Ratgeber
Energiequellen im Vergleich: Wie nachhaltig ist Ökostrom wirklich?
Ökostromtarife versprechen Strom aus erneuerbaren Quellen. Doch Definitionen, Herkunftsnachweise und Tarifstrukturen sind komplex. Wir zeigen, woher der Strom in deutschen Steckdosen tatsächlich kommt und worauf Sie beim Stromtarif achten sollten.
Kurz zusammengefasst
- Erneuerbare auf dem Vormarsch: Im Jahr 2025 stammten über 55 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren, was enorme 265 Millionen Tonnen CO₂ einsparte. Gleichzeitig sind fossile Energien auf dem Rückzug: Kohle verliert massiv an Bedeutung und die Atomkraft ist seit 2023 komplett abgeschaltet.
- Fossile auf dem Rückzug: Kohle verliert weiter an Bedeutung, die Atomkraft ist seit dem 15. April 2023 vollständig aus der deutschen Stromproduktion verschwunden.
- Kosten-Mythos entkräftet: Ökostromtarife sind nicht automatisch teurer. Wer aus der Grundversorgung wechselt, spart laut Vergleichsportalen bis zu 40 Prozent.
- Überraschende Herkunft: Wegen des deutschen Fördersystems (EEG) stammen Herkunftsnachweise für hierzulande verkauften Ökostrom häufig aus dem europäischen Ausland.
- Tipp für Tarifwahl: Beim Wechsel auf strenge Gütesiegel achten, etwa „ok-power-Label“ oder „Grüner Strom“.
Woher kommt unser Strom?
Die deutsche Stromversorgung hat sich grundlegend gewandelt. Spätestens der endgültige Atomausstieg im Jahr 2023 und die riskante Abhängigkeit von unsicheren Gasimporten haben ein massives Umdenken erzwungen. Um die nationalen Klimaziele zu erreichen, führt an einem zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien kein Weg vorbei. Und die aktuellen Zahlen zeigen: Der Wandel ist bereits in vollem Gange.
Anteil erneuerbarer Energien am Strommix
Bestand die deutsche Stromversorgung 2010 noch zu knapp einem Fünftel aus Ökostrom, lag der Anteil am Bruttostromverbrauch im Jahr 2025 bereits bei über 55 Prozent (Quelle: Umweltbundesamt, Stand: 2026). Größter Faktor dabei: Die Windenergie. Über 25 Prozent des Stroms in Deutschland werden von Windrädern erzeugt, der Großteil davon "onshore", also an Land. Photovoltaikanlagen liegen mit rund 17 Prozent dahinter. Nur Biomasse (knapp neun Prozent) und Wasserkraft (3,2 Prozent) machen einen noch kleineren Teil der erneuerbaren Energien hierzulande aus.
Was unterscheidet Ökostrom von erneuerbaren Energien?
Über die Hälfte des deutschen Stroms stammt 2025 bereits aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig wählen immer mehr Haushalte einen Ökostromtarif: Laut Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt entscheiden sich rund 67 Prozent der Privathaushalte für einen solchen Tarif. Doch was genau bedeutet das eigentlich?
Keine verbindliche Ökostrom-Definition in Deutschland
Im Nachbarland Österreich ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Ökostrom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen muss. In Deutschland fehlt eine solche allgemeingültige Definition. Laut der Definition des Bundesverbands Erneuerbare Energie reicht bereits ein Anteil von 50 Prozent regenerativ erzeugter Energie aus, um einen Tarif als Ökostrom zu bezeichnen. Die andere Hälfte darf aus sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen kommen. Das sind Kraftwerke, bei denen die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme zusätzlich in einen Heizkreislauf geleitet wird. Der dort überwiegend genutzte Energieträger ist Erdgas.
"Deutscher" Ökostrom kommt oft aus dem Ausland
Selbst wenn zertifizierter Ökostrom nachweislich aus erneuerbaren Quellen stammt, stehen die Anlagen häufig nicht in Deutschland. Der Grund: Strom aus erneuerbaren Quellen, für den der Erzeuger eine EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) in Anspruch nimmt, darf nicht als Ökostrom verkauft werden (Quelle: Umweltbundesamt, Stand: 2026). Diese Regelung trifft auf den Großteil der hierzulande regenerativ erzeugten Energie zu. Folge: Ein großer Teil der Herkunftsnachweise für Ökostrom in Deutschland stammt aus dem europäischen Ausland, vor allem aus Skandinavien.
Gleichzeitig bedeutet die EEG-Förderung: Auch ohne Ökostromtarif beziehen Sie über das öffentliche Netz einen erheblichen Anteil regenerativ erzeugten Stroms. Denn EEG-geförderter Strom wird mit Einspeisevorrang ins Netz geleitet und landet dort, wo Strom verbraucht wird. Mehr Nachfrage nach Ökostromtarifen erhöht den Druck auf konventionelle Kraftwerke und beschleunigt den Strukturwandel im Stromsektor.
Worauf Sie beim Tarifwechsel achten sollten
Anbieter überbieten sich mit Labels und Gütesiegeln. Wer sicher gehen will, dass der bezogene Strom tatsächlich vollständig aus erneuerbaren Energien stammt, orientiert sich an bewährten Siegeln: dem Grünstrom-Label des TÜV, dem Siegel „Grüner Strom“ oder dem „ok-power-Label“. Die letzten beiden garantieren zusätzlich, dass durch den Strombezug aktiv der Ausbau neuer Anlagen gefördert wird.
