Ratgeber
Wie entfernt man ein Wespennest?
Wespen können eine wahre Plage sein. Wie Sie ein Wespennest entfernen und korrekt gegen die Insekten vorgehen, erfahren Sie heute bei uns.
Kurz zusammengefasst
- Wespen stehen unter Naturschutz: Wer ein Wespennest entfernen oder umsiedeln möchte, braucht dafür eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde. Bei unerlaubter Entfernung drohen je nach Bundesland Bußgelder von bis zu 50.000 EUR.
- Umsiedlung ist die bessere Wahl: Professionelle Kammerjäger, Imker oder Naturschutzorganisationen können das Nest schonend umsetzen. Die Kosten liegen je nach Zugänglichkeit bei etwa 50 bis 250 EUR.
- Richtiger Zeitpunkt entscheidet: Bis Ende April befindet sich das Nest noch im Aufbau, ab Herbst ist es unbewohnt. Wer einen dieser Zeiträume abwartet, hat es deutlich leichter.
- Koexistenz ist oft möglich: Ein einfacher Sichtschutz in etwa zehn Zentimetern Abstand zum Nest kann bereits helfen, Konflikte zu vermeiden. Wespen bestäuben außerdem Blüten und sind damit nützlicher, als viele denken.
Wespennest entfernen: So gehen Sie richtig vor
Morgens um neun – und schon 25 Grad Celsius?! Während Ihre Kollegen fluchend versuchen, eine intakte Internetverbindung herzustellen, schlürfen Sie Ihren Latte Macchiato bereits grinsend in der Sonne. So ein ausgedehntes Frühstück auf dem eigenen Balkon hat sich schließlich nie mehr angeboten als im mittlerweile gesellschaftsfähigen Homeoffice.
Doch die Freude währt nicht lange, wenn es auch die kleinen gelbschwarzen Nervensägen (hierzulande auch bekannt als Wespen) mal wieder kaum erwarten können, einen schmissigen Cha-Cha-Cha auf dem gerade geschmierten Erdbeermarmeladentoast hinzulegen.
Spätestens bei einem Dutzend Wespen, die summend und brummend um das private Terrassen-Frühstücksbuffet kreisen, werden wohl die meisten von uns misstrauisch… und denken womöglich schon an den Kammerjäger. Übrigens gar keine schlechte Idee – vor allem dann, wenn Sie auch noch ein etwa fußballgroßes, graubräunliches Gebilde an Ihrer Hauswand oder anderswo im Garten entdecken sollten. Denn dabei handelt es sich vermutlich um ein Wespennest.
Doch keine Sorge! Das ist natürlich noch lange kein Grund, in Panik auszubrechen. Tatsächlich gibt es einiges, was Sie dagegen tun können. Wie Sie das Wespennest mitsamt seinen Bewohnern legal loswerden, erklären wir in diesem Ratgeber.
Erster Versuch: Umsiedeln des Wespennests
Erst einmal entdeckt, können viele vermutlich nur noch an eines denken: Das Wespennest muss weg – wahrscheinlich mit Gewalt. Dass das aber nicht zwingend nötig ist, wissen leider nur die wenigsten. Tatsächlich gibt es eine Alternative, die nicht nur insektenfreundlicher, sondern auch noch deutlich attraktiver für Ihren Geldbeutel ist: Das Umsiedeln des Wespenvolkes mitsamt Nest und Volk.
Hierbei sollten Sie jedoch keinesfalls Ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und die Umsiedlung selbstständig durchführen. Besser sind Sie mit einem Experten beraten. Denn Wespen können, gerade wenn es viele sind, durch Ihre Stiche nicht nur für Allergiker gefährlich werden. Wenden Sie sich daher am besten an eine Fachperson, die sich damit auskennt. Ansprechpartner sind Firmen für Schädlingsbekämpfung sowie Imkerinnen und Imker. Die Kosten für eine Umsiedlung liegen je nach Zugänglich- und Erreichbarkeit des Nests zwischen 150 und 250 EUR (Quelle: my-hammer.de).
Doch nicht nur die fehlende Schutzkleidung gegen Wespenstiche und der Naturschutz sind ein Argument für das Beauftragen eines fachkundigen Wespennestentferners. Wird der Vorgang von Laien durchgeführt, sterben häufig auch zu viele Arbeiterinnen. Oder das Nest wird sogar komplett zerstört. Die Folge: Das gesamte Wespenvolk geht ein. Damit wären nicht nur all Ihre Bemühungen umsonst gewesen, sondern Sie hätten zusätzlich auch noch circa 3.000 Wespenleichen auf dem Gewissen. Kein angenehmer Gedanke? Das haben wir uns gedacht. Lassen Sie also doch besser den Profi ran, denn die vermeintlichen Plagegeister haben auch nützliche Eigenschaften.
Wie läuft eine professionelle Wespennest-Umsiedelung ab?
