Ratgeber
Versicherungen für junge Unternehmer
Sie haben es gewagt: Den Schritt in die Selbstständigkeit. Höchste Zeit, sich auch mit der richtigen Absicherung Ihrer Neugründung zu beschäftigen. Mehr dazu hier!
Kurz zusammengefasst
- Keine Muster-Police: Eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht, einige Versicherungen braucht aber nahezu jedes Unternehmen.
- Sachwerte schützen: Die Inhaltsversicherung sichert Ihre Betriebsausstattung gegen Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser und Sturm ab.
- Haftung absichern: Mit der Betriebs- oder Berufshaftpflicht schützen Sie sich, wenn Sie oder Ihre Mitarbeitenden bei Dritten einen Schaden verursachen.
- Recht bekommen: Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten bei beruflichen Streitigkeiten.
- An sich selbst denken: Als Selbstständige kümmern Sie sich auch eigenverantwortlich um Kranken-, Berufsunfähigkeits- und Altersvorsorge.
So sichern junge Unternehmer ihre Gründung ab
Sie haben den Schritt gewagt: raus aus dem Angestelltenverhältnis, rein in die Selbstständigkeit. Endlich treffen Sie die Entscheidungen selbst. Mit der neuen Freiheit kommt allerdings auch Verantwortung, die sich nach Feierabend nicht einfach im Büro zurücklassen lässt. Genau deshalb lohnt es sich, früh über die passende Absicherung Ihrer Neugründung nachzudenken.
Versicherungen sind kein spannendes Gründungsthema, das geben wir zu. Doch gerade in der Anfangsphase können Versicherungslücken schnell existenzbedrohend werden. Wir haben den Blick in den Versicherungsdschungel für Sie gewagt und zeigen, welche Policen für junge Unternehmen wirklich zählen und welche je nach Tätigkeit sinnvoll dazukommen.
Der richtige Versicherungsschutz hängt vom Unternehmen ab
Jedes Unternehmen ist anders und bringt eigene Risiken mit. Eine Steuerberaterin muss andere Gefahren absichern als ein Tischler oder ein Online-Händler. Trotzdem gibt es einen Kern an Versicherungen, den fast jeder Betrieb haben sollte. Denn das gilt für Gründungen ganz besonders: Aus einer kleinen Absicherungslücke kann schnell ein großer finanzieller Schaden werden. Welche Policen für Unternehmer und Unternehmerinnen besonders wichtig und welche je nach Branche sinnvoll sind, erklären wir im Folgenden.
Inhaltsversicherung: die Hausratversicherung fürs Unternehmen
Egal, welche Idee Sie in die Selbstständigkeit geführt hat: An der Inhaltsversicherung (oft auch Geschäftsinhaltsversicherung genannt) kommt kaum ein Betrieb vorbei. Betriebseinrichtung, Maschinen, Waren und Arbeitsmaterial gehören in fast jedem Unternehmen zur Grundausstattung. Werden Büromöbel, Geräte oder Vorräte beschädigt, ist an produktives Arbeiten meist nicht mehr zu denken. Die Inhaltsversicherung sorgt dafür, dass beschädigte oder gestohlene Gegenstände schnell ersetzt werden und Sie handlungsfähig bleiben.
Vier Gefahren stehen dabei im Mittelpunkt. Die Absicherung bei Feuer ist Pflicht, denn Blitzschlag, Kurzschluss oder Brandstiftung können Ihre Werte in kürzester Zeit zerstören. Achten Sie darauf, dass auch die Kosten für Lösch- und Aufräumarbeiten übernommen werden. Auch von Einbruchdiebstahl kann jeder Betrieb betroffen sein. Wer in gemieteten Räumen sitzt, sollte zusätzlich Schäden am Eigentum des Vermieters einschließen. Leitungswasserschäden sind ebenfalls ein Risiko, denn ein Rohrbruch genügt, um teure Technik unbrauchbar zu machen. Und schließlich Sturmschäden: Ein zerborstenes Fenster oder herabgewehte Dachziegel reichen aus, um Betriebsgegenstände dauerhaft zu beschädigen.
Sinnvolle Ergänzungen zur Inhaltsversicherung
Die Inhaltsversicherung schützt, wie der Name sagt, ausschließlich die Inhalte Ihres Betriebs. Schäden am Gebäude selbst oder an Gegenständen außerhalb des Versicherungsorts sind nicht automatisch abgedeckt. Je nach Situation lohnen sich daher Ergänzungen.
Wer mit dem Unternehmen ein eigenes Gebäude bezieht, sollte dieses mit der gewerblichen Gebäudeversicherung bei Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel absichern. Eine Glasversicherung rechnet sich vor allem dann, wenn Sie viele oder besonders hochwertige Scheiben haben. Sind Ihre Arbeitsmittel häufig unterwegs, etwa beim Kunden oder im Firmenwagen, schließt eine Außenversicherung diese Lücke. Gerade Handwerksbetriebe und mobile Dienstleister profitieren davon.
Ein Risiko, das viele Gründer übersehen, ist der Verdienstausfall. Stehen nach einem Schaden Maschinen oder Räume still, fehlen die Einnahmen, während laufende Kosten wie Miete und Löhne weiterlaufen. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung, die sich häufig als Baustein ergänzen lässt, federt genau diese Folgekosten ab.
