Patientin beim Gynäkologen, Ärztin bereitet eine Untersuchung im Behandlungsraum vor.

Ratgeber

Krebsvorsorge beim Frauenarzt: Was zahlt die Kasse und was kostet extra?

Früherkennung rettet Leben – doch nicht jede Krebsvorsorge beim Frauenarzt ist kostenlos. Was die Kasse übernimmt, lesen Sie hier.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Kasse zahlt spezifische Vorsorgeleistungen nur in festen Altersspannen, wie das Mammographie-Screening von 50 bis 75.
  • Zusätzliche IGeL-Leistungen zur Früherkennung kosten je nach Untersuchung meist zwischen 25 und 80 EUR.
  • Eine erweiterte Vorsorge bietet mehr Sicherheit bei familiärer Vorbelastung, vorangegangenen Befunden oder festem Brustgewebe.
  • Private Zusatz- oder Vollversicherungen schließen Kostenlücken bei regelmäßigen Vorsorgewünschen.

Welche Untersuchungen zu Krebsvorsorge zahlt die Krankenkasse und ab welchem Alter?

Die gesetzliche Krankenversicherung bietet Frauen verschiedene Vorsorgeuntersuchungen. Die sind nach Altersgruppen gestaffelt.

Diese Leistungen übernimmt die Kasse:

  • Ab 20 Jahren: Jährlicher Zellabstrich (PAP-Abstrich) zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
  • Ab 30 Jahren: Zusätzlich zur PAP-Untersuchung ein Abtasten der Brust und der Achsellymphknoten
  • Ab 35 Jahren: Alle drei Jahre ein Kombi-Test aus PAP- und HPV-Test
  • Ab 50 bis 75 Jahren: Mammographie-Screening alle zwei Jahre; ab 76 Jahren endet das Programm

Wichtig: Ein Ultraschall der Brust oder Gebärmutter gehört nur dann zur Kassenleistung, wenn ein konkreter medizinischer Verdacht besteht.

Was kosten zusätzliche Leistungen beim Frauenarzt?

Frauen, die Untersuchungen in kürzeren Abständen nutzen oder Verfahren in Anspruch nehmen möchten, die noch nicht zum Standard gehören, müssen draufzahlen. Ärzte bieten diese als „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL) an. Sie erhalten dafür eine private Rechnung. Die Preise variieren, da sich die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) richtet.

Rechnen Sie mit folgenden Kosten:
Vaginaler Ultraschall: Etwa 35 bis 75 EUR
Brustultraschall: Rund 25 bis 60 EUR
HPV-Test unter 35 Jahren: Rund 50 bis 80 EUR

Welche zusätzlichen Kosten beim Frauenarzt gibt es?

Nicht alle Leistungen in der gynäkologischen Praxis betreffen die Krebsvorsorge. Auch folgende Anliegen und Beschwerden können Zusatzkosten verursachen:

  • Verhütungsmittel ab 22 Jahren: 5 bis 20 EUR pro Monat
  • Chlamydien-Test ab 25 Jahren: Etwa 10 bis 60 EUR
  • Hormonstatus oder Zyklusdiagnostik: Je nach Umfang 30 bis 500 EUR bei großem Zyklusmonitoring

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt offen über Leistungen und Preise. So vermeiden Sie böse Überraschungen.

Wann ist eine erweiterte Vorsorge bei Brust- oder Gebärmutterhalskrebs sinnvoll?

Einige Untersuchungen zur Krebsvorsorge werden erst ab einem bestimmten Alter von der Krankenkasse übernommen. Viele Frauen möchten jedoch früher mehr Sicherheit – vor allem bei familiären Vorbelastungen oder einem stärkeren Gesundheitsbewusstsein.

Bei der Brustkrebsfrüherkennung zahlt die Kasse ab 30 die jährliche Tastuntersuchung, eine Mammographie erst ab 50. Ein Brustultraschall als Selbstzahlerleistung kann sinnvoll sein, wenn das Gewebe sehr dicht ist, es bereits Fälle in der Familie gab oder wenn die Tastuntersuchung allein nicht ausreicht.

Beim Gebärmutterhalskrebs beginnt die Vorsorge mit dem Zellabstrich ab 20, der Kombi-Test folgt ab 35. Ein zusätzlicher HPV-Test unter 35 kann hilfreich sein, etwa bei auffälligen Befunden.

Ob eine Selbstzahlerleistung für Sie sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie viel zusätzliche Sicherheit Sie sich wünschen. Ausschlaggebend können hierbei Krankheitsfälle in Ihrer Familie, ein besonders festes Brustgewebe oder vorangegangene Auffälligkeiten sein. Besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Untersuchung Ihre Vorsorge sinnvoll ergänzt.

Welche Vorsorge bietet der Hausarzt zusätzlich?