Während der Umsiedlung werden die im Nest verbliebenen Arbeiterinnen durch den Wespenexperten eingefangen. Das kann je nach Größe des Wespenvolkes etwa 20 bis 30 Minuten dauern. Genauso lange dauert es nämlich, bis die aktuell ausgeflogenen Wespen mit Futter oder Nistmaterial im Gepäck ihren Weg zurück zu ihrer Behausung gefunden haben. Anschließend werden die übrigen herumfliegenden Tiere mit einem speziellen Sauger gefangen und das Nest mit der geringstmöglichen Beschädigung geborgen.
Sobald das geschafft ist, wird das Wespenvolk mitsamt seinem Haus durch den Experten oder die Expertin Ihres Vertrauens an einen neuen Standort gebracht. Der muss jedoch mindestens vier Kilometer vom alten Nistplatz entfernt liegen. Andernfalls wäre Ihre gerade erst zurückgewonnene Freiheit ohne die lästigen Wespen vermutlich nur von kurzer Dauer, denn manchmal finden die Tierchen – auch wenn sie umgesiedelt werden – den Weg zu Ihnen zurück und beginnen erneut mit dem Nestbau.
Gut zu wissen:
Wenn Sie als Mieter ein Wespennest am Haus oder auf dem Balkon entdecken, können Sie kurz aufatmen. Denn es gehört zu den Pflichten Ihres Vermieters, für die Kosten der Beseitigung aufzukommen.
Wespennest im Dach entfernen: Was kostet es und wie läuft es ab?
Sie haben ein Wespennest im Dachstuhl entdeckt? Dann ist schnelles, aber überlegtes Handeln gefragt. Wespen stehen in Deutschland unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 39 BNatSchG). Auch aus dem Dachstuhl dürfen Sie ein Nest also nicht einfach selbst beseitigen. Besonders geschützte Arten wie Hornissen oder die Sächsische Wespe erfordern eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde. Verstöße können je nach Bundesland mit Bußgeldern von bis zu 50.000 EUR geahndet werden.
Wenden Sie sich daher an einen zertifizierten Kammerjäger oder einen Imker. Nach einer Artbestimmung entscheidet der Fachbetrieb, ob eine Umsiedlung oder eine Bekämpfung notwendig ist. Bei einer Umsiedlung saugt der Experte die Arbeiterinnen behutsam mit einem speziellen Sauger ein, entfernt das Nest samt Königin und setzt das Volk an einem mindestens vier Kilometer entfernten Ort wieder aus.
Die Kosten liegen im Dachstuhl meist zwischen 150 und 350 EUR. Ausschlaggebend sind Zugänglichkeit, Höhe und Größe des Nests. Wochenend- oder Notfalleinsätze kosten extra.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Entfernen des Nests?
So ein Wespenvolk ist (natürlich) nicht das ganze Jahr über gleich groß. So befinden sich die meisten Wespennester bis Ende April meist noch in der Bauphase und ab Herbst sind sie dann wieder gänzlich unbewohnt. Wenn möglich, sollten Sie unbedingt einen dieser beiden Zeitpunkte abpassen, um die Störenfriede wieder loszuwerden.
Bedenkt man jedoch das aggressive Verhalten einiger Wespenarten, sind vermutlich die wenigsten unter Ihnen erpicht darauf, länger als unbedingt nötig Garten, Terrasse oder Balkon mit den gefährlichen Brummern zu teilen. Verständlich.
Allerdings können Mensch und Insekt trotzdem häufig auch in friedlicher Koexistenz den Sommer verbringen. Helfen kann dabei nämlich schon ein einfacher „Trick“. Denn oft haben die Wespen tatsächlich ähnlich viel Angst vor Ihnen, wie Sie vor den schwarz-gelben Plagegeistern. Die Lösung: Ein Sichtschutz kann mitunter bereits ausreichend Abhilfe schaffen. Hängen Sie dafür einfach ein altes Bettlaken oder wahlweise auch ein Brett in ca. zehn Zentimetern Entfernung zum Nest auf. Die Wespen erkennen dann die menschlichen Bewegungen nicht mehr - und fühlen sich mit etwas Glück auch nicht mehr von Ihnen und Ihren Lieben bedroht.
Wir meinen: Auf einen Versuch sollte man es ankommen lassen. Hat das Täuschungsmanöver nicht den gewünschten Effekt, bleiben immer noch die Möglichkeiten einer Umsiedlung oder – und das bitte wirklich nur dann, wenn es gar nicht anders geht – die Zerstörung des Wespennests.
Muss ein Wespennest unbedingt entfernt werden?
Welche der genannten Strategien tatsächlich für Sie infrage kommt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Letztlich sollte man sich jedoch immer fragen, ob die endgültige Entfernung des Wespennests unbedingt nötig ist. Wer kein Problem sieht, muss das Wespennest nicht unbedingt entfernen. Denn was die wenigsten wissen: Genauso wie Bienen oder Hornissen tragen auch Wespen zur Bestäubung vieler Blüten und somit zu einer reichen Obsternte bei.