Lohnt es sich, für den Zahnersatz ins Ausland zu fahren?

Sie müssen sich mit Zahnersatz auseinandersetzen und bekommen schon jetzt einen Kloß im Hals, wenn Sie an die damit verbundenen Kosten denken? Kein Wunder, denn ohne eine leistungsfähige Zahnzusatzversicherung wird der Gang zum Zahnarzt des Vertrauens schnell ziemlich teuer. Das sagen übrigens nicht nur wir als Versicherung, sondern auch nahezu alle Verbraucherschutzorganisationen. Und sie haben Recht. Leider.

Dass die immer häufiger auftauchenden „Super-Billig-Sonderangebote“ für Zahnersatz aus dem (ost-)europäischen Ausland dennoch ziemlich attraktiv wirken können, ist trotzdem klar – und völlig nachvollziehbar. Tatsächlich bieten einige Zahnärzte dort ihre Leistungen mit einem bis zu 80-prozentigen Preisunterschied im Vergleich zu Deutschland an.

Doch Vorsicht, denn nicht immer ist der günstigste Preis die beste Wahl – obwohl es natürlich auch richtig gute Beispiele gibt! Worauf Sie deshalb unbedingt achten sollten, erfahren Sie jetzt.

Gut zu wissen:

Ihre Gesundheitskarte können Sie nur eingeschränkt – oder gar nicht – für medizinische Behandlungen im Ausland nutzen. Nehmen Sie daher zu allen Terminen unbedingt auch eine Bestätigung Ihrer (Auslands-)Krankenversicherung mit. Man weiß ja nie…

Warum wählen Patienten vermehrt den Zahnersatz im Ausland?

Nicht nur Sie fragen sich zurecht, wieso eine – zumindest auf den ersten Blick – gleichwertige Behandlung bei einem Zahnarzt im Ausland so viel günstiger sein kann. Die Erklärung ist jedoch simpel: Schuld sind die deutlich geringeren Lebenshaltungs- und Lohnkosten im osteuropäischen Ausland. Denn diese wirken sich direkt auf die Höhe der Behandlungskosten aus – und machen die Zahnbehandlung in vielen Fällen merklich billiger.

Sprachbarriere? Gibt`s (fast) nicht mehr!

Mittlerweile hat sich der kostensparende Medizintourismus, gerade in Sachen Zahnersatz, mehr oder weniger etabliert. Ein positiver Nebeneffekt: Sie können Ihr Wörterbuch in den allermeisten Fällen beruhigt zu Hause lassen. Schließlich haben sich die meisten Praxen im grenznahen Gebiet voll und ganz auf deutsch- und englischsprachige Patienten eingestellt. Damit schaffen die ausländischen Praxen eine vertrauensvolle Grundlage für eine sichere Arzt-Patienten-Kommunikation.

Und auch die Frage nach dem richtigen Zahnarzt kann dank spezieller Angebote einiger Reisebüros heute oft schon vor Reiseantritt zur vollsten Zufriedenheit geklärt werden – optimalerweise gleich in Verbindung mit einem All-inclusive-Aufenthalt in einer Zahnklinik. So jedenfalls lauten die Versprechen der einschlägigen Reiseveranstalter. Klar, denn Zahntourismus liegt im Trend.

Aufgepasst: Hier kommt etwas Werbung in eigener Sache!

Mit der Zahnzusatzversicherung der Bayrischen haben Sie die Wahl zwischen drei Leistungsmodellen, die 80 bis 100 % der Kosten für Zahnbehandlung und Zahnersatz übernehmen. Und das sogar bei Behandlungen im Ausland, sofern die in Deutschland üblichen Sätze nicht überschritten werden.

Billig kann schnell teuer werden – Alles eine Frage der Qualität

Es gibt aber natürlich auch Stolperfallen und einige handfeste Risiken, wenn Sie sich für eine zahnmedizinische Behandlung im Ausland entscheiden. So kommen die verwendeten Kronen oder Brücken beim Zahnersatz aus Osteuropa oft tatsächlich aus Asien, wo dieser mittlerweile noch billiger produziert werden kann.

Damit wollen wir nun keine Vorurteile schüren – die Qualität muss deswegen nicht zwangsläufig schlechter sein. Leider ist sie es aber meistens doch: In einer Studie zu Zahnbehandlungsfehlern im Ausland der Universität Mainz entsprachen von 81 begutachteten Brücken nur 47 den deutschen Richtlinien für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung. Eine komplett mängelfreie Versorgung konnte sogar nur bei zwölf dieser Brücken festgestellt werden.