Ab dem 35. Lebensjahr können gesetzlich Versicherte alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up beim Hausarzt nutzen. Enthalten sind unter anderem:

  • Blutdruckmessung
  • Cholesterin- und Blutzuckerwerte
  • Hautkrebs-Screening

Diese Leistungen ergänzen die gynäkologische Krebsvorsorge. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Gesundheits-Check-up ab 35

Warum zahlen Frauen bei der Krebsvorsorge oft mehr als Männer?

Die gesetzliche Vorsorge sichert Sie medizinisch ab, konzentriert sich dabei aber auf die notwendigen Basisuntersuchungen. Wer mehr Sicherheit möchte, muss selbst zahlen. Und genau hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Frauen zahlen häufiger und insgesamt mehr für zusätzliche Untersuchungen.

Das liegt auch daran, dass bei ihnen medizinisch mehr Vorsorgebereiche abgedeckt werden müssen, etwa Brust, Gebärmutterhals oder Eierstöcke. Gleichzeitig nehmen Frauen Vorsorgeangebote deutlich regelmäßiger wahr als Männer. Sie kümmern sich im Durchschnitt früher und öfter um ihre Gesundheit – was aber auch zu höheren Kosten führt, vor allem wenn sie Leistungen über das Kassenangebot hinaus nutzen möchten.

Das fügt sich in ein strukturelles Problem ein: In der medizinischen Forschung wurden Frauen lange Zeit nicht ausreichend berücksichtigt. Viele Studien, Diagnosekriterien und Therapieempfehlungen beruhen bis heute auf Daten, die überwiegend an Männern erhoben wurden. Symptome, Krankheitsverläufe und Medikamentenwirkungen bei Frauen werden dadurch häufiger falsch eingeschätzt oder später erkannt. Das führt dazu, dass Frauen zwar besonders regelmäßig Vorsorgeangebote wahrnehmen, medizinisch jedoch nicht immer gleich passgenau versorgt werden.

Wann lohnt sich eine private Zusatzversicherung?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Standard-Vorsorgeleistungen, deckt jedoch nicht alle medizinisch sinnvollen Früherkennungsuntersuchungen ab. Private Krankenzusatzversicherungen können diese Versorgungslücke schließen.

Ambulante Zusatzversicherungen bieten je nach Anbieter und Tarif z.B. Zuschüsse oder ein jährliches Leistungsbudget, das unter anderem für erweiterte Vorsorgeuntersuchungen genutzt werden kann. Damit lassen sich zum Beispiel folgende Leistungen finanzieren, die über das GKV-Programm hinausgehen:

  • Hautkrebs-Screenings vor dem 35. Lebensjahr oder in kürzeren Intervallen als alle zwei Jahre
  • Erweiterte gynäkologische Untersuchungen wie Ultraschall der Eierstöcke
  • Zusätzliche Mammographien vor dem 50. Lebensjahr oder bei erhöhtem Risiko
  • Weitere ärztliche Vorsorgeuntersuchungen nach individuellem Bedarf

Besonders sinnvoll ist eine Zusatzversicherung für Versicherte mit familiärer Vorbelastung, die engmaschigere Kontrollen wünschen. Auch jüngere Menschen, die bereits vor den gesetzlichen Altersgrenzen Vorsorge betreiben möchten, profitieren von einem ambulanten Zusatzschutz.

Die Beiträge variieren je nach Leistungsumfang und Eintrittsalter. Ein frühzeitiger Abschluss lohnt sich, da die Prämien in jungen Jahren niedriger sind und Vorerkrankungen die Aufnahme erschweren können.

Für Selbstständige, Beamte sowie Arbeitnehmer über der Versicherungspflichtgrenze bietet sich zudem eine Private Krankenversicherung an. Sie kann sinnvoll sein, wenn Sie regelmäßig Zusatzuntersuchungen in Anspruch nehmen möchten. Allerdings will der Wechsel in einer Private Krankenversicherung gut überlegt sein. Lassen Sie sich dazu unbedingt umfassend beraten, zum Beispiel für einen Vermittler oder eine Vermittlerin.

Wie treffen Sie gute Entscheidungen für Ihre Krebsvorsorge?

Eine gute Vorsorge braucht nicht nur medizinisches Wissen, sondern auch finanzielle Klarheit. Wer die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse kennt, kann besser entscheiden, ob und welche Zusatzleistungen sinnvoll sind.

Nicht jede kostenpflichtige Untersuchung ist medizinisch notwendig. Aber viele Frauen fühlen sich mit einer erweiterten Vorsorge sicherer. Und Sicherheit kann auch Lebensqualität bedeuten.

Krebsvorsorge sollte keine Frage des Geldes sein – ist es aber oft. Umso wichtiger ist es, gut informiert zu sein und sich bewusst zu entscheiden.

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