Fotografie einer Wasserkraftanalage.

Ratgeber

Wasserkraft: Investieren in erneuerbare Energien

Wasserkraft treibt seit Jahrhunderten Mühlen und Turbinen an und liefert heute rund um die Uhr Strom. Wir zeigen, welche Anlageformen es für Privatanleger gibt, welche Risiken damit verbunden sind und wie nachhaltig Wasserkraft tatsächlich ist.

Kurz zusammengefasst

  • Wasserkraft erzeugt Strom weitgehend unabhängig von Wetter und Tageszeit und deshalb gleichmäßiger als Wind- und Solaranlagen.
  • Für Privatanleger sind vor allem zwei Wege zugänglich: Aktien einzelner Unternehmen und Investmentfonds mit Bezug zu erneuerbaren Energien.
  • Wasserkraft ist nicht automatisch ökologisch unbedenklich. Wie nachhaltig eine Wasserkraftanlage ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
  • Jede Anlage in Aktien oder Fonds ist mit Risiko behaftet, unabhängig davon, ob es sich um eine Anlage in erneuerbare Energien handelt.

Warum ist Wasserkraft für die Stromversorgung interessant?

Während Windräder bei Flaute stillstehen und Solaranlagen nachts keinen Strom produzieren, arbeiten Wasserkraftwerke rund um die Uhr, solange genug Wasser fließt. Damit übernehmen sie im Stromsystem eine stabilisierende Rolle.

Zugleich ist das Ausbaupotenzial der Stromerzeugung mit Hilfe von Wasserkraft in Deutschland begrenzt. Die meisten geeigneten Standorte sind bereits erschlossen, und der Neubau von Anlagen unterliegt strengen wasserrechtlichen Anforderungen. Wasserkraft ist deshalb ein stabiler, aber im Vergleich zu Wind und Photovoltaik kleiner Baustein der Energiewende (Quelle: Umweltbundesamt: Nutzung der Wasserkraft, Stand 03/2025).

Wie funktioniert ein Wasserkraftwerk?

Ein Wasserkraftwerk nutzt die Bewegungsenergie von fließendem oder fallendem Wasser, um über eine Turbine einen Generator anzutreiben und Strom zu erzeugen. In Deutschland sind vor allem zwei Bauformen verbreitet.

Laufwasserkraftwerke

Laufwasserkraftwerke nutzen die kontinuierliche Strömung eines Flusses und erzeugen deshalb weitgehend gleichmäßig Strom. Sie kommen dadurch auf deutlich mehr Betriebsstunden im Jahr als Solaranlagen. Die tatsächliche Strommenge hängt allerdings stark vom Standort ab, insbesondere von Wassermenge und Höhenunterschied, und schwankt mit der Wasserführung im Jahresverlauf.

Speicherkraftwerke

Speicherkraftwerke sammeln Wasser in einem Stausee und können den Zeitpunkt der Stromerzeugung gezielt steuern. Sie speisen dann ein, wenn im Netz Bedarf besteht, und lassen sich vergleichsweise schnell hoch- und herunterfahren. Wie wirtschaftlich ein solches Kraftwerk arbeitet, hängt unter anderem von der Entwicklung der Strompreise, den Investitionskosten und den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Stauseen bedeuten zugleich einen erheblichen Eingriff in Landschaft und Gewässer.

Welche Möglichkeiten haben Privatanleger, in Wasserkraft zu investieren?

Für Privatanleger sind vor allem zwei Wege zugänglich: Aktien von Unternehmen, die Wasserkraftanlagen betreiben oder ausrüsten, und Investmentfonds, die in erneuerbare Energien investieren. Ein reiner Wasserkraftfonds ist selten. In der Praxis handelt es sich meist um Fonds, die verschiedene erneuerbare Energien kombinieren.

Wie investiert man über Aktien in Wasserkraft?

