Ratgeber
Nachhaltig Investieren: So geht's
Vielen Anlegerinnen und Anlegern sind nicht nur Renditen wichtig, sondern auch der ökologische Fußabdruck ihrer Geldanlage. Wir zeigen, wie sich beides verbinden lässt und worauf Sie beim Thema Risiko achten sollten.
Kurz zusammengefasst
- Nachhaltig investieren heißt, Umwelt- und Sozialkriterien in die Anlageentscheidung einzubeziehen: Neben Rendite, Kosten und Risiko zählt auch, wie ein Unternehmen mit Umwelt, Mitarbeitenden und Führung umgeht. In der Praxis geschieht das meist über Fonds und ETFs, die ihre Titel nach festgelegten Kriterien auswählen.
- Fonds nutzen zwei oft kombinierte Auswahlverfahren: Ausschlusskriterien legen fest, in welche Geschäftsfelder ein Fonds nicht investiert. Bei der Positivauswahl kommen Unternehmen hinein, die im Branchenvergleich am besten abschneiden, auch wenn die Branche insgesamt als wenig umweltfreundlich gilt.
- Welche Nachhaltigkeitsmerkmale ein Fonds verfolgt, muss offengelegt werden: Die EU-Offenlegungsverordnung verpflichtet Anbieter, während die EU-Taxonomie festlegt, welche Tätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Wie streng ein Fonds seine Kriterien auslegt, unterscheidet sich weiterhin von Anbieter zu Anbieter.
- Nachhaltige Fonds und ETFs sind Wertpapieranlagen ohne Kapitalgarantie: Eine breite Streuung verringert die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, schließt Kursverluste aber nicht aus. Auch breit gestreute Fonds verlieren in Abschwungphasen an Wert.
Was bedeutet nachhaltiges Investieren?
Nachhaltiges Investieren bedeutet, bei der Geldanlage neben Rendite, Kosten und Risiko auch zu berücksichtigen, wie ein Unternehmen wirtschaftet. Bewertet werden drei Bereiche, zusammengefasst unter dem Kürzel ESG: der Umgang mit der Umwelt (Environment), die soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden und Gesellschaft (Social) und die Art der Unternehmensführung (Governance).
Der Unterschied zur konventionellen Geldanlage liegt also nicht im Produkt, sondern in der Auswahl der Unternehmen. Ein nachhaltiger Fonds funktioniert technisch genauso wie ein konventioneller. Er wendet bei der Zusammenstellung lediglich zusätzliche Kriterien an.
Umgesetzt wird das in der Praxis meist über Fonds und Indexfonds (ETFs). Wer möchte, dass das eigene Geld bevorzugt Unternehmen zugutekommt, die sich für soziale, ethische und ökologische Ziele einsetzen, findet dafür ein wachsendes Angebot an Fonds, die ihre Titel nach festgelegten Kriterien auswählen.
Wichtig ist, was nachhaltiges Investieren nicht bedeutet. ESG ist kein Gütesiegel, sondern ein Bewertungsrahmen. Aus der Einordnung eines Fonds als nachhaltig folgt weder eine Aussage über seine Wertentwicklung noch über sein Risiko. Nachhaltige Fonds unterliegen denselben Kapitalmarktrisiken wie konventionelle.
Wie die Auswahl im Einzelnen funktioniert und woran Sie einen nachhaltigen Fonds erkennen, erklären wir im Folgenden.
Was sind nachhaltige Investments?
Nachhaltige Investments sind Geldanlagen, die gezielt in Unternehmen fließen, die ökologische, soziale oder ethische Kriterien erfüllen. Viele denken dabei zuerst an Solar- und Windenergie oder Aufforstungsprojekte. So können nachhaltige Geldanlagen aussehen, müssen es aber nicht.
Eine allgemeingültige Definition von „nachhaltig" gibt es nicht. Auf EU-Ebene sorgen jedoch die Offenlegungsverordnung mit den Fondskategorien nach Artikel 8 und Artikel 9 sowie die EU-Taxonomie für einheitliche Transparenz- und Einordnungsvorgaben. Daneben haben sich verschiedene Siegel und Ratings etabliert. Anleger können sich an zwei Auswahlansätzen orientieren, nach denen Fonds und ETFs ihre Investitionen treffen.
Negativ-Auswahl: Nicht-nachhaltige Bereiche ausschließen
Manche Branchen wie Tabak, Waffen oder Gentechnik gelten als wenig nachhaltig. Wählt ein Fonds nach der Negativ-Auswahl aus, schließt er diese Bereiche ganz oder bis zu einem festgelegten Anteil aus.
Positiv-Auswahl: Besonders nachhaltige Unternehmen einschließen
Andere Fonds schließen keine Branchen aus, sondern setzen auf positive Kriterien. Sie investieren gezielt in Unternehmen, die in ihrem Bereich ökologisch oder sozial vorbildlich handeln.
