe heraus. Diese führen insbesondere auf zarter Kinderhaut schnell zu Kontaktallergien, Ausschlägen oder lagern sich in Organen ab. Achten Sie daher auf zertifizierte Kostüme und mindestens einen Waschgang vor dem ersten Kinderfasching. Eine zusätzliche Kleiderschicht hält die kleinen Jecken warm und verhindert den direkten Hautkontakt. Sicher ist sicher.
  • Der Teufel steckt im Detail: Achten Sie bei der Kostümwahl zudem auf die Details wie Schnüre, Fransen und Ketten. Bleiben die lieben Kleinen irgendwo hängen, werden aus den niedlichen Kostümen schnell gefährliche Stolperfallen mit Strangulationsgefahr. Auch Kleinteile, die an den Kostümen hängen, können schnell verschluckt werden. Untersuchen Sie die Kostüme also gründlich auf Gefahrenquellen.

Kein Kinderfasching ohne Kostümzubehör

Was wäre eine Kostümierung ohne die passenden Accessoires? Schließlich macht erst die Krone eine echte Prinzessin, das Schwert einen mutigen Ritter und der passende Stern den kleinen Sheriff wirklich einsatzbereit. Achten Sie bei aller Unerlässlichkeit aber unbedingt auf deren Herstellung. Scharfe, spitze und laute Gegenstände haben auf dem Kinderfasching nichts zu suchen! Kinder könnten andere oder sich selbst damit verletzen. Und was Spielzeug-Schusswaffen angeht… naja, Sie können sich unsere Meinung dazu wahrscheinlich denken, oder?
Und es geht weiter: Denn Kostümaccessoires sollten zwar grundsätzlich möglichst weich sein, aber am dafür verwendeten Plastik – oder besser: den dafür benötigten Weichmachern darin – scheiden sich wirklich die Geister. Von den regelmäßig zu hohen Grenzwerten (gerade bei billiger Ware) dürfte nun auch der Letzte gehört haben. Achten Sie beim Kauf daher auf CE-zertifizierte Artikel, um einem Gesundheitsrisiko vorzubeugen.

Ok, fast geschafft: Doch auch bei Perücken und Masken, die auf der Haut getragen werden, ist Vorsicht geboten. Durch den Körperkontakt gelangen gesundheitsschädliche Stoffe schnell in den kindlichen Organismus. 

Und noch viel, viel wichtiger: Stellen Sie unbedingt sicher, dass die Maske über ausreichend Luftschlitze verfügt, sonst droht schnell Erstickungsgefahr!

Kindgerechte Karnevalsumzüge – bunt, aber nicht ganz so laut und gefährlich

Karnevalsumzüge sind bunte und laute Menschenansammlungen, die eine unglaubliche Energie hervorbringen. Aber auch viel Stress und eine hohe Geräuschbelastung für Ihr Kind. Eltern sollten Säuglinge und Kleinkinder deshalb lieber nicht zu großen Faschingsumzügen mitnehmen. Die Lautstärke, niedrige Temperaturen und der große Menschenandrang können kleine Karnevalsbesucher nämlich schnell schwer belasten. Erst ab einem Alter von ungefähr drei Jahren sind Kinder einigermaßen in der Lage, die Eindrücke besser zu verarbeiten.

Kindgerechte Umzüge sind eine sichere Lösung, um den Kleinen die Tradition des Faschings und Karnevals nahezubringen. Wir haben die Vorteile im Überblick:

  • Sicher durch die Karnevalszeit: Ein überschaubarer Karnevalsumzug in Dörfern oder Gemeinden bietet die Möglichkeit, sich schnell mit dem Kind zurückzuziehen.
  • Ja, wo laufen sie denn: Bei kleinen Umzügen haben Sie Ihre Sprösslinge viel besser im Blick. Gerade wenn die Kinder um die leckeren Kamellen buhlen, kann es sehr schnell sehr unübersichtlich werden. 
  • Nutzen Sie moderne Technik: Viele Eltern schwören darauf, Ihre Kleinkinder bei großen Veranstaltungen mit einem GPS-Tracker auszustatten. Und wir meinen: Sicher ist sicher. Das kleine Gerät kann sehr einfach an Halsketten, in Einlegesohlen, Uhren oder Armbändern angebracht werden und lässt Sie Ihren Nachwuchs auch im kindlichen Karnevalsgewirr immer wiederfinden. 
  • Vorsicht Geräuschkulisse: Die Lärmbelastung ist beim Kinderfasching und anderen kindgerechten Veranstaltungen viel geringer. Das freut auch das Nervenkostüm der Eltern.

