Anpacken nach der Silvesternacht: Was es beim Aufräumen von Böllern zu beachten gibt

Das neue Jahr will gebührend gefeiert werden – meistens mit Feuerwerk, Böllern und viel Sekt! Und das natürlich völlig ausgelassen und ohne einen Gedanken an den dabei verursachten Müll. Den muss ja ohnehin die Stadtreinigung entsorgen. Oder? Nicht ganz.

Generell gilt, dass die Verursacher den Dreck auch wegräumen müssen. Da scheitert die Theorie aber eindeutig an der Praxis. Oftmals sind es nämlich vor allem die Anlieger, die durchweichte Papp-Böller, leere Silvesterbatterien und verirrte Raketen am Neujahrsmorgen wegräumen.

Doch Vorsicht: Dabei sollten unbedingt ein paar Dinge beachtet werden, denn eventuell noch nicht gezündete Feuerwerkskörper und andere Hinterlassenschaften bergen viele Gefahren. Wir zeigen, was Sie bei der nachbarschaftlichen Müllentsorgung am 1. Januar beachten sollten.

Silvester: Wer feiern kann, sollte auch aufräumen

In der Silvesternacht wird das Glück des neuen Jahres mit atemberaubenden Feuerwerken und Böllern begrüßt und mit Sekt (gern direkt aus der Flasche) angestoßen. Viele genießen das schöne Lichtspektakel in der Nacht, am Morgen danach ist der Anblick jedoch weniger erfreulich. Feuerwerkskörper, Böllerreste, Glasscherben und sonstiger Partymüll prägen das Stadtbild. Das Problem: Viele Einwohner verlassen sich nach dem Jahreswechsel auf die Stadtreinigung, anstatt den verursachten Müll selbst zu entsorgen. 

Aufräumen nach Silvester – wer ist verantwortlich oder gesetzlich verpflichtet?

Viele Anwohner gehen davon aus, dass die Stadtreinigung den Silvestermüll beseitigt. Prinzipiell gilt aber: Wer den Müll verursacht, muss sich auch um dessen Beseitigung kümmern. Kommen Verursacher ihrer Pflicht nicht nach, können die Reinigungskosten auf die Anwohner umgelegt werden. Damit das neue Jahr nicht mit einer Sonderrechnung oder einem Nachbarschaftsstreit beginnt, sollten sich Hausbesitzer sowie Mieter über ihre Pflichten informieren.
Wer selbst mit Feuerwerk und Böllern feiert sowie im Freien anstößt, muss den hervorgehenden Abfall entfernen – und zwar zeitnah. Hier gilt nämlich das sogenannte Unverzüglichkeitsgebot.

Denn verletzt sich jemand oder entsteht ein Sachschaden, ist klar geregelt: Wer den Abfall verursacht hat, muss für den Schaden aufkommen. Das gilt beispielsweise, wenn ein Kind über Böllermüll stolpert und sich verletzt oder Reifen durch Glasscherben beschädigt werden. Räumen Sie Ihren Silvestermüll daher umgehend auf, um Schäden sowie zusätzliche Kosten zu vermeiden. 

Gemein, aber leider wahr: Entfernt der Verursacher die Überreste seines privaten Feuerwerkes nicht, ist der Eigentümer des verschmutzten Grundstücks zur Entsorgung verpflichtet.

Die Kosten der Straßenreinigung werden Hausbesitzern ohnehin in Rechnung gestellt. Bewohnen Sie Ihre Immobilie nicht selbst, können Sie diese über die Nebenkosten auf den Mieter umlegen. Bei einer Verunreinigung des Grundstücks sind Mieter verpflichtet, den Müll nach der Silvesterparty zu entfernen. Unser Tipp: Legen Sie einen Termin fest, an dem alle Mieter das Grundstück gemeinsam reinigen. Das gesellige Get-together verbessert nicht nur die Nachbarschaftsbeziehungen, sondern spart auch Geld. 

Kehr for others – wie Sie gefährliche Müllreste richtig entsorgen

Nach der Silvesterfeier pflastern Feuerwerks- und Pulverreste sowie Glasscherben Straßen und Gärten. Diese Überreste sehen nicht nur trostlos aus, sondern bergen auch ein mitunter erhebliches Verletzungsrisiko. Fußgänger auf Feuerwerksmüll ausrutschen, Blindgänger unerwartet zünden.

Dem Verursacher drohen hohe Bußgelder, im schlimmsten Fall eine Freiheitsstrafe. Entsorgen Sie den Silvestermüll daher ordnungsgemäß.

