Ratgeber
Saisonkennzeichen fürs Motorrad: Was gibt es zu beachten?
Wie Motorradfahrer mit dem richtigen Saisonzeitraum Geld sparen – und was bei Anmeldung, Versicherung und Nutzung beachtet werden muss.
Kurz zusammengefasst:
- Kostenersparnis: Saisonkennzeichen reduzieren Beiträge für Kfz-Steuer und Versicherung – Sie zahlen nur für den Nutzungszeitraum.
- Dauerhafte Gültigkeit: Einmalige Anmeldung, der festgelegte Zeitraum gilt automatisch jedes Jahr.
- Nutzung nur in der Saison: Außerhalb des Saisonzeitraums besteht Fahr- und Parkverbot im öffentlichen Raum.
- Keine Flexibilität: Änderungen am Saisonzeitraum sind nur durch offizielle Ummeldung möglich.
Motorrad mit Zulassung für die Saison: Flexibel fahren, gezielt sparen
Motorradfahren ist für viele ein Hobby mit Herz. Doch wer nur in der warmen Jahreszeit unterwegs ist, zahlt mit einem klassischen Ganzjahreskennzeichen schnell zu viel. Ein Saisonkennzeichen ist deshalb besonders unter Schönwetterfahrern und Besitzern mehrerer Motorräder beliebt, vor allem wenn das Motorradkennzeichen nur für einen bestimmten Zeitraum gültig sein soll.
Doch was genau steckt dahinter? Wie funktioniert die Anmeldung und welche Zulassungsbescheinigung wird benötigt? Und lohnt sich die Umstellung finanziell wirklich? In diesem Ratgeber klären wir, wie ein Saisonkennzeichen fürs Motorrad funktioniert, welche Regeln im Straßenverkehr gelten und worauf Sie achten müssen, um keine bösen Überraschungen zu erleben, auch im Hinblick auf den Versicherungsschutz.
Was ist ein Saisonkennzeichen?
Ein Saisonkennzeichen ist ein amtliches Kfz-Kennzeichen, das nur für einen festgelegten Zeitraum im Jahr gültig ist, zum Beispiel von April bis Oktober. In dieser Zeit dürfen Sie Ihr Motorrad wie gewohnt auf öffentlichen Straßen nutzen. Außerhalb dieses Zulassungszeitraums gilt allerdings Fahrverbot.
Typisch fürs Saisonkennzeichen: Auf dem Nummernschild stehen zwei Zahlen übereinander, zum Beispiel „04–10“. Sie zeigen an, dass das Fahrzeug nur von April bis Oktober genutzt werden darf. Die Mindestlaufzeit beträgt zwei Monate, die Höchstdauer elf Monate pro Jahr. Die Kombination aus Zahlen und Buchstaben entspricht dabei den üblichen Vorgaben für Motorradschilder.
Warum viele Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen umsteigen: Wer sein Bike ohnehin nur bei schönem Wetter nutzt oder es im Winter in der Garage einmottet, spart mit einem Saisonkennzeichen bares Geld und Aufwand. Im Unterschied zum Ganzjahreskennzeichen entfällt das jährliche An- und Abmelden, da das Motorrad für den gewählten Zeitraum dauerhaft zugelassen bleibt.
Voraussetzungen und Regelungen von diesen Kennzeichen
Der gewählte Nutzungszeitraum wird direkt bei der Zulassung festgelegt, etwa „03–10“ für März bis Oktober. Dieser Zeitraum bleibt dauerhaft bestehen und verlängert sich jedes Jahr automatisch. Eine Änderung ist nur durch eine neue Ummeldung bei der Zulassungsstelle möglich.
Was gilt außerhalb der Saison?
- Fahrverbot: Außerhalb des Saisonzeitraums dürfen Sie das Motorrad auf öffentlichen Straßen nicht bewegen, auch nicht für Probefahrten, Tankstellen- oder Werkstattbesuche.
- Abstellpflicht: Das Fahrzeug muss auf einem privaten Gelände (zum Beispiel Garage oder Grundstück) stehen. Das Parken auf der Straße ist untersagt.
- Ausnahmen: Eine Überführung zur Werkstatt ist nur mit spezieller Genehmigung oder Kurzzeitkennzeichen erlaubt, was einen bürokratischen Mehraufwand bedeutet.
Vorteile eines Saisonkennzeichens fürs Motorrad
Für viele Motorradfahrer bringt das Saisonkennzeichen deutliche Vorteile mit sich, insbesondere im Hinblick auf die Kosten.
Die wichtigsten Vorteile im Überblick:
- Geringere Versicherungskosten: Die Beiträge werden nur für die aktive Saison berechnet. Das spart oft bis zu 30 Prozent.
- Reduzierte Kfz-Steuer: Auch die Steuer wird nur anteilig für die Nutzungsmonate fällig.
- Kein jährliches An- und Abmelden: Die Zulassung bleibt dauerhaft gültig – einmal anmelden, dauerhaft sparen.
