Rentenpunkte? Was keiner weiß, aber jedem nutzt!

Schulabschluss, Ausbildung oder Studium und die berufliche Karriere danach sind Dinge, mit denen sich viele von uns relativ früh beschäftigen – mehr oder weniger. Doch was passiert eigentlich danach? 

Oder anders gefragt: Wer denkt schon im Teenageralter ernsthaft über die eigene Rente nach? Niemand! 

Trotzdem ist eine gute und sichere Altersvorsorge heute so wichtig wie nie zuvor. Denn: Die Zahl der Einzahler sinkt – während immer mehr Rentner ihre Ansprüche geltend machen. Wer dem „Schreckgespenst“ einer drohenden Altersarmut entgehen möchte, muss sich darum also bereits bestenfalls in der Jugend rechtzeitig rund um die eigene Altersvorsorge kümmern. Gerade Defizite bei der Vorsorge lassen sich auf der Zielgeraden nämlich leider kaum noch kompensieren. Früh übt sich also!

Was das nun alles mit diesen ominösen Rentenpunkten zu tun hat? Eine ganze Menge. Denn mit jeder sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sammeln wir Punkte und Zeiten, die sich spätestens beim Erreichen des Renteneintrittsalters als extrem wertvoll erweisen dürften – zumindest für Angestellte. Wir verraten deshalb, wie man schon in sehr jungen Jahren den Grundstein für einen schöne(re)n Lebensabend legen kann – und was das mit den Rentenpunkten zu tun hat! 
 

Was sind Rentenpunkte?

Das Rentensystem in Deutschland basiert grundsätzlich auf Rentenpunkten, auch Entgeltpunkte genannt. Wie viele Rentenpunkte ein sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Jahr sammelt, hängt dabei von seinem Einkommen ab. Als Basis für die Berechnung wird pro Jahr ein bundesweites Durchschnittseinkommen ermittelt.

Würde das (eigene) Jahreseinkommen exakt dem Durchschnitt entsprechen, bekäme das eigene Rentenkonto für dieses Jahr genau einen Entgeltpunkt gutgeschrieben. Liegt das Einkommen darunter oder (bis zur maximalen Bemessungsgrenze) darüber, werden die Rentenpunkte entsprechend anteilig vergeben. Das heißt konkret: Liegt das Durchschnittseinkommen etwa bei 40.000 Euro im Jahr und Sie verdienen dasselbe, gibt es einen Rentenpunkt. Verdienen Sie dagegen 20.000 €, gibt es einen halben Rentenpunkt.
 

Rentenpunkte berechnen: Wer als Schüler oder Student sammelt, ist im Alter (besser) versorgt!

Basierend auf den angesammelten Rentenpunkten wird im Alter dann der so genannte Rentenbezug ermittelt. Dabei werden die Rentenpunkte mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Dieser Wert wird jährlich angepasst und ist aktuell noch für Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. Bis zum Jahr 2024 soll es die Unterscheidung jedoch nicht mehr geben. Betrachtet man den aktuellen Rentenwert in Westdeutschland, kann man in etwa ein Gespür dafür bekommen, welche Standard-Renten zu erwarten sind. 

Dazu mal ein einfaches Beispiel:

Für 2021 gilt ein Rentenwert von 34,19. Nehmen wir an, dass ein Durchschnittsarbeitnehmer mit 25 Jahren ins Berufsleben eingestiegen ist und bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters (67 Jahre) gearbeitet hat. Zur Vereinfachung hat er 40 Jahre lang exakt das Durchschnitts-Jahreseinkommen erreicht und sich folglich genau 40 Rentenpunkte erarbeitet. Seine Rente würde in diesem Fall knapp 1.368 EUR betragen.

Dieb Byerische Ratgeber Gesetzliche Rente Rechenbeispiel

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Steigendes Renteneintrittsalter als Nachteil des demographischen Wandels

Grundsätzlich gilt, dass man zunächst erstmal fünf Jahre lang versichert gewesen sein (oder eingezahlt haben) muss, um überhaupt eine Regelaltersrente zu erhalten. Allerdings werden hier etwa auch Kindererziehungszeiten und ein Teil des Studiums eingerechnet. Das ist ein wichtiger Aspekt für Selbständige, die vielleicht aufgrund einer Ausbildung oder eines Nebenjobs zu Schulzeiten bereits Beiträge geleistet haben, das aber nun nicht mehr tun. 

Denn: Werden die fünf Jahre nicht erreicht, gehen alle Ansprüche auf eine Regelaltersrente verloren! Für einen abschlagsfreien Rentenanspruch muss zudem das Renteneintrittsalter erreicht werden. Und das liegt aktuell bei…

  •  67 Jahren für alle ab Jahrgang 1964.
  • Für die Jahrgänge ab 1947 wird das Eintrittsalter jährlich einen Monat angehoben. Wer beispielsweise 1959 geboren wurde, kann daher auch noch abzugsfrei schon mit 66 Jahren in Rente gehen.

Jüngere Jahrgänge müssen wohl auch für die Zukunft damit rechnen, dass es zu weiteren Anhebungen des Renteneintrittsalters kommt. Denn der demographische Wandel ist anders wohl kaum zu kompensieren. Das ist übrigens gleich doppelt „blöd“ für die Betroffenen. Denn wer ein Jahr länger arbeiten muss, bezieht nicht nur ein Jahr weniger Bezüge. Man zahlt zugleich auch noch ein Jahr länger ein!