Produkthinweis: Unsere fondsgebundene Rentenversicherung Blue Invest investiert ausschließlich in Artikel-8 und Artikel-9-Fonds gemäß EU-Offenlegungsverordnung. Über die Fonds unserer Tochtermarke Pangaea Life können Sie in echte Sachwerte investieren. Mehr Informationen finden Sie auf der Produktseite zur Blue Invest und auf www.pangaea-life.de.
Wie erkennt man nachhaltige Investments?
Nachhaltige Investments erkennen Sie an anerkannten Siegeln und Ratings sowie an den Transparenzangaben nach der EU-Offenlegungsverordnung. Da der Markt nicht immer leicht zu durchschauen ist, helfen folgende Orientierungshilfen:
FNG-Siegel: Das Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) setzt Mindeststandards für Nachhaltigkeit voraus, etwa Kriterien aus dem UN Global Compact wie Umweltschutz, Wahrung der Menschenrechte und Korruptionsbekämpfung. Die genauen Vergabekriterien werden regelmäßig angepasst und sind beim FNG einsehbar.
ECOreporter-Siegel: Das Siegel des Brancheninformationsdienstes ECOreporter stellt Anforderungen an den Ausschluss bestimmter Geschäftsfelder wie Suchtmittel, Glücksspiel, Tierversuche und Gentechnik. Die jeweils aktuellen Kriterien veröffentlicht ECOreporter.
Climetrics-Rating: Die Non-Profit-Organisation CDP bewertet Fonds mit dem Climetrics-Rating auf einer Skala von eins bis fünf. Fünf steht dabei für die beste Klimabewertung, eins für die schlechteste. So lassen sich Fonds und ETFs hinsichtlich ihrer Klimawirkung vergleichen.
UN Principles for Responsible Investment (UN PRI): Die Prinzipien für verantwortliches Investieren sind eine von den Vereinten Nationen unterstützte Investoreninitiative. Ihre Unterzeichner verpflichten sich, Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Investitionsentscheidungen einzubeziehen.
Wie sicher sind nachhaltige Geldanlagen?
Nachhaltige Fonds und ETFs sind Wertpapieranlagen und damit nicht kapitalgeschützt: Kursschwankungen und Verluste sind möglich. Durch die breite Streuung auf viele Unternehmen fällt das Risiko aber in der Regel geringer aus als bei einzelnen Aktien. Wie sich das bei ETFs und Aktienfonds unterscheidet, zeigen wir im Folgenden.
Wie funktionieren nachhaltige Indexfonds (ETFs)?
Ein Indexfonds bildet einen Börsenindex nach: Er trifft keine eigenen Anlageentscheidungen, sondern kauft genau die Unternehmen des Index in der vorgegebenen Gewichtung. Weil das kein aktives Management erfordert, sind die laufenden Kosten niedrig. Wird ein Indexfonds an der Börse gehandelt, spricht man von einem ETF.
Für nachhaltige Anlagen gibt es gefilterte Varianten bekannter Indizes, erkennbar an Zusätzen wie SRI oder ESG im Namen. Grundlage ist ein konventioneller Index wie der MSCI World, der rund 1.280 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern enthält (Stand: 30.06.2026, Quelle: MSCI). Daraus werden die Unternehmen entfernt, die die Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen.
Für Sie bedeutet das: Die gefilterte Variante enthält weniger Unternehmen und ist damit weniger breit gestreut als der Ausgangsindex. Wie streng gefiltert wird, entscheidet der Indexanbieter und steht in der Indexbeschreibung.
Fazit zu nachhaltigen ETFs: ETFs sind häufig für Personen geeignet, die langfristig anlegen und ihr Geld auf viele Unternehmen verteilen möchten. Weil Kauf und laufende Kosten niedrig sind, ist der Einstieg auch mit kleineren Beträgen möglich. Verluste sind dennoch jederzeit möglich.
Wie funktionieren aktiv gemanagte nachhaltige Fonds?
Hier stellt ein Fondsmanagement die Titel selbst zusammen, statt einem Index zu folgen, und prüft zusätzlich, ob sie die im Fondsprospekt festgelegten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.
Das Management kann auf Entwicklungen reagieren und einzelne Titel austauschen. Ob daraus ein besseres Ergebnis entsteht, lässt sich vorab nicht bestimmen, denn Fehleinschätzungen sind ebenso möglich wie erfolgreiche Umschichtungen. Der Preis dafür sind höhere laufende Kosten, die unabhängig von der Wertentwicklung anfallen.
Fazit zu aktiv gemanagten nachhaltigen Fonds: Auch sie verteilen das Kapital auf viele Unternehmen und verringern so die Abhängigkeit von einzelnen Titeln, schließen Kursverluste aber nicht aus. Weil die laufenden Kosten höher sind als bei ETFs, wirkt sich die Gesamtkostenquote (TER) stärker auf das Ergebnis aus. Ein Vergleich verschiedener Angebote lohnt sich deshalb besonders.