Über Aktien beteiligen Sie sich unmittelbar an einzelnen Unternehmen, etwa an Energieversorgern mit Wasserkraftwerken oder an Herstellern von Turbinen und Anlagentechnik. Der Kurs einer solchen Aktie hängt nicht nur vom Wasserkraftgeschäft ab, sondern von der gesamten Unternehmensentwicklung, von Strompreisen und von der allgemeinen Marktlage.

Einzelaktien schwanken in der Regel stärker als breit gestreute Anlagen, weil das gesamte Kapital von der Entwicklung eines einzigen Unternehmens abhängt. Ein Verlust bis hin zum Totalverlust ist möglich.

Wie funktionieren Fonds mit Wasserkraft-Bezug?

Ein Fonds bündelt das Geld vieler Anleger und verteilt es auf mehrere Unternehmen oder Projekte, wodurch das Risiko einzelner Titel weniger stark durchschlägt. Diese Streuung verringert das Risiko, das von einem einzelnen Unternehmen ausgeht. Sie beseitigt aber nicht das Marktrisiko: Fällt der gesamte Sektor, fällt in der Regel auch der Fonds.

Bei Fonds für erneuerbare Energien kommt hinzu, dass sie auf eine Branche konzentriert sind. Solche Themenfonds schwanken deshalb häufig stärker als breit über viele Branchen gestreute Fonds. Wie sich ein Fonds entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Entwicklung.

Ein Beispiel aus unserem Haus ist der Pangaea Life Blue Energy Fonds, der in Photovoltaik-, Wind- und Wasserkraftanlagen investiert. Pangaea Life ist eine Marke der Bayerischen. Weitere Informationen finden Sie auf der Produktseite von Pangaea Life.

Was bedeutet ESG bei Wasserkraft-Investments?

ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) und bezeichnet drei Dimensionen, nach denen Unternehmen und Fonds bewertet werden. ESG ist kein Siegel und kein Zertifikat; es gibt keine Stelle, die eine ESG-Konformität verleiht. Verschiedene Ratinganbieter bewerten dasselbe Unternehmen deshalb häufig unterschiedlich.

Für Fonds gibt es dagegen eine rechtliche Einordnung. Die EU-Offenlegungsverordnung unterscheidet unter anderem zwischen Artikel-8-Fonds, die ökologische oder soziale Merkmale bewerben, und Artikel-9-Fonds, die ein nachhaltiges Investitionsziel verfolgen. Eine Einstufung als Artikel-8-Fonds bedeutet nicht, dass die Anlage im Sinne der EU-Taxonomie ökologisch nachhaltig ist.

Wenn Ihnen Nachhaltigkeitsaspekte wichtig sind, lohnt sich ein Blick in die vorvertraglichen Nachhaltigkeitsinformationen des jeweiligen Fonds. Dort ist beschrieben, welche Kriterien der Anbieter konkret anlegt, welche Bereiche ausgeschlossen sind und wie die Einhaltung überprüft wird.

Wie nachhaltig ist Wasserkraft wirklich?

Wasserkraft erzeugt Strom ohne direkte CO2-Emissionen aus der Verbrennung, greift aber deutlich in Flüsse und ihre Ökosysteme ein (Quelle: Umweltbundesamt). Beides gehört zu einer ehrlichen Bewertung dazu.

Wie verträglich eine einzelne Anlage ist, hängt deshalb vom Einzelfall ab. Entscheidend sind unter anderem Fischaufstiegs- und Fischabstiegshilfen, eine ausreichende Mindestwasserführung und der Sedimenttransport. Auch die EU-Taxonomie knüpft die Einstufung von Wasserkraft als ökologisch nachhaltige Tätigkeit an solche Bedingungen. Eine pauschale Aussage, dass ein Wasserkraft-Investment ökologisch unbedenklich sei, ist damit nicht möglich.

Welche Chancen bietet ein Investment in Wasserkraft?