- Planbare Nutzung: Wer ohnehin nur in den warmen Monaten fährt, profitiert von einem festen Zeitrahmen ohne zusätzlichen Aufwand.
Mögliche Nachteile und Risiken
So praktisch das Saisonkennzeichen für viele ist, es hat auch Einschränkungen, über die man sich im Voraus im Klaren sein sollte.
Diese Punkte sollten Sie bedenken:
- Keine spontanen Fahrten im Winter: Wer im November plötzlich Lust auf eine Ausfahrt hat, fährt ohne Versicherungsschutz und macht sich strafbar.
- Feste Zeitbindung: Der gewählte Zeitraum kann nicht flexibel angepasst werden – Änderungen erfordern eine neue Zulassung.
- Ruhezeitregelungen: Außerhalb der Saison muss das Motorrad sicher abgestellt sein und darf nicht im öffentlichen Raum geparkt werden.
- Eingeschränkte Sonderfahrten: Auch Fahrten zur Werkstatt oder Hauptuntersuchung sind nur unter Auflagen möglich.
Versicherung und Steuer: So werden die Kosten berechnet
Die Höhe von Versicherungsprämie und Steuer hängt direkt vom gewählten Saisonzeitraum ab. Je länger die Saison, desto höher der Beitrag – dafür aber auch die Flexibilität beim Fahren.
Auch in den stillgelegten Monaten besteht meist eine Ruheversicherung, die das Motorrad weiterhin bei Schäden wie Diebstahl, Brand oder Sturm schützt. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug außerhalb der Saison auf privatem Gelände oder in einer Garage steht, da es im öffentlichen Raum weder gefahren noch abgestellt werden darf.
Eine gute Motorradversicherung umfasst daher Haftpflicht, optionalen Kaskoschutz und eine Ruheversicherung für die außerbetriebliche Zeit. Die Motorradversicherung der Bayerischen bietet zusätzlich einen Schutzbrief, der im Pannen- oder Notfall Leistungen wie Abschleppen, Rücktransport und Hilfe im In- oder Ausland übernimmt – für optimale Absicherung das ganze Jahr über.
Saisonkennzeichen beantragen: Schritt für Schritt
Die Beantragung eines Saisonkennzeichens ist unkompliziert und erfolgt direkt bei der zuständigen Zulassungsstelle oder dem Straßenverkehrsamt. Für die Beantragung benötigen Sie bestimmte Unterlagen, darunter einen gültigen Personalausweis oder Reisepass oder auch die Zulassungsbescheinigungen Teil I und II.
Schritt 1: Entscheiden – online oder vor Ort beantragen
Online-Beantragung (wo verfügbar):
- Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion oder elektronischen Aufenthaltstitel (eAT)
- AusweisApp2
- ein Nutzerkonto (BayernID, BundID oder ELSTER)
- einen Drucker für den vorläufigen Zulassungsnachweis
Vor-Ort-Beantragung (bundesweit):
- Zuständig ist immer die Kfz-Zulassungsstelle Ihres Wohnortes beziehungsweise bei Firmen der Betriebssitz.
- Der Ablauf und die benötigten Unterlagen sind bundesweit weitgehend einheitlich.
Schritt 2: Prüfen, ob ein Saisonkennzeichen geeignet ist
- Der gewünschte Zulassungszeitraum beträgt zwei bis elf Monate.
- Sie haben sich bereits auf bestimmte Monate festgelegt (zum Beispiel 04–10) und sind sich bewusst, dass das Fahrzeug in den übrigen Monaten nicht gefahren werden darf.
Schritt 3: Wunschkennzeichen reservieren (optional)
- Wunschkennzeichen online über das Portal der zuständigen Zulassungsstelle reservieren.
- Erlaubte Kombinationen sind zwei Buchstaben mit drei Zahlen oder ein Buchstabe mit vier Zahlen.
- Nach der Reservierung erhalten Sie einen Reservierungspin, der für die spätere Anmeldung benötigt wird.
- Der Reservierungspin sollte bis zur Zulassung sorgfältig aufbewahrt werden
- Tipp: Auch mit einem Oldtimerkennzeichen (H) kombinierbar
Schritt 4: Unterlagen zusammenstellen
Für alle Anträge:
- eVB-Nummer der Kfz-Versicherung
- IBAN für SEPA-Lastschriftmandat (Kfz-Steuer)
- Gegebenenfalls Reservierungspin
Für bereits zugelassene Fahrzeuge:
- Zulassungsbescheinigung Teil I und II
- bisherige Kennzeichenschilder (bei Online-Antrag mit Sicherheitscode)
- Wichtig: Für Saisonkennzeichen werden immer neue Schilder benötigt.
Für Fahrzeuge, die noch nicht auf Sie zugelassen sind:
- Unterlagen entsprechend der An- beziehungsweise Ummeldung (Neufahrzeug, Umschreibung, Importfahrzeug)
- Saisonkennzeichen kann direkt im Prozess mitbeantragt werden.
