So schützen Sie sich vor Schäden durch Schneedruck

Ganz egal, wie schnell wir uns dem Jahresende nähern - so richtig winterlich wird es erst, wenn der Schnee leise vom Himmel rieselt. Wenn es dann soweit ist, machen schneebedeckte Dächer als Fotomotiv eine besonders gute Figur. Diese können in besonders schneereichen Regionen jedoch auch zum echten Risiko werden. Der Grund: Schneedruck, welcher Dachlawinen erzeugt oder sogar ganze Dächer einstürzen lässt. Damit stellt er nicht nur eine Gefahr für ungesicherte Gebäude, sondern auch für ahnungslose Menschen dar. Denn obwohl das Risiko Schneedruck alle Jahre wieder besteht, wissen die wenigsten Hausbesitzer über wichtige Vorsorgemaßnahmen und die richtige Absicherung gegen Schäden Bescheid. Da genau diese Faktoren im Zweifelsfall entscheidend sein können, versorgen wir Sie mit den wichtigsten Informationen rund um das Thema Schneedruck.

Wann ist das Schneedruck-Risiko besonders hoch?

Mit einem vollgeschneiten Dach steigt die Gefahr für Dachlawinen oder Einstürze selbstverständlich immer. Dennoch bringen bestimmte Dacharten ein besonders hohes Risiko mit sich - allen voran das Flachdach. Hier kann der Schnee, anders als bei schrägen Dächern, nicht von alleine abrutschen. So kann sich schon über mehrere Stunden so viel Schneemasse ansammeln, dass das entstandene Gewicht zur echten Gefahr wird. Besonders bei hohem Schneefall über Nacht passiert das oft unbemerkt. Zudem wirkt das Schneegewicht bei flachen Dächern 1:1 auf die Grundfläche des Hauses - und steigert damit das Einsturzrisiko erheblich.

Es gilt also: Je steiler das Dach, desto einfacher kann der Schnee von selbst abrutschen. Das geschieht bei Dächern ab einem Neigungswinkel von über 30 Grad besonders schnell. Auf flacheren Dächern setzt sich der Schnee hingegen eher fest.

Auch die Windstärke in der entsprechenden Region ist ein wichtiger Faktor. So wird der frische Schnee bei einem Unwetter mit hoher Windstärke verweht und setzt sich damit weniger auf den Dächern ab. In windstillen Wetterlagen ist dementsprechend das Gegenteil der Fall. Hier kann sich der Schnee ungestört auf den Dächern sammeln und steigert so das auf das Dach wirkende Gewicht. 

Die Beschaffenheit des Schnees ist entscheidend

Je mehr Schnee auf dem Dach, desto höher ist die Einsturz- und Lawinengefahr? So einfach ist die Rechnung nicht. Denn nicht allein mit der Menge, sondern viel mehr mit der Beschaffenheit des Schnees steht und fällt die Sicherheit Ihres Daches. Hierbei gilt: Je dichter der Schnee, desto schwerer ist er auch. Für die Schneedichte sind der Wassergehalt, sowie der Vereisungsgrad entscheidend. Diese Faktoren sind bei eisigem und stark durchnässtem Altschnee besonders hoch. Pulveriger Neuschnee ist hingegen weniger vereist und durchnässt.

Welchen enormen Einfluss die Beschaffenheit des Schnees auf das Gewicht hat, zeigt folgendes Beispiel:

  • Während zehn Zentimeter hoher Neuschnee auf einem Quadratmeter nur zehn Kilogramm auf die Waage bringt, wiegt stark durchnässter Altschnee auf gleicher Fläche bis zu 50 Kilogramm.
  • Eine Wasser-Eisschicht kann das sogar toppen: Auf derselben Fläche wirken hier 90 Kilogramm Masse auf das Gebäude.
  • Eine Anleitung zum Abschätzen des Schneegewichts, welches auf Ihrem Dach lastet, stellt das Bayerische Landesamt für Umwelt bereit.

So reagieren Sie bei Schneedruck richtig

Das Risiko Schneedruck wird also von vielerlei Faktoren beeinflusst. Ebenso vielfältig sind die Vorsorgemaßnahmen, welche Sie bei hohem Schneefall vor Dachlawinen und einstürzenden Dächern schützen. Doch auch, wenn Sie schon von einer hohen Schneelast betroffen sind, kann in letzter Minute noch für Sicherheit gesorgt werden. Wir zeigen wie!

