Vorsicht Zecken: Abwehrmittel für Hund und Halter im Check

Sonnenschein, blühende Natur und tolle Temperaturen – der Frühling schafft die perfekten Bedingungen für ausgedehnte Spaziergänge mit dem Vierbeiner. Wer mit seinem Hund durch Wiesen und Wälder wandern möchte, sollte sich jedoch spätestens ab den ersten warmen Wochen des Jahres wirklich in Acht nehmen. Frühlings- und Sommerzeit bedeutet nämlich immer leider auch Zeckenzeit!

Obwohl die Spinnentiere oft kaum die Größe einer Stecknadel überschreiten, können sie sowohl Hund als auch Herrchen gefährlich werden. Der Grund: Zecken landen in Windeseile auf der Haut und übertragen dort womöglich lebensbedrohliche Krankheiten. Während sich Mensch und Tier so mit Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) infizieren können, kommen bei den Vierbeinern weitere gefährliche Erkrankungen nach einem Zeckenbiss in Frage: Für Hunde besteht nämlich zusätzlich die Gefahr einer Infektion mit Anaplasmose oder Babesiose, auch Hundemalaria genannt.

Die Gefahr der Zeckenbisse ist weithin bekannt, weshalb auch die Zahl der Anti-Zeckenmittel heute schier unendlich erscheint. Von chemischen Abwehrmitteln bis hin zu alternativen Hilfs- oder Hausmitteln werden verschiedenste Lösungen angeboten. Doch Vorsicht: Nicht jeder Zeckenschutz hält tatsächlich, was man sich davon verspricht. Damit Sie Ihre ausgedehnten Spaziergänge weiter sorglos genießen können, zeigen wir Ihnen, was wirklich hilft!
 

Fakten über Zecken, die Sie kennen müssen, um Stichen vorzubeugen!

Wo lauern die meisten Zecken? Gibt es regionale Unterschiede? Und wann sollte man sich besonders vor den kleinen Parasiten in Acht nehmen? Die folgenden Zecken-Fakten sollte (nicht nur) Hundebesitzer unbedingt kennen:

 

  1. Eine einheitliche Zecken-Saison gibt es nicht. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Zecken ab einer Temperatur von 10 Grad Celsius munter werden. Besondere Vorsicht ist in unseren Breitengeraden deshalb von Frühling bis Herbst geboten.
  2.  Zwar droht ein Zeckenbiss überall in Deutschland, einem besonderen Risiko ist man jedoch in Süddeutschland ausgesetzt. Eine Karte mit den aktuellen FSME-Risikogebieten gibt es beispielsweise auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts
  3. Die meisten Zecken lauern im hohen Gras, Unterholz und Gebüsch sowie in Wäldern. Deshalb sollten Sie hier besonders auf hautbedeckende, lange Kleidung achten und auch gerne lange Socken tragen. Das macht es den Zecken schwerer, an Ihre (blanke) Haut zu kommen.
  4. Zecken setzen sich am liebsten an dünner Haut fest. Suchen Sie gerade nach einem Aufenthalt in der freien Natur deshalb besonders in den Kniekehlen und Armbeugen, dem Nacken, dem Leistenbereich sowie auf der Kopfhaut nach den Tierchen. Bei Haustieren sitzen Zecken besonders oft hinter den Ohren, am Nacken sowie auf der Innenseite der Beine.
  5. Bis eine Zecke beißt, können mehrere Stunden vergehen. Suchen Sie sich selbst und ihren tierischen Liebling deshalb nach jedem Spaziergang sofort auf die kleinen Parasiten ab, auch wenn gerade bei langem Fell Zecken oft nur schwer zu finden sind. Entdecken Sie die Tierchen schnell genug, können Sie eine drohende Infektion mit Krankheitserregern verhindern.
  6.  Aber: Nicht jede Zecke trägt Bakterien oder Viren in sich. So sind durchschnittlich etwa 25 Prozent der Zecken in Deutschland mit dem Bakterium, das zu Borreliose führen kann, infiziert. Hinzu kommt, dass Ihnen oder Ihrem Haustier nicht bei jedem Biss einer infizierten Zecke auch automatisch eine Erkrankung droht. Trotzdem: Vorsicht ist natürlich besser als Nachsicht!
  7. Haben Sie drei bis zehn Tage nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome, Fieber, Kopfschmerzen oder einen roten Fleck (!) rund um die Einstichstelle, sollten Sie unbedingt einen Arzt konsultieren. Denn dann kann es sein, dass Sie an einer durch Zecken übertragen Krankheit leiden.

(Natürliche) Zeckenmittel für den Mensch: Welche schützen, welche nicht?

#1 Hilft eine Impfung gegen Zecken?

