Private Pflegeversicherung: Diese Varianten gibt es

Private Vorsorge ist heute in vielen Bereichen notwendig. Das bekannteste Beispiel ist die pri-vate Altersvorsorge – denn die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung reichen für den gewohnten Lebensstandard im Alter häufig nicht mehr aus. Doch auch der Bereich der Pflege ist inzwischen von einer gesetzlichen Unterversicherung und der sogenannten Pflegelücke betroffen. Damit steht fest: Auch wenn viele Menschen über das Thema nicht gerne sprechen – man sollte sich damit befassen! Denn wer sich frühzeitig um eine entspre-chende Pflegeversicherung kümmert, entlastet im Fall der Fälle nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch die eigenen Angehörigen.

Die Pflege-Lücke wird größer: Brauchen Sie eine private Pflegezusatzversicherung?

Aktuell gibt es in Deutschland 3,41 Millionen Pflegebedürftige. Doch nicht nur aufgrund des demographischen Wandels und der alternden Baby Boomer-Generation wird die Zahl weiter ansteigen. Auch der medizinische Fortschritt nimmt zu - und damit nicht nur die allgemeine Lebenserwartung, sondern auch der Zeitraum, über den die Menschen Pflegeleistungen beziehen.

Das stellt das Pflegesystem vor große finanzielle Herausforderungen: Die Frage nach ausreichender, angemessener Pflege wird sich daher in Zukunft immer mehr zu einem bestimmenden Thema der gesellschaftlichen Debatte entwickeln – und laut verschiedenen Statistiken jeden zweiten Deutschen im Laufe seines Lebens direkt betreffen.

Wer sich im Alter oder im Falle einer früheren Pflegebedürftigkeit der Sorge entledigen will, sollte daher mit einer privaten Pflegeversicherung vorsorgen. Und das sagen wir jetzt nicht, um gleich im nächsten Zug auf die privaten Pflegeversicherungs-Produkte der Bayerischen hinzuweisen. Jedenfalls nicht nur. Stattdessen zeigen wir Ihnen in den folgenden Zeilen, wann eine Pflegeergänzungsversicherung überhaupt sinnvoll ist, wer sie abschließen sollte – und welche verschiedenen Absicherungs- und Vertragsformen es überhaupt gibt.

Gut zu wissen:

Eine gute Nachricht haben wir gleich schon vorab: Laut einer aktuellen Untersuchung der deutschen Ratingagentur Assekurata aus dem Februar 2020 ist eine private Pflegergänzungsversicherung wesentlich günstiger, als die meisten Menschen erwarten. Klingt zwar an dieser Stelle verdächtig nach Werbung, ist aber trotzdem Fakt.

Spezielle Pflegezusatzversicherungen für jeden Bedarf? Ja, sowas gibt‘s!

Eine private Pflegeergänzungsversicherung schließt nicht nur die schon erwähnte finanzielle Lücke – sie schützt hierdurch auch Ihr privates Vermögen und ihr aufgebautes Eigentum.

Denn das Sozialamt übernimmt Ihren fälligen Pflege-Eigenanteil (das ist der – leider meist noch recht üppige – Restbetrag, der über die Leistungen der staatlichen Pflegeversicherung hinausgeht) nur dann, wenn das eigene Vermögen bereits aufgebraucht ist. Auch wenn immerhin durch eine Gesetzesänderung 2019 in den meisten Fällen das Vermögen Ihrer Kinder (besser) geschützt ist, gilt das somit nicht für Vermögenswerte wie etwa Ihr Wohneigentum.

Damit es im Notfall nicht bis zum Verkauf Ihres Eigentums kommen muss, gibt es zur staatlichen (Teil-)Pflegeversicherung passende Ergänzungen. Das schont Ihre finanziellen Rücklagen und optimiert gleichzeitig die staatlichen Pflegeleistungen.

Neben der Pflegetagegeldversicherung sind die Pflegekostenversicherung und die Pflegerentenversicherung die bekanntesten Möglichkeiten für Ihre private Vorsorge. Alle drei stellen wir Ihnen gerne vor. Die Beitragshöhe jedes Versicherungsnehmers wird dabei jeweils mit festgelegten Gesundheitsfragen individuell bestimmt.

Gut zu wissen:

Eine private Versicherung zur Pflegeergänzung ist die beste Möglichkeit, die drohende finanzielle Pflege-Lücke zu schließen. Das ist in vielen Fällen wichtig, denn die Kosten dieser Lücke fallen häufig ziemlich heftig aus. Im Bundesdurchschnitt, so Assekurata, betragen die monatlichen Zusatzkosten für einen Pflegebedürftigen im Pflegeheim erschreckende 1.959 Euro.

