Welche Labels, Initiativen oder ETF gibt es für eine gendergerechte, soziale und nachhaltige Geldanlage?

Heute gibt es so ziemlich für alles ein Label, Siegel oder Batch – was eigentlich ja eine gute Sache ist! So stehen etwa für Kleidung zahlreiche Gütesiegel und Kriterien rund um Nachhaltigkeit bereit, aber natürlich auch für Lebensmittel. Gerade Tierwohlsiegel erfreuen sich hier immer größerer Beliebtheit, denn artgerechte Haltung ist vielen Konsumenten heute (zurecht) ein großes Anliegen.

Da bewusstes Handeln und Nachhaltigkeit ein Thema (und zurecht auch ein Trend) in wohl allen Lebensbereichen ist, wird dabei auch der Bereich „Investment“ natürlich nicht vernachlässigt. Denn (unabhängige) Label & Co. gibt es heute auch für alle Arten von Finanzprodukten.

Doch woran lassen sich nachhaltige, ökologische, gender-, LGTB-freundliche und andere gesellschaftlich oder ethisch korrekte Finanzprodukte erkennen? Welche Label stehen für Ihre Anlage bereit, welche sind wirklich aussagekräftig? Wir geben einen Überblick und stellen die wichtigsten Labels für eine grüne, soziale und nachhaltige Geldanlage vor!
 

Wer abkürzt, gewinnt? Oder: Was bedeuten SDG, UN PRI oder die ESG-Kriterien?

Da es leider keine offizielle Güte-Kriterien für grüne und soziale Investment-Labels gibt, ist ein möglichst hohes Maß an Transparenz, was und wie bewertet wird, besonders wichtig. Denn nur das hilft, um sich effektiv im Label-Dschungel zurechtzufinden. Ein erster guter Ansatz hierfür sind zum Beispiel die so genannten ESG-Kriterien oder die Principles for Responsible Investment (UN PRI). Das sind zwar streng genommen gar keine Labels, spielen aber trotzdem eine wichtig Rolle, wenn es darum geht, die Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels zu beurteilen.

Sie legen nämlich auch für Unternehmen (einheitliche) Standards fest, an denen sich auch Anleger, Vermögensverwalter oder Fondsgründer orientieren können.

1. ESG: Nachhaltige und soziale Kriterien für die Geldanlage

Die ESG-Kriterien (Evironment, Social, Governance) sollen nachhaltige und soziale Verantwortungsbereiche in Unternehmen sichern, ausbauen und schlussendlich „zertifizieren“. Konzerne, die sich den Kriterien verpflichten, müssen sich an Folgendes halten:

  • Umwelt: Die Unternehmen verpflichten sich, Strategien zum Umwelt- und Klimaschutz umzusetzen und voranzutreiben. Das heißt also, sie betreiben ein schonendes Energie- und Ressourcenmanagement, verbessern (laufend) ihre Öko-Bilanz und verringern den eigenen ökologischen Fußabdruck. CO2 und die Vermeidung von Treibhausgasen sind also wichtige Anliegen, ebenso die Artenvielfalt.
  • Sozial: Auch die sozialen Auswirkungen der Unternehmens-Tätigkeit sind ein Faktor. So muss der Konzern weltweit die Achtung von Menschenrechten gewährleisten und faire Löhne zahlen. Arbeitsplätze müssen sicher sein, Zwangs- und Kinderarbeit sind verboten. Auch die Auswirkungen des Produktportfolios werden bewertet. Die Vorgaben gelten darüber hinaus auch für alle Lieferanten und Subunternehmen.
  • Aufsichtsstrukturen: Das dritte Ziel der ESG-Kriterien betrifft die Unternehmensführung. Korruption oder wettbewerbswidrige Praktiken sind untersagt, die Vorstandsvergütung soll im Zusammenhang mit den Nachhaltigkeitszielen stehen. Außerdem sollen Vielfalt und Chancengleichheit gefördert werden.

Seit 2017 gibt es auch eine Kontrollinstanz, die überwacht, ob der Kriterienkatalog der ESG wirklich eingehalten wird. Spezielle „ESG Rating Agenturen“ erstellen berichte, auf die sich Banken, Fondsgesellschaften und Investoren im Anschluss berufen können. 