Betriebs- oder Berufshaftpflicht: Schutz, wenn Sie selbst Schaden verursachen
Bisher ging es um Risiken, die Ihrem Betrieb von außen schaden. Doch was passiert, wenn Sie oder Ihre Mitarbeitenden einen Schaden bei anderen verursachen? Ob Personen-, Sach- oder Vermögensschaden: Ein einziger Fall kann hohe Forderungen auslösen und Ihre Existenz gefährden. Die Haftpflicht für Unternehmen sichert Sie gegen solche Ansprüche Dritter ab und wehrt zugleich unberechtigte Forderungen ab. Ob eine Betriebs- oder eine Berufshaftpflicht zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Tätigkeit ab. Die beiden Begriffe klingen ähnlich, decken aber Unterschiedliches ab.
Die Betriebshaftpflichtversicherung
Die Betriebshaftpflicht übernimmt Kosten für Personen- und Sachschäden sowie für Vermögensschäden, die daraus entstehen. Stürzt ein Kunde in Ihren Geschäftsräumen oder beschädigt ein Mitarbeiter beim Kundeneinsatz fremdes Eigentum, greift dieser Schutz. Auch ein verlorener Kundenschlüssel zählt dazu: Die Versicherung kommt dann für den Austausch der Schließanlage auf. Für Handwerks- und Produktionsbetriebe ist sie meist die richtige Wahl.
Die Berufshaftpflichtversicherung
Die Berufshaftpflicht, oft Vermögensschadenhaftpflicht genannt, sichert reine Vermögensschäden ab, die durch Ihre berufliche Leistung entstehen, ohne dass zuvor eine Person verletzt oder ein Gegenstand beschädigt wurde. Beraten Sie einen Kunden falsch und entsteht ihm dadurch ein finanzieller Nachteil, springt die Versicherung ein. Für beratende und planende Berufe wie Steuerberater, Rechtsanwältinnen, Architekten oder Unternehmensberater ist sie zentral. In einigen dieser Berufe ist eine Berufshaftpflicht sogar gesetzlich vorgeschrieben.
Prüfen Sie in jedem Fall die Versicherungsbedingungen genau, denn abgesichert sind in der Regel nur die Schadenarten, die vertraglich vereinbart wurden. Branchentypische Sonderrisiken wie Umweltschäden lassen sich häufig zusätzlich einschließen.
Rechtsschutzversicherung: juristischer Beistand für Selbstständige
Selbst mit einer guten Haftpflichtversicherung bleiben Situationen, in denen Sie rechtlichen Beistand brauchen. Unstimmigkeiten mit Mitarbeitenden oder Vermietern, Vertragsbrüche oder ausbleibende Zahlungen von Kunden gehören zum Unternehmeralltag. Kommt es zum Streit, übernimmt eine Rechtsschutzversicherung Anwalts- und Gerichtskosten, die Sie sonst selbst tragen müssten. Sie können gezielt die Rechtsbereiche absichern, die für Ihre Tätigkeit besonders relevant sind, und sparen so unnötige Beiträge.
Cyber-Versicherung: Schutz für digitale Risiken
Viele junge Unternehmen arbeiten von Anfang an digital: Kundendaten in der Cloud, ein Online-Shop, die Buchhaltung per Software. Das macht Sie angreifbar. Ein Hackerangriff, eine Schadsoftware oder ein Datenleck kann den Betrieb lahmlegen und teure Folgen haben, von der Wiederherstellung der Systeme bis zu Ansprüchen betroffener Kunden. Eine Cyber-Versicherung übernimmt in solchen Fällen typischerweise die Kosten für Datenrettung, Krisenmanagement und berechtigte Haftungsansprüche. Für Betriebe, die stark auf IT angewiesen sind, ist sie eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Haftpflicht.
Weitere relevante Versicherungen je nach Branche
Je nach Tätigkeit kommen weitere Policen infrage:
- Transportversicherung für Speditionen oder Versandhandel
- Kfz-Flottenversicherung für Firmenfahrzeuge
- Maschinenversicherung im produzierenden Gewerbe
- D&O-Versicherung für Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften
- Risikolebensversicherung zur Absicherung der Familie und von Geschäftspartnern (etwa bei gemeinsamen Krediten)
- Gruppenunfallversicherung für die Mitarbeitenden
Nicht vergessen: Sich selbst absichern
Als Angestellte sind viele Risiken über den Arbeitgeber und die Sozialversicherung mit abgedeckt. Als Selbstständige tragen Sie diese Verantwortung selbst. Drei Bereiche sollten Sie deshalb nicht aus dem Blick verlieren.
Bei der Krankenversicherung entfällt mit der hauptberuflichen Selbstständigkeit die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Kasse. Sie können freiwillig gesetzlich versichert bleiben oder in die private Krankenversicherung wechseln; die Pflegeversicherung ist daran automatisch gekoppelt. Wichtig: Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es für Sie nicht. Fallen Sie länger aus, kann ein Krankentagegeld den Einkommensverlust abfedern.
Mindestens ebenso wichtig ist der Schutz Ihrer Arbeitskraft. Können Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, fehlt das Einkommen, das Ihr Unternehmen trägt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf dauerhaft zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausführen können. Wer früh abschließt, profitiert häufig von günstigen Beiträgen, da junge Menschen in der Regel noch keine Vorerkrankungen haben.
Und schließlich die Altersvorsorge: Viele Selbstständige zahlen nicht automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Umso wichtiger ist es, früh privat vorzusorgen, zum Beispiel mit einer flexiblen fondsgebundenen Rentenversicherung oder einer staatlich geförderten Basisrente. Eine private Unfallversicherung rundet den Schutz ab.