Private Pflege-Tagegeldversicherung: Aufstockung um einen festen, frei verfügbaren Betrag

Die wichtigste und wohl meistgewählte Form in der privaten Pflegeergänzung, ist die Pflegetagegeldversicherung. Beim Pflegetagegeld vereinbaren Sie mit Ihrer Versicherung individuell einen festen Tagessatz zur monatlichen Auszahlung. Der wird Ihnen im Falle einer attestierten Pflegebedürftigkeit und dazugehöriger Pflegestufen garantiert ausgezahlt. Die Höhe des Tagesbetrages hängt dabei vom Grad Ihrer Pflegebedürftigkeit und der bei Abschluss vereinbarten Auszahlung ab.

Vorteile einer Pflegetagegeldversicherung sind etwa, dass Sie das Geld der Versicherung frei verwenden können. Damit treffen Sie selbst die Wahl, ob Sie zu Hause ambulant oder in einem Pflegeheim stationär versorgt werden wollen. Denn durch den vereinbarten Betrag besteht für Sie auch die Möglichkeit, eine professionelle Haushaltshilfe oder einen Lebensmittel-Bringdienst für die eigenen vier Wände zu engagieren. Sie könnten sogar ohne Probleme Ihre Nachbarin für Hilfeleistungen hinzuziehen. Die fehlende Zweckbindung ermöglicht Ihnen diese Freiheit.

Den vereinbarten Betrag der Pflegetagegeldversicherung erhalten Sie zudem unabhängig von den tatsächlichen Kosten Ihrer Pflegeaufwendungen. Bleibt Ihnen also Geld über, steht Ihnen das zur weiteren Verwendung frei. Die unkomplizierte Flexibilität macht die Pflegetagegeldversicherung daher zur wichtigsten Möglichkeit privater Pflegeergänzung. Zu beachten gibt es nur, den auszuzahlenden Betrag in angemessener Höhe zu wählen. Geschickt ist es gleichfalls, wenn Sie eine dynamische Versicherungssumme auswählen: Die Pflegegelder sollten etwa alle drei Jahre um gute zehn Prozent erhöht werden. Das schützt Sie vor der Inflation oder anderweitig steigenden Kosten, etwa beim Pflegepersonal.  

Für einige Pflegetagegeldversicherungen erhalten Sie teilweise sogar staatliche Zusatzleistungen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Pflegeergänzung. Der Zuschuss beträgt fünf Euro im Monat und heißt „Pflege-Bahr“ – übrigens benannt nach Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr. Um die Förderung müssen Sie sich nicht einmal selbst kümmern: Das übernimmt im Falle eines Anspruchs die Versicherung - sofern diese eine Pflegetagegeldversicherung mit der staatlichen Förderung anbietet. 

Ein wichtiger Hinweis: „Pflege-Bahr“-Tarife stehen jedem Versicherungswilligen ohne Gesundheitsprüfung offen, auch mit Vorerkrankungen. Sie lohnen sich deshalb für gewöhnlich nur, wenn Sie bereits unter akuten oder chronischen Erkrankungen leiden und keine andere Pflegeversicherung mehr abschließen können. Für alle andere (gesunde) Versicherungswillige bringt das dagegen eher Nachteile: Etwa, dass sie Pflege-Leistungen meist erst nach fünf Jahren in Anspruch nehmen dürfen und Ihre Beiträge zukünftig wohl stärker ansteigen. Eine Pflegetagesgeldversicherung ohne den Pflege-Bahr ist daher für Gesunde in der Regel sinnvoller.

Private Pflege-Kostenversicherung: Günstiger, aber nicht unbedingt besser

Ebenfalls bekannt ist die Pflegekostenversicherung. Sie können dabei zwischen unterschiedlichen Formen wählen. Zu beachten gilt allerdings bei beiden, dass die Pflegekostenversicherung Ihnen nur professionelle Pflegeleistungen durch anerkannte Dienstleister aufstockt. Sie zahlt also nur, wenn tatsächlich direkte Pflegekosten anfallen.  