Die Auswirkungen auf das Rentensystem sind also selbst bei einer geringen Anhebung überproportional groß. Allerdings führen Fortschritte in der Medizin gleichzeitig dazu, dass Menschen im Durchschnitt älter werden und auch länger belastbar sind. Auch dieser Umstand wird deshalb bei der kontinuierlichen Anhebung des Renteneintrittsalters berücksichtigt. Der berufliche Ruhestand ist also ein langfristiges Ziel, das speziell für jüngere Generationen zunehmend weiter in die Ferne rückt.
 

Gut zu wissen:

Durch Pflichtbeiträge aus einem Nebenjob und freiwillige Beiträge während der Schulzeit oder des Studiums baut man bereits rentensteigernde Ansprüche auf und kann damit früher abschlagsfrei in Rente gehen.
 

Minijobs und Rentenpunkte: Frühes Match für Schüler & Studenten

Zwar führt der niedrige Verdienst im Studium oder während der Schulzeit nur zu einem überschaubaren Zuwachs an Renten- und Entgeltpunkten. Doch: Dafür wird jeder Monat für den Einzahlungszeitraum vollumfänglich berücksichtigt. Wer erst nach Erreichen des 25. Lebensjahres ins Berufsleben eintritt und dennoch mit 65 Jahren abzugsfrei in Rente gehen möchte, sollte sich folglich um eine (kleinere) sozialversicherungspflichtige Beschäftigung parallel zum Studium oder sogar schon in der Schulzeit bemühen.

Ein Beitragsjahr resultiert nämlich aus den einzelnen Monaten, in denen entsprechende Rentenzahlungen geleistet wurden. Es ist nicht entscheidend, ob die Monate in jungen Jahren oder erst kurz vor Renteneintritt absolviert wurden. Ein Rentenbezug vor Erreichen des Renteneintrittsalters ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Zunächst müssen mindestens 35 Beitragsjahre erreicht werden. Darüber hinaus wird für jedes Jahr vor dem regulärem Renteneintritt ein Rentenabzug in Höhe von 3,6 Prozent berechnet. Eine angesparte Rente von 1.000 Euro würde also bei einem um zwei Jahre vorgezogenen Renteneintritt nicht nur frühzeitig stagnieren, sondern sich sogar auf 929 € reduzieren!
 

Die Bayerische Experten-Tipp:

Eine kleine „Abkürzung“ gibt es für besonders langjährig Versicherte: Denn wurde mindestens 45 Jahre lang eingezahlt, sinkt das Renteneintrittsalter um zwei Jahre. Anstatt beispielsweise erst mit 67 Jahren in Rente zu gehen, darf man dann bereits mit 65 Jahren seinen Lebensabend genießen. Selbst ein geringer Nebenverdienst im Studium oder das Austragen von Zeitungen als Teenager kann sich auch deshalb später einmal auszahlen!

Was müssen Schüler und Studenten für das Sammeln von Rentenpunkten beachten?

Wer als Schüler oder im Studium einem Minijob nachgeht, sollte bereits langfristig „Richtung Rente“ denken – und das auch bei Tätigkeiten wie Kellern oder Zeitungsaustragen. Wer dabei die 450-Euro-Grenze überschreitet, zahlt Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Wer weniger verdient, kann sich freiwillig dafür entscheiden. 

Da besonders in jungen Jahren jeder Euro mehr schön zu haben ist, lassen sich viele von einer Einzahlung in die Rentenkasse befreien. Weil hierdurch aber Versicherungszeiten verlorengehen, sollte das gut überlegt sein. Denn: Es sind nur 3,6 Prozent, die man selbst an die Rentenkasse abführt, während der Arbeitgeber pauschal 15 Prozent „löhnt“.

Für diese monatlich bei einem 450-Euro-Job eingesparten 16,20 Euro bekommt man dann im Alter je nach Bundesland zwischen 4,45 und 4,62 Euro mehr Altersrente raus, wohlgemerkt: pro Jahr des Nebenjobs!

Klingt zwar erstmal nicht nach einem tollen Deal, hat aber einen großen Vorteil. Denn: Wenn der Schüler oder Student eben dasselbe Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, bringt ihm das ein ganz normales Versicherungsjahr ein. Egal, wie hoch der Verdienst war. Und das ist wichtig, da man für die abschlagsfreie Rente mindestens 35 Jahre Beitragszeit braucht. Alles andere bedeutet eine Kürzung der Bezüge oder Arbeit bis ins 67ste (oder gar das 70ste) statt bis zum 65sten Lebensjahr.

Gerade Langzeitstudenten sollten das beachten. Selbst dann, wenn das Renteneintrittsalter oder die Beitragszeit noch weiter hochgesetzt werden, kann das helfen. Denn die bereits geleisteten Beitragsjahre kann Ihnen ja keiner mehr nehmen! 

Unser Tipp: Auch Schüler oder Studenten sollten beim nächsten Arbeitsvertrag einfach die Option wählen, freiwillige Beiträge an die Rentenkasse abzuführen!