Vorsorge ist ja bekanntlich die beste Sorge. Deshalb sollten Sie das Dach besonders in schneereichen Regionen mit folgendermaßen absichern:

  • Schneefanghaken, -balken und -gitter werden am Dach montiert und beugen bei Schneedruck Dachlawinen vor. Während Haken die Schneedecke stabilisieren und einseitiges Abrutschen verhindern, sorgen Balken und Gitter für den Halt des Schnees. Deshalb sollten Schneefanghaken immer in Kombination mit Schneefangbalken  oder -gittern vorsorglich angebracht werden, um ausreichenden Schutz zu bieten. Ob Sie sich nun für Balken oder Gitter entscheiden, ist Geschmackssache. Denn der Unterschied liegt hierbei vor allem in der Optik: Schneefangbalken wirken rustikaler, Schneefanggitter überzeugen mit einem schlichteren Aussehen.
  • Spätestens wenn das große Tauen beginnt, können bei einer hohen Schneedecke selbst die besten Sicherheitsmaßnahmen das Abrutschen oft nicht mehr verhindern. Dann wird es vor allem für Passanten gefährlich. Schließlich sieht man die Gefahr von oben selten kommen. Um Verletzungen durch herabfallenden Schnee dennoch zu verhindern, sind Warnschilder ein absolutes Muss. Diese sollten Hausbesitzer gut sichtbar an der Hauswand anbringen, um vorübergehende Personen frühzeitig vor Lawinen zu warnen. 

Frau Holle findet kein Ende und die Schneedecke wird langsam immer dichter und höher? Dann ist es höchste Zeit, das Dach zu räumen. Folgendes sollten Sie dabei beachten:

  • Schätzen Sie die Lage realistisch ein. Können Sie das Dach von Schnee befreien, ohne sich selbst oder andere in Gefahr zu bringen? Wenn Sie daran Zweifel haben, sollten Sie das Schneeräumen zu Ihrer eigenen Sicherheit lieber der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk überlassen.
  • Sichern Sie den Gehweg und die weitere Fläche unter dem Dach zuvor weitläufig, um Schäden durch herabfallenden Schnee zu vermeiden.
  • Steigen Sie in keinem Fall auf das Dach, um dieses von Schnee zu befreien. Zum einen ist die Abrutschgefahr hierbei enorm. Zum anderen fehlen bei einer hohen Schneelast oft nur wenige Kilos, um das Dach zum Einstürzen zu bringen.
  • Um die Schneedecke dennoch erreichen zu können, sollten Sie eine Leiter an das Dach legen oder von der Dachluke aus arbeiten.
  • Benutzen Sie zum Abfegen des Schnees einen weichen Besen.

Für jeden Schneeschaden die richtige Versicherung

Eine gute Vorbereitung und das richtige Verhalten im Ernstfall kann die meisten Schäden durch Schneelast verhindern. Dennoch sind einige Situationen schlichtweg unvorhersehbar: Eine Schneelawine, welche trotz guter Sicherung von Ihrem Dach stürzt, kann im schlimmsten Fall einen ahnungslosen Passanten treffen. Auch ein falsches Einschätzen der Schneelast kann schwerwiegende Folgen für die Stabilität Ihrer Immobilie haben. Deshalb gilt: Machen Sie sich Gedanken darüber, was passiert, wenn's passiert ist. Auf Nummer sicher gehen Sie mit einer lückenlosen Absicherung. Auf was Sie dafür nicht verzichten dürfen, haben wir für Sie zusammengefasst.

  • Bringt die Schneelast das Dach zum Einstürzen, deckt die normale Wohngebäudeversicherung die entstandenen Schäden nicht. Hierfür ist eine zusätzliche Elementarschadenversicherung ein absolutes Muss.
  • Wenn Passanten durch herabfallenden Schnee verletzt werden, weil die eigene Sicherheitspflicht nicht eingehalten wurde, leistet die private Haftpflichtversicherung des Hauseigentümers. Für Vermieter ist in diesem Fall die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung die richtige Wahl.
  • Bei Schäden an Autos durch herabfallenden Schnee übernimmt die Vollkaskoversicherung entstandene Kosten. Für zerbrochene Autoscheiben ist die Teilkaskoversicherung zuständig.
  • Um auch gegen Schäden am Hausrat durch Schneelawinen oder Schmelzwasser abgesichert zu sein, darf die zusätzliche Police für erweiterte Naturgefahren in der Hausratversicherung nicht fehlen.