Schritt 5: Antrag einreichen – online oder vor Ort
Online-Antrag:
- Zuständiges Online-Zulassungsportal öffnen
- Vorgang wählen (zum Beispiel Neuzulassung, Umschreibung, Kennzeichenwechsel)
- gewünschten Saisonzeitraum festlegen
- Daten prüfen und Gebühren bezahlen
- Dokumente herunterladen
Vor Ort:
- Zum Termin in Ihrer lokalen Kfz-Zulassungsstelle erscheinen
- Saisonzeitraum angeben
- Gebühren bezahlen (ab circa 30 EUR, abhängig vom Vorgang)
- Neue Kennzeichen prägen lassen
Schritt 6: Vorläufiger Nachweis und endgültige Unterlagen
Bei Online-Zulassung:
- Vorläufigen Zulassungsnachweis ausdrucken (gültig bis zu zehn Tage)
- Zustellung der endgültigen Unterlagen (ZB I, ZB II, Plaketten): Per Post, innerhalb von zehn Tagen bei aktiviertem „sofortigem Fahren“, sonst meist innerhalb von drei Tagen.
Schritt 7: Saisonregeln beachten
- Fahren und Parken im öffentlichen Raum ist nur im Saisonzeitraum erlaubt.
- Außerhalb davon darf das Fahrzeug nur auf privatem Grund stehen.
Entscheidungshilfe: Ist ein Saisonkennzeichen die richtige Wahl?
Ob sich ein Saisonkennzeichen lohnt, hängt stark vom eigenen Fahrverhalten ab. Wer regelmäßig auch im Winter fährt, sollte besser beim Ganzjahreskennzeichen bleiben. Für Gelegenheitstourer und Saisonfahrer hingegen ist die saisonale Variante oft die bessere Wahl.
Typische Profile, für die sich ein Saisonkennzeichen eignet:
Schönwetterfahrer: Die Maschine bleibt bei Regen oder Schnee ohnehin in der Garage.
Zweit-Motorrad-Besitzer: Das Sommermotorrad kann günstig über den Winter stillgelegt werden.
Stadtfahrer mit begrenzter Nutzungszeit: Nur für gelegentliche Wochenendausflüge bei Sonnenschein.
Pendler mit Auto im Winter: Das Motorrad dient nur als sommerliche Alternative zum Auto:
Häufige Fragen zum Saisonkennzeichen
Kann ich den Saisonzeitraum jedes Jahr neu wählen?
Nein. Der einmal gewählte Zeitraum bleibt bestehen und gilt automatisch jedes Jahr. Eine Änderung ist nur durch eine Ummeldung bei der Zulassungsstelle möglich.
Kann ich den Zeitraum nachträglich ändern?
Ja, das ist möglich. Dafür muss die Zulassung jedoch erneut geändert werden, inklusive neuer eVB-Nummer und gegebenenfalls neuer Kennzeichen. (Quelle: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kfz-zulassung/saisonkennzeichen/)
Was kostet ein Saisonkennzeichen im Vergleich zum regulären Kennzeichen?
Die Kosten für die Anmeldung sind ähnlich hoch und liegen bei ungefähr 27 EUR. Einsparungen ergeben sich hauptsächlich durch die anteilige Berechnung von Steuer und Versicherung für den Nutzungszeitraum.
Muss das Motorrad zur Hauptuntersuchung, obwohl es ein Saisonkennzeichen hat?
Ja. Die Pflicht zur Hauptuntersuchung besteht unabhängig vom Saisonzeitraum und muss innerhalb der vorgegebenen Frist erfolgen, auch wenn das Motorrad außerhalb der Saison steht.
Was passiert, wenn mein TÜV-Termin außerhalb der Saison liegt?
In diesem Fall müssen Sie das Motorrad vorübergehend zum Beispiel mit einem Anhänger zur Prüfstelle bringen oder ein Kurzzeitkennzeichen beantragen. Eine Verschiebung des Prüftermins ist nicht vorgesehen.
Kann ich mein Motorrad während der Ruhezeit verkaufen?
Ja, ein Verkauf ist möglich. Beachten Sie jedoch, dass der Käufer das Fahrzeug erst dann auf öffentlichen Straßen nutzen darf, wenn es regulär zugelassen ist – gegebenenfalls mit einem neuen Kennzeichen.
Was passiert mit dem Versicherungsschutz bei einem Unfall außerhalb der Saison?
Außerhalb des festgelegten Saisonzeitraums ist das Fahren im öffentlichen Straßenverkehr nicht erlaubt. Da für diesen Zeitraum kein Versicherungsschutz besteht, kann es im Ernstfall zu rechtlichen Problemen kommen.
Saisonkennzeichen: Gut geplant ist halb gespart
Ein Saisonkennzeichen ist eine clevere Lösung für alle, die ihr Motorrad nur bei gutem Wetter nutzen. Es bietet klare Vorteile bei Versicherung und Steuer, setzt aber auch eine gute Planung voraus. Spontane Winterausfahrten sind tabu, und ohne privaten Abstellplatz wie eine Garage wird es problematisch, da das Motorrad außerhalb des gültigen Zeitraums nicht im Straßenverkehr stehen darf.