Wir meinen: Auch wenn die ESG-Kriterien kein waschechtes Label sind, geben sie bereits viel Aufschluss über die Unternehmenskultur – und das gleich in mehreren Bereichen!

Die Bayerische Experten-Tipp:

Wie Sie sicher und nachhaltig investieren, zeigen wir Ihnen in unserem Spezial-Ratgeber. Dort erfahren Sie, wie Sie einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck und Ihre Geldanlage erfolgreich unter einen Hut bringen!

2. UN PRI: Internationales Netzwerk für verantwortliches Investieren

Die PRI-Initiative setzt sechs wichtige Prinzipien für ein verantwortliches Investieren praktisch um – auch dafür spielen übrigens wieder vor allem die ESG-Themen eine wichtige Rolle. Ziel der (von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen) Initiative ist es, die langfristige Auswirkungen von Nachhaltigkeit für Investoren besser verständlich zu machen und die Unterzeichner dabei zu unterstützen, die Themen aktiv in die eigenen Investitionsentscheidungsprozesse einzubauen.

Wenn Sie also eine moderne, effektive und gleichzeitig verantwortungsvolle Alternative zum Sparbuch suchen, ist diese Initiative eine sehr gute Option – und bei unseren nachhaltigen Versicherungen und Fonds deshalb auch bereits Standard. Übrigens ebenso wie die SDG-Ziele. Die was? Das erklären wir jetzt!

3. SDG – Sustainable Development Goals: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen (UN) 17 Ziele, die zur Lösung aktueller globaler gesellschaftlicher Probleme beitragen sollen. Nicht nur zahlreiche Regierungen auf der ganzen Welt, sondern auch Unternehmen und der „Otto Normalverbraucher“ sind dazu aufgerufen, diese umzusetzen.

Neben der Bekämpfung von Armut und der Ernährungssicherung stehen auch die Verbesserung von Gesundheit und allgemeinem Wohlergehen auf der Agenda. Ebenso der weltweite Zugang zu Bildung und die Gleichstellung von Frauen und Männern. Dazu kommen die Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz und bewusst nachhaltiges Wirtschaften.

Schmücken sich Investmentfonds (oder deren Anbieter) mit dem bunten Kürzel „SDG“, ist das somit ein gutes Zeichen für eine ökologisch-ethische Entscheidung. Denn so investiert man nur in Fonds und Firmen, die mit ihrer Geldanlage einen positiven Beitrag zum Erreichen der nachhaltigen Ziele leisten.

Eine bekannte Initiative, die dazu beitragen soll, die UN-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ist etwa WeForest:

Ziel von WeForest ist, bis Ende 2024 100 Millionen Bäume zu pflanzen – das sind immerhin stolze 85.000 Hektar. Dazu arbeitet die Initiative mit zahlreichen Unternehmen, Organisationen und Marken wie Pangaea Life zusammen. 

Nachhaltige Geldanlage? Auch diese Kennzeichen sprechen dafür!

Damit gerade auch „Börsen-Neuling“ wissen, ob ihr Geld sozialverträglich und ökologisch korrekt investiert und angelegt ist, stehen noch einige weitere, relativ zuverlässige Orientierungshilfen bereit:

Climetrics-Rating

Das Climetrics-Rating ermöglicht den transparenten Vergleich verschiedener nachhaltiger ETF sowie Fonds. Wie das klappen soll? Ganz einfach: Zwei unabhängige Non-Profit-Organisationen (CDP und ISS-Ethix Climate Solutions) schauen, wie sich eine Anlagemöglichkeit auf den Klimawandel auswirkt – und bewerten das auf einer Skala von eins bis fünf. 

Praktisch: Umso niedriger die Bewertung im Climetrics-Rating, desto geringer ist die Klima- und Umweltauswirkung der Anlageoption.

FNG-Siegel

Wer einen (nachhaltigen) Fond an der Börse auflegt, kann auf das Siegel des Fachverbandes für nachhaltige Geldanlage (FNG) hoffen. Zumindest dann, wenn dabei die Mindeststandards aus dem UN Global Compact eingehalten werden - von mindestens 90 Prozent der enthaltenden Unternehmen. Die Unternehmen müssen sich hiernach etwa für Umweltschutz und Menschenrechte engagieren sowie sich gegen Korruption wenden. Das heißt konkret: Investitionen in Atomkraft, Kohle, Fracking sowie Waffen und Rüstung sind nicht erlaubt.