Und noch eine kleine Warnung: Kinderfasching und Karnevalspartys für die Kleinen sind ohne fantasievolle Kostümierungen zwar unvorstellbar. Von Karnevalsliebhabern werden aber auch diese heute immer realistischer und aufwendiger umgesetzt. Ein leider etwas problematischer Trend, denn täuschend echte Verkleidungen mögen für Erwachsene vielleicht ein gelungenes Karnevalsoutfit sein – gerade Kleinkinder nehmen diese aber womöglich ganz anders wahr. Gruselkostüme mit Kunstblut, entstellten Gesichtern oder anderem, bedrohlich wirkendem Zubehör können von diesen nämlich schnell als reale Bedrohung empfunden werden.

Unser Tipp: Behalten Sie Ihre Kleinen im Auge, um sofort reagieren und gegebenenfalls die Veranstaltung verlassen zu können.

Let’s party! Karnevalsfeiern für Erwachsene – aber mit Kind?

Um die lange Karnevalstradition auch mit Kind aufrecht zu erhalten, bieten sich private Karnevalsfeiern an.  Denn das Feiern im kleinen Rahmen ist meist deutlich besser als ein Karnevalsumzug dazu geeignet, um dem Nachwuchs die Freude am Fasching zu vermitteln. Solange auch bei der privaten Sause alles im Rahmen bleibt, versteht sich.

Basteln Sie mit Ihren Kindern die passende Deko wie bunte Luftschlangen, Hütchen und Windlichter mit Konfetti am besten in den Wochen zuvor einfach selbst. Auch das gemeinsame Einfärben der Haare und Vorbereiten sowie Verzieren der Kostüme sind positive Momente. Damit wird bereits die Vor-Karnevalszeit zu einer wunderschönen Erinnerung.

Achten Sie bei der privaten Heim-Karnevals-Party darauf, dass alle Kinder stets beaufsichtigt werden. Und solange der Nachwuchs anwesend ist, sind eigentlich auch Alkohol und Zigaretten für die feiernden Erwachsenen tabu. Klingt fade? Dann organisieren Sie einfach eine Kinderfaschingsparty mit fantasievoller Dekoration und allen Kindergarten- und Schulfreunden am Nachmittag und veranstalten Sie am Abend eine Kostüm-Pyjama-Party für die erschöpften Nachwuchskarnevalisten. Das lässt Kinderherzen höherschlagen – und Eltern zugegeben so manchen Hörsturz erleiden, aber eben dann auch noch ein wenig „richtig“ feiern.

Typische Kinderkostüme als Streitthema: Gender-Alarm im Karneval!

Begeisterte Karnevalisten investieren viel Zeit und Geld in originelle Faschingskostüme. Sie erlauben ihnen für eine begrenzte Zeit in neue Rollen zu schlüpfen. Insbesondere Kinder mit blühender Fantasie haben ebenfalls große Freude daran, sich in jemand anderes zu verwandeln. So werden viele Mädchen am liebsten zu eleganten Prinzessinnen, Jungen zu starken Rittern – und bedienen damit (oft ganz von selbst) vorherrschende Gender-Klischees. Müssen sie aber nicht.
Trotzdem: Gerade zur Faschingszeit diskutieren Eltern, Erzieher und Psychologen besonders kontrovers darüber, inwiefern Kinder durch stereotype Kostüme beeinflusst werden. Was also tun? Ganz einfach: Lassen Sie Ihr Kind entscheiden! Oder kombinieren Sie mehrere Wünsche, schließlich sieht man einen Astronauten-Schmetterling oder eine Indianer-Katze eher selten in „freier Wildbahn“. 😊

Vorteile der freien Kostümwahl – Vorsicht der „Moralapostel-Modus“ ist an

Kinder sollten Kinder sein, gerade an den Faschingstagen – meint übrigens auch die Wissenschaft (zumindest mehrheitlich, soweit wir wissen):

So verzeichnen Entwicklungspsychologen bei Kindern, die in geschlechtsuntypische Rollen schlüpfen durften, oft ein höheres Maß an Toleranz und Empathie. Das stereotypische Kostüm Mädchen- oder Jungenkostüm verbieten sollten Sie jetzt aber natürlich auch nicht. 
Wir meinen: Erlaubt sein sollte an Karneval alles, was gefällt. So lange es andere Bevölkerungsgruppen oder Ethnien nicht verletzt. Es ist schließlich Karneval. Helau und Alaaf!