In erneuerbare Energien investieren
Die Wahl eines Ökostromtarifs ist ein erster Schritt. Wer den Ausbau erneuerbarer Energien zusätzlich unterstützen möchte, kann auch über die eigene Geldanlage steuern. Beim Übergang vom Konsumenten zum Investor fließt Kapital gezielt in Sachwerte wie neue Wind- oder Solaranlagen.
Eine solche Möglichkeit bietet die bAV Blue Invest der Bayerischen. Diese betriebliche Altersvorsorge investiert einen Teil der Beiträge in den Sachwerte-Fonds Pangaea Life Blue Energy, der schwerpunktmäßig Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen sowie Energiespeicher umfasst. So lassen sich die Altersvorsorge und Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien miteinander verbinden, kombiniert mit einer Beitragsgarantie von 80 Prozent.
Anteil fossiler Energiequellen am Strommix
Die Zeiten, in denen Kohle den deutschen Strommix dominierte, sind vorbei. Braun- und Steinkohle spielen zwar noch eine Rolle, haben aber massiv an Bedeutung verloren. Steigende CO2-Preise und die Abschaltung von 15 Kohlekraftwerken und -kraftwerksblöcken im April 2024 haben den Strukturwandel beschleunigt. Die Kernkraft ist seit der Abschaltung der letzten drei deutschen Atomkraftwerke am 15. April 2023 vollständig aus der heimischen Stromproduktion verschwunden.
Stattdessen tragen erneuerbare Energien die Hauptlast: Windkraftanlagen erzeugen heute mehr Strom als alle Braun- und Steinkohlekraftwerke des Landes zusammen. Die Photovoltaik hat Erdgas und Braunkohle bei der Stromerzeugung mittlerweile überholt.
Ganz ohne fossile Energiequellen kommt Deutschland aktuell noch nicht aus. Wind- und Sonnenenergie sind wetterabhängig. Bei Flaute und Bewölkung müssen regelbare Kraftwerke einspringen, um das Netz stabil zu halten. Gleichzeitig wächst der Strombedarf durch Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen. Neben dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten sind daher auch Stromnetze und Batteriespeicher entscheidend.
CO2-Bilanzen der verschiedenen Energiequellen
Bei den CO2-Emissionen liegen Welten zwischen erneuerbaren und fossilen Energieträgern. Erneuerbare Energien sind im laufenden Betrieb CO2-neutral. Herstellung, Aufbau und Recycling von Anlagen verursachen zwar Emissionen, doch über den gesamten Lebenszyklus bleibt ihr Fußabdruck deutlich kleiner als der fossiler Konkurrenten.
CO2-Werte im direkten Vergleich
Eine Analyse des Umweltbundesamtes über den gesamten Lebenszyklus (Rohstoffabbau, Bau, Betrieb, Entsorgung) liefert folgende Werte in Gramm CO2-Äquivalenten pro erzeugter Kilowattstunde:
- Windkraft Onshore: rund 17,8 Gramm
- Windkraft Offshore: rund 9,6 Gramm
- Photovoltaik: 36 bis 63 Gramm (je nach Modultyp)
- Erdgas: 433 bis 486 Gramm
- Braunkohle: rund 1.054 bis 1.139 Gramm
Auch die Kernenergie schneidet bei der reinen Emissionsbilanz mit etwa 12 Gramm pro Kilowattstunde gut ab. Allerdings bleibt das ungelöste Problem der Endlagerung radioaktiver Abfälle und das Sicherheitsrisiko der Reaktoren. In der deutschen Stromproduktion spielt die Atomkraft seit dem endgültigen Ausstieg im April 2023 keine Rolle mehr.
Neben den reinen Emissionen ist auch der Eingriff in die Landschaft zu beachten. Zur Gewinnung von Uran oder Braunkohle wird teils ganzen Regionen die Oberfläche entzogen. Auch Wind- und Solarparks verändern die Landschaft, allerdings reversibel und in deutlich geringerem Umfang.
Kostenvergleich: Sind Ökostromtarife wirklich teurer?
Der oft befürchtete Preisaufschlag besteht in der Praxis nicht. Im Gegenteil: Ökostromtarife sind häufig günstiger als die Grundversorgung. Aktuelle Zahlen für einen Modellhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zeigen:
- Grundversorgung: durchschnittlich rund 40 Cent pro Kilowattstunde
- Günstigste Alternativtarife (oft Ökostrom): ab rund 24 Cent pro Kilowattstunde
Die Ersparnis bei einem Wechsel kann bis zu 40 Prozent betragen. Der Grund: Wind- und Sonnenenergie zählen heute zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung. Fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas werden durch den steigenden CO2-Preis hingegen teurer.
Fazit: Vergleichen lohnt sich
Wer einen Ökostromtarif wählt, kann den Strukturwandel im Stromsektor mit unterstützen und gleichzeitig die eigenen Kosten senken. Wichtig ist jedoch: Tarife genau vergleichen und auf verlässliche Gütesiegel achten. Wer den eigenen Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien noch ausbauen möchte, kann zusätzlich über nachhaltige Geldanlagen oder über die betriebliche Altersvorsorge in Sachwerte investieren.