Erkundigen Sie sich deshalb unbedingt, ob die genutzten Materialien der europäischen CE-Norm und den Vorschriften des Medizinproduktegesetzes entsprechen. Sie wollen ja schließlich nicht, dass Ihnen das neugewonnene Lächeln gleich wieder vergeht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Gut zu wissen!

Die CE-Norm steht für „Conformité Européenne“ und bestätigt die Qualität eines Produktes im Sinne der geltenden rechtlichen EU-Bestimmungen. Beim Zahnersatz in Deutschland werden damit die im Medizinproduktegesetz festgelegten Standards gekennzeichnet, die die Sicherheit von Medizinprodukten gewährleisten.

Bei sehr günstigen Zahnbehandlungen im Ausland werden zudem häufig gesunde oder minimal erkrankte Zähne in die zahnärztliche Versorgungsstrategie integriert – manchmal leider mit fatalen Folgen. Beim Einsatz von Kronen kommt es beispielsweise immer wieder vor, dass gesunde Zähne für eine bessere Passung (zu stark) angeschliffen werden. Bei Behandlungen von Zahnstein sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen die Oberseiten gesunder Zähne mitbehandelt und damit Zahnschmelz sowie Zahnfleisch unnötig gereizt wurden.

Das Problem: Mit dem Abtragen gesunder Zahnsubstanz und der Veränderung des Zahnmaterials können sich langfristig Fehlfunktionen der Zähne oder Kiefergelenke entwickeln. Chronische Kiefer- und Nackenbeschwerden sind die Folge, denn beide Areale sind eng und filigran miteinander verbunden.

Unser Rat: Sprechen Sie die Behandlung mit Ihrem Zahnarzt (gerade im Ausland) vorab gut durch, schließlich sind Sie zur Zahnbehandlung hier – nicht um den Grundstein für dauerhafte Schmerzen legen zu lassen.

Vorsicht ist zudem auch bei Nachbehandlungen geboten. Denn die gestalten sich bei Zahnersatz aus dem Ausland schon aufgrund der räumlichen Distanz sehr schwierig. Behandlungsfehler sind dann zwangsläufig nicht nur mit Schmerzen, sondern auch mit erneuten Kosten für Anreise, Unterkunft und der eigentlichen Behandlung verbunden.

Ganz wichtig: Sollten Probleme auftreten und Sie möchten sich lieber in Deutschland behandeln lassen, hoffen Sie zudem besser auf die Kulanz Ihres Zahnarztes – oder Sie gehen zu einem zuvor benannten, hiesigen Kooperationspartner Ihres ausländischen Erstbehandlers. Denn deutsche Zahnärzte sind rechtlich nicht zur Nachbesserung des ausländischen Zahnersatzes verpflichtet und können die Behandlung, außer in Notfällen, auch ablehnen.

Übrigens: Sind umfangreiche(re) Nachbesserungen nötig, leitet die Krankenkasse in der Regel ein Begutachtungsverfahren ein – die Kostenübernahme für dieses ist dann allerdings nicht unbedingt garantiert.

Was übernehmen Krankenkasse und Zahnzusatzversicherung beim Zahnersatz im Ausland?

Manche Krankenkassen und/oder Zahnzusatzversicherungen übernehmen auch die Kosten einer Zahnbehandlung im Ausland. Dazu verpflichtet sind sie aber (meistens) nicht. Lassen Sie sich deshalb unbedingt zunächst einen Heil- und Kostenplan von der ausländischen Praxis geben. Diesen reichen Sie dann beim Kostenträger ein und lassen sich – ganz wichtig: vor Behandlungsbeginn! – bestätigen, welche Kosten Ihnen erstattet werden und welche Sie selbst zu zahlen haben. Die Kosten für Anreise und Unterkunft zahlen Sie in der Regel aber auf jeden Fall aus eigener Tasche.

Das sollten Sie wissen!

Für Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche nach Auslandsbehandlungen sind deutsche Krankenkassen nicht zuständig. Geht etwas schief, sind Sie bei einem möglichen Rechtsstreit mit der ausländischen Praxis auf sich gestellt – und das dann meist nicht nach deutschem, sondern nach dem am Behandlungsort geltenden Recht.

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