Für  Anleger bedeutet das, dass die Nachhaltigkeit der Geldanlage zu großen Teilen gewährleistet ist und ein solider, nachhaltiger Investmentansatz extern zertifiziert wurde.

Gut zu wissen:

Als Berufsanfänger ein Depot für Wertpapiere eröffnen? Was man dazu alles wissen sollte, zeigen wir in unserem passenden Wertpapier-Einführungsratgeber!

ECOreporter

Wer keine Lust hat, mit dem eigenen Investment Dinge und Praktiken wie Tierversuche, Gentechnik, Glücksspiel oder Suchtmittel zu unterstützen, sollte nach dem Label von ECOreporter Ausschau halten. 

Der Brancheninformationsdienst schließt das nämlich mit seiner Zertifizierung für Geldanlagen vollständig aus. Ähnliches gilt für die Rüstungsindustrie oder die Atomkraft. Hier sind nur maximal fünf Prozent toleriert. Wenn der Anteil darüber liegt, bekommen die Fonds und ETF keine „Freigabe“.
 

Und sonst? Auch für LGBT und Geschlechtergerechtigkeit gibt es spezielle Geldanlagen!

Heute gibt es nicht nur Möglichkeiten für eine klima- und umweltfreundlich oder sozial ausgewogene Geldanlage. Es stehen inzwischen auch Fonds und Indizes bereit, die ein gender- und geschlechtergerechtes Investment mit „gutem Gewissen“ fördern und ermöglichen:

Fonds mit Fokus auf Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen

Mit dem „German Gender Index“ gibt es einen Kurskatalog, der auf 50 deutsche (besonders) frauenfreundliche Unternehmen setzt. Aufgenommen werden nämlich nur Aktiengesellschaften, die auf ein ausgewogenes Verhältnis von männlichem und weiblichem Führungspersonal in Aufsichtsrat und Vorstand setzen.

Dabei soll aber natürlich auch der Ertrag nicht zu kurz kommen. Mit Größen wie „Adidas“, „Deutsche Bank“ oder „Deutsche Post“ und „Daimler“ sowie „Allianz“ oder „Siemens“ sind auch zahlreiche DAX-Konzerne in diesem Index vertreten, die in der Regel als dividenden- oder ertragsstarkstark gelten.

Spezieller Aktienindex und Fonds für LGBT-Geldanlagen

Auch für die LGBTQ-Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer) existieren heute speziell aufgesetzte Optionen um möglichst „zielgenau“ Geld anzulegen. So bietet beispielsweise der Index „LGBT-350“ die Möglichkeit in Unternehmen zu investieren, die besonderen Wert auf Gender- und Geschlechtergerechtigkeit legen – und das auch tatsächlich leben. Der auf Diversität ausgelegte Index enthält nämlich nur Aktiengesellschaften, die absolute Gleichberechtigung unter den Mitarbeitern hinsichtlich ihrer Gender-Identität und sexuellen Orientierung anstreben.

Der Ampega Diversity Plus Aktienfonds verfolgt seit 2015 ein ähnliches Ziel – und das mit Aktien nur aus Deutschland. Der Fonds enthält vor allem größere deutsche Konzerne, die für ihre Offenheit gegenüber schwulen, lesbischen, trans- oder bisexuellen Mitarbeitern bekannt sind. Eine Rolle für die Auswahlkriterien spielen unter anderem (firmeninterne) LGBT-Netzwerke oder Schulungen für die Belegschaft, die zur Sensibilisierung beitragen. Im Fonds finden sich etwa DAX30-Unternehmen wie Allianz, SAP und Siemens. Aus einem einfachen Grund: Aufgrund ihrer Größe sind die nämlich in der Regel sehr fortschrittlich, wenn es um Gender- und Diversity-Themen geht.

Sie sehen: Nicht nur unsere Gesellschaft wird (hoffentlich) immer diverser, vielfältiger und toleranter. Wer seine Anlagestrategie breit aufstellen will - und trotzdem Rendite im Sinn hat - findet auch am Kapitalmarkt mittlerweile diverse (!) Angebote.