Die Chancen der Wasserkraft liegen vor allem in ihrer Gleichmäßigkeit, ihrer langen Nutzungsdauer und ihrer Rolle in einem Stromsystem, in dem der Anteil schwankender Erzeugung wächst. Ob sich diese Eigenschaften in einer positiven Wertentwicklung niederschlagen, lässt sich nicht vorhersagen. Sie sind aber die Gründe, aus denen Wasserkraft im Bereich der erneuerbaren Energien eine eigene Rolle spielt.

  • Gleichmäßige Stromerzeugung: Für Betreibergesellschaften bedeutet das eine besser planbare Erzeugung als bei Wind- und Solaranlagen, deren Produktion stark schwankt.
  • Lange Nutzungsdauer: Wasserkraftanlagen sind auf Jahrzehnte ausgelegt. Viele Standorte in Deutschland werden seit über hundert Jahren genutzt. Nach dem Bau fallen vergleichsweise geringe Betriebskosten an, weil kein Brennstoff eingekauft werden muss.
  • Wachsende Bedeutung von Flexibilität: Je mehr Strom aus Wind und Sonne ins Netz fließt, desto wichtiger werden Anlagen, die Erzeugung zeitlich steuern können. Speicherkraftwerke können diese Aufgabe übernehmen. Wie sich das wirtschaftlich auswirkt, hängt von der Marktentwicklung und den regulatorischen Rahmenbedingungen ab.
  • Beimischung im Portfolio: Wer bereits in andere Branchen investiert, kann erneuerbare Energien als einen Baustein unter mehreren beimischen. Eine Beimischung verändert die Zusammensetzung eines Portfolios, sie ersetzt jedoch keine breite Streuung über verschiedene Branchen und Regionen.
  • Zugang bereits mit kleinen Beträgen: Über Fonds und Fondssparpläne ist eine Beteiligung an der Branche schon mit monatlich kleinen Summen möglich. Sie müssen dafür weder eine eigene Anlage kaufen noch sich langfristig binden.
  • Investieren nach eigenen Kriterien: Wenn Ihnen wichtig ist, wo Ihr Geld arbeitet, können Sie bei der Fondsauswahl gezielt darauf achten, welche Kriterien der Anbieter anlegt und welche Bereiche er ausschließt. Die Grundlage dafür sind die vorvertraglichen Nachhaltigkeitsinformationen des jeweiligen Fonds.

Diesen Chancen stehen Risiken gegenüber, die Sie kennen sollten, bevor Sie sich entscheiden.

Welche Risiken sollten Sie bei einem Investment in erneuerbare Energien kennen?

Auch bei Anlagen in erneuerbare Energien gelten dieselben Risiken wie bei anderen Wertpapieranlagen, ergänzt um einige branchenspezifische Punkte. Die wichtigsten sind:

  • Konzentrationsrisiko: Themenfonds für erneuerbare Energien sind auf eine Branche fokussiert und schwanken deshalb oft stärker als breit gestreute Fonds.
  • Regulatorisches Risiko: Förderbedingungen, Genehmigungsanforderungen und wasserrechtliche Auflagen können sich ändern und die Wirtschaftlichkeit von Anlagen beeinflussen.
  • Zins- und Preisrisiko: Die Erträge von Betreibergesellschaften hängen von Strompreisen ab. Steigende Finanzierungskosten belasten kapitalintensive Projekte.
  • Kosten: Ausgabeaufschläge, laufende Fondskosten und Depotgebühren mindern das Ergebnis.

Prüfen Sie vor einer Anlageentscheidung, wie transparent der Anbieter über Kosten, Anlagestrategie und Nachhaltigkeitskriterien informiert und wie die Vertragsbedingungen ausgestaltet sind. Wenn Sie unsicher sind, welche Anlageform zu Ihrer Situation passt, sprechen Sie mit einer Beraterin oder einem Berater.

Häufige Fragen zu Investments in Wasserkraft

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