Wie Sie Silvestermüll sicher entsorgen:

  • Befeuchten Sie abgebrannte Feuerwerkskörper, Böller und -batterien, um ein erneutes Entzünden zu vermeiden. Warten Sie zudem ab, bis Feuerwerkskörper und Batterien abgekühlt sind. Sind diese noch warm, könnten sie sich in der Tonne entzünden!
  • Gezündete Pyrotechnik können Sie von der Straße aufsammeln und in der grauen Restmülltonne oder dem normalen Hausmüll entsorgen. Das gilt auch für Batterien, da diese meist Ton- oder Kalkelemente enthalten.
  • Leere Glasflaschen ohne Pfand entsorgen Sie wie gewohnt im Glascontainer, Glasscherben und Kleinteiliges im Restmüll.
  • Verpackungsmaterial landet im Altpapier oder in der gelben Tonne.

Achtung Blindgänger!

Nicht gebrauchte Feuerwerke, Böller und Raketen können Sie in der Regel bis zum nächsten Silvesterfest trocken (!) lagern. Möchten Sie das überschüssige Feuerwerk nicht aufbewahren, müssen die Überbleibsel vor der Entsorgung unschädlich gemacht werden. Legen Sie sie einige Stunden in ein Wasserbad, sowie anschließend in einen mit Erde oder Sand befüllten Beutel. Darin können Sie ungebrauchte Pyrotechnik in der grauen Tonne entsorgen, ohne ein ungewolltes Abbrennen befürchten zu müssen.

Silvester-Cleanups für ein reines Gewissen

Die Verkaufszahlen bunter Knallkörper und Silvesterartikel steigen von Jahr zu Jahr. Umso wichtiger also, neue Lösungen für deren Beseitigung und die Umwelthilfe zu finden. Anstatt sich dabei auf die Stadtreinigung oder Nachbarn zu verlassen, werden Sie lieber selbst aktiv. Sie schlagen damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Umwelt wie Nachbarschaft danken Ihnen den Einsatz – und Sie starten mit einer guten Tat ins neue Jahr!

Jedes Jahr fallen nämlich allein in deutschen Großstädten etwa 190 Tonnen Silvestermüll (und für die Abfallbetriebe daher einige Überstunden) an.

Kleiner Tipp: Kontaktieren Sie die Abfallbehörde Ihrer Stadt oder Gemeinde, stellt diese Ihnen (meist) gerne Handschuhe, Müllsäcke sowie Müllgreifzangen zur Verfügung. Ein Silvester-Cleanup in Eigenregie erleichtert den Kehrmaschinen die Arbeit, die ohnehin Sonderschichten fahren müssen. Da ist jede helfende Hand willkommen.

Verbündete für Ihr Cleanup-Vorhaben werden Sie dank ausführlicher Debatten in den Massenmedien schnell finden: Deutschlandweit rufen auch immer mehr Städte zu Cleanup-Veranstaltungen nach Silvester auf. Bereits am Neujahrstag veranstalten einige Initiativen Aufräumaktionen, um gemeinsam die Überreste der Silvesternacht zu beseitigen.

Freude am Verzicht: Wie Silvestermüll erst gar nicht entsteht

Ganz vermeiden lässt sich der Silvestermüll, indem Sie auf Feuerwerk und Böller verzichten. Deren Einsatz setzt jedes Jahr mehrere Tausend Tonnen Feinstaub frei, der Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen sowie Krebs hervorrufen kann. Abgebrannte Feuerwerks- und Böllerkörper enthalten zudem giftige Chemikalien, die über das Regenwasser ins Grundwasser gelangen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Unfällen, die durch das Hantieren mit Pyrotechnik verursacht werden!

Indem Sie darauf verzichten, stellt sich die Entsorgungsfrage nicht, Sie tun etwas für die Umwelt – und riskieren keine Verletzung durch den Umgang mit Pyrotechnik.

Nicht nur Ihre eigene Gesundheit, sondern auch Tier- und Umwelt werden es Ihnen danken. Haustiere und wilde Tiere leiden nämlich ganz massiv unter dem Lärm. Vögel verbrauchen bei ihrer Flucht die Energiereserven für den Winter und finden, durch Licht und Lärm verwirrt, ihre Nistplätze nicht mehr. Was für den Menschen ein rauschendes Fest ist, ist für die Tierwelt ein Ereignis, von dem sie sich wochenlang erholen muss.