Eine Impfung bewahrt Sie zwar nicht vor dem Zeckenbiss selbst. Indem sie vor Infektionen mit FSME-Viren schützt, kann die Impfung jedoch einigen gefährlichen Folgen des Bisses wirksam vorbeugen. Schließlich können die Viren für Schäden am zentralen Nervensystem sorgen und Ihre Gesundheit somit langfristig beeinträchtigen.

Die Zeckenimpfung lohnt sich deshalb nicht nur für Hundebesitzer. Gerade weil der Impfstoff so gut verträglich ist, sollte jeder Naturliebhaber darüber nachdenken. Ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt kann Ihnen Klarheit verschaffen. Übrigens: Vor allem in südlichen Bundesländern übernimmt womöglich sogar die Krankenkasse die Kosten einer Impfung gegen FSME. Denn vor allem Süddeutschland gilt ja als Risikogebiet, hier gibt es das häufigste Auftreten von Erkrankungen durch Zecken. 

Doch Vorsicht: Eine Ansteckung mit Borreliose kann auch eine Impfung nicht verhindern! Da es sich hierbei um einen bakteriellen Infekt handelt, lässt sich die Erkrankung – rechtzeitig erkannt – jedoch in der Regel erfolgreich mit Antibiotika behandeln.
 

#2 Wie viel hilft Zeckenspray?

Auch Zeckensprays sind ein beliebtes Mittel im Kampf gegen die lästigen Tierchen – und zeigen dabei oft richtig gute Wirkung: In einer Untersuchung der Stiftung Wartentest konnten viele Sprays bis zu sechs Stunden vor Zeckenbissen schützen. Wer die Mittel gezielt aufträgt – etwa vor einem Spaziergang oder einer Wanderung – ist für die nächsten Stunden also erstmal (sehr wahrscheinlich) auf der sicheren Seite.

Sollten Sie besonders sensible Haut haben oder anfällig für Allergien sein, ist bei manchen Sprays allerdings eher Vorsicht geboten. Einige Mittel sorgten im Test nämlich für Reizungen oder allergische Reaktionen. Welches Spray laut dem Verbrauchermagazin am besten gegen die Blutsauger hilft, lesen Sie im zugehörigen Zeckenspray-Test.
 

#3 Hilft Knoblauch gegen Zecken?

Knoblauch wird in Kinderbüchern oft als Abwehrmittel gegen Vampire gehandelt. In der Realität sollen die weißen Knollen aber zumindest bei den kleinen, spinnenartigen Blutsaugern für Abhilfe schaffen. Tatsächlich zeigte eine Studie der Lund Universität in Malmö, dass Personen, die vermehrt Knoblauch zu sich nehmen, weniger von Zeckenstichen geplagt sind. Zurückzuführen sei dieser Umstand wohl auf die enthaltenen ätherischen Öle, mutmaßten die Forscher. Denn die könnten womöglich gerade Zeckenarten wie den Gemeinen Holzbock vertreiben. Ganz sicher ist das allerdings nicht.

Gut zu wissen:

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(Natürliche) Zeckenmittel für den Hund – was hilft und was nicht?

#1 Hilft eine Impfung gegen Zecken?

Nicht nur Herrchen, sondern auch Haustiere können durch eine Impfung vor den Folgen eines Zeckenbisses geschützt werden. Allerdings beschränkt sich die Impfung hierbei auf den Schutz vor Borreliose-Bakterien. Denn die können bei ihrem tierischen Liebling akute und chronische Gelenkbeschwerden sowie Fieber auslösen, weshalb eine Impfung durchaus sinnvoll sein kann.

Die Impffrage sollten Sie jedoch gemeinsam mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens klären. Ob die Zeckenimpfung für Ihren Hund in Frage kommt, hängt nämlich immer auch von dessen Gesundheitszustand ab.
 

#2 Helfen Halsbänder gegen Zecken?

Während eine Impfung erst im Nachhinein vor gefährlichen Folgen eines Zeckenbisses schützt, sollen verschiedene Halsbänder die Zecke daran hindern, sich überhaupt erst in der Haut des Tieres festzubeißen. Die enthalten in der Regel allerdings chemische Stoffe, die bei den Parasiten für Koordinationsstörungen oder andere Reaktionen sorgen sollen.

Bei den synthetischen Halsbändern ist deshalb leider wieder Vorsicht geboten. Denn bei sensiblen Hunden sind allergische Reaktionen oder Ausschläge deshalb nicht immer auszuschließen.

Ebenso ungeeignet sind die Halsbänder übrigens für alle Wasserratten unter den Hunden. Denn die chemischen Stoffe des Halsbands schaden dem Gleichgewicht vieler Gewässer!
 

#3 Helfen Spot-on-Mittel und Tabletten gegen Zecken?

Auch bei Spot-on-Mitteln und Tabletten handelt es sich um chemische Präparate zur Zeckenabwehr. Während Spot-on-Produkte auf den Nacken der Hunde geträufelt werden, wirken die zeckenfeindlichen Inhaltsstoffe bei Tabletten von innen heraus.

Auch hier gilt jedoch: Die chemischen Mittel bieten zwar einen durchaus wirksamen Schutz vor Zecken, können dem Hund im Zweifelsfall aber potenziell auch schaden. Das ist insbesondere der Fall, wenn Ihr tierischer Liebling unter Stoffwechselstörungen oder Allergien leidet. Klären Sie die Nutzung deshalb unbedingt zuvor mit Ihrem Tierarzt ab!
 

#4 Hilft Knoblauch denn wenigstens bei Hunden gegen Zecken?

Als natürliches Anti-Zeckenmittel kann Knoblauch bei Menschen manchmal hilfreich sein. Das hatten wir ja gerade schon. Kein Wunder also, dass einige Hundebesitzer auch bei Ihren Vierbeinern auf die Abwehrkraft der Wirkstoffe in den weißen Knollen schwören.

Doch Vorsicht: In größeren Mengen sind Lauchgewächse – also auch Knoblauch und Zwiebeln – für Hunde giftig. Frisst ein Hund hiervon zu viel, kann im schlimmsten Fall eine Blutarmut die Folge sein. Um kein Risiko einzugehen, sollten Sie deshalb bei der Zeckenabwehr auf Knoblauch verzichten!
 

#5 Hilft dann vielleicht Kokosöl gegen Zecken?

Als harmloseres und natürliches Anti-Zeckenmittel zeigt sich das Kokosöl. Hier soll der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren, insbesondere Laurinsäure, abschreckend auf die kleinen Parasiten wirken.

Bewiesen ist die Anti-Zecken-Wirkung des Kokosöls zwar ebenfalls (noch) nicht eindeutig. Als ein natürliches Extra gegen Zecken kann das Öl Ihrem Hund jedoch in der Regel auch nicht schaden. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Der Duft und Geschmack des Kokosöls gefällt vielen Fellnasen sehr gut. Deshalb können Sie das Öl auf zwei Arten verwenden:

  • Reiben Sie Ihren Hund hinter den Ohren, am Nacken und auf den Innenseiten der Beine mit dem Öl ein.
  •  Zusätzlich können Sie Ihrem Liebling eine kleine Menge des Öls täglich unter das Futter mischen oder zwischendurch als Belohnung anbieten.

Trotzdem gilt leider auch in diesem Fall: Ätherische Öle als Hausmittel gegen Zeckenbisse sind leider nicht so effektiv, wie man es sich vielleicht wünschen würde.
 

#6 Helfen Bernsteinketten gegen Zecken?

Die Bernsteinkette bildet das natürliche Pendant zu den chemischen Zecken-Halsbändern – jedenfalls angeblich. Ob die goldenen Steinchen wirklich gegen die Parasiten helfen, ist nämlich höchst umstritten. Ihre Wirkung soll sich auf zwei verschiedene Weisen entfalten: 

  • Die Kette soll sich durch die Reibung am Hundefell elektrostatisch aufladen, wodurch die kleinen Parasiten abgeschreckt werden sollen.
  • Zusätzlich soll der Geruch der Bernsteinkette Zecken verschrecken. Naja.

Wie gesagt: Wissenschaftlich bewiesen ist die Anti-Zecken-Wirkung der schmucken Ketten aus versteinertem Baumharz leider nicht. Dafür bergen aber auch Sie oft eine weitere Gefahr: Beim Rumtollen oder Spielen mit anderen Hunden können die dünnen Ketten nämlich leicht reißen. Verwechselt Ihr Vierbeiner die kleinen Steinchen dann mit einem schmackhaften Leckerli, ist der nächste Gang zum Tierarzt womöglich vorprogrammiert. 

Und: Trotz der Bernsteinkette wird hier Hund leider wohl gebissen werden. Nach einem Aufenthalt im Wald oder einer Wiese müssen Sie also weiterhin nach Zecken absuchen.
 

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Fazit: Das hilft Mensch und Hund wirklich gegen Zecken!

Bei Hund und Halter gilt gleichermaßen: Leider bieten bisher nur chemische Mittel und Impfungen einen nachweislichen Schutz gegen die kleinen Parasiten und all die Erreger, die sie auf Ihren Wirt – ganz gleich ob Mensch oder Tier – übertragen können. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten natürliche Alternativen deshalb nur als schützendes Extra verwendet werden. Tatsächlich am besten helfen übrigens die chemischen Sprays. Dazu sollte nach jedem Spaziergang aktiv nach den Blutsaugern gesucht werden, um sie rechtzeitig entfernen zu können.

Welche Zeckenabwehr sich für Sie oder Ihren Vierbeiner eignet, kann zudem von individuellen Faktoren – etwa Allergien oder anderen Krankheiten - abhängen. Halten Sie deshalb immer Rücksprache mit Ihrem Arzt (oder Tierarzt). Oder noch besser: Lassen Sie sich einfach nicht beißen!