  • Variante 1 Verdoppelung des gesetzlichen Pflegebetrags: Bei dieser Variante legt die private Pflegekostenversicherung den gesetzlichen Pflegebetrag einfach nochmal oben drauf. Das Problem: Es gibt immer wieder Fälle, bei denen das nicht ausreicht. Dafür müssen Sie in der Regel aber keine Rechnungen und Belege einreichen, um Ihre tatsächlichen Kosten nachzuweisen.
  • Variante 2 Übernahme von Zuzahlungen zu den gesetzlichen Leistungen: Entscheiden Sie sich für diese Möglichkeit, müssen Sie die Kosten für die Pflege zwar nachweisen. Die Pflegekostenversicherung übernimmt dann aber auch den Betrag, der von der gesetzlichen Pflege nicht abgedeckt wird. Mit anderen Worten: Die private Zu-satzversicherung übernimmt die Zuzahlung zu den gesetzlichen Leistungen, die Sie ansonsten selbst tragen müssten.

Private Pflege-Rentenversicherung: Eine Rente speziell für die Pflege

Die Pflegerentenversicherung ist eher unbekannt und wird daher vergleichsweise selten gewählt. Sichern Sie sich mit diesem Tarif vor hohen Pflegekosten ab, erhalten Sie durch Ihre Versicherung:

  • im attestierten Pflegefall eine lebenslange monatliche Rentenzahlung
  • Bei Kündigung (oder im Todesfall an Verwandte) eine Kapitalleistung in Höhe des Rückkaufswertes

Die Zahlung können Sie wie bei der Pflegetagegeldversicherung individuell festlegen. Die Höhe der Leistungen richtet sich ebenfalls nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Ihnen steht auch bei einer Pflegerentenversicherung wieder frei, zu Hause oder in einem Pflegeheim betreut zu werden. An der Höhe der Rentenauszahlung zur Pflege wird das nichts ändern.

Doch auch hier wieder der Hinweis auf ein kleines Manko: Im Vergleich zu einer Pflegetagegeldversicherung sind die Beiträge meist etwas höher, da mit ihnen gleichzeitig Kapital angespart wird.

Gut zu wissen: Pflegegrad möglichst niedrig festlegen

Die Pflegerentenversicherung klingt spannend? Ist Sie auch! Vergewissern Sie sich aber vor Abschluss, dass der für eine Auszahlung im Pflegefall benötigte (Mindest-)Pflegegrad nicht zu hoch angesetzt ist!

Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Pflegezusatzversicherungen haben wir noch einmal in einer übersichtlichen Tabelle für Sie zusammengefasst:

Diebayerische Ratgeber Pflegeversicherung Grafik

Wer sollte eine Pflegeergänzungsversicherung abschließen?

Sie sehen, die freiwillige Pflegeergänzung bietet Ihnen im Falle eines Pflegebedarfs wertvolle Vorteile. Denn auch im Alter oder anderweitiger Pflegebedürftigkeit wollen Sie sich wohlfühlen – und möglichst selbst entscheiden, wohin die Pflegereise geht.

Da der Pflegefall aber nicht nur eine Frage des Alters ist, sondern auch früher eintreten kann, ist es durchaus sinnvoll, sich zeitig damit zu beschäftigen. Denn nachträglich kann man eine Pflegezusatzversicherung leider nicht abschließen. Auch wer seiner Familie oder dem Lebenspartner im Pflegfall keine finanzielle Last sein will, sollte sich über ein konkretes Angebot informieren.

Der frühe Vogel fängt den Wurm: Die Pflegeergänzung ist in jungen Jahren günstiger

Eine der üblichen Versicherungs-Abschluss-Weisheiten greift auch hier: Je früher Sie den für Sie passenden Tarif finden, desto geringer fallen die monatlichen Beitragszahlungen aus. Sind Sie dagegen älter (beispielsweise um die 60 Jahre), kommen auf Sie nach Abschluss eines Tarifs schnell monatliche Kosten von deutlich über 100 Euro zu. Außerdem steigt mit zunehmendem Alter auch das Risiko schwerer chronischer Krankheiten. Das Problem: Sind Sie erstmal chronisch krank, macht das den Abschluss einer Pflegeversicherung in den meisten Fällen unmöglich – oder schlicht unbezahlbar.

Damit ist klar: Da die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, im Laufe des eigenen Lebens irgendwann Pflegeleistungen beanspruchen zu müssen, macht die Versicherung zur Pflegeergänzung grundsätzlich Sinn. Neben einer Haftpflichtversicherung, einer Berufsunfähigkeitsversicherung und der privaten Altersvorsorge ist sie daher immer einen Abschluss wert.
Zudem besteht die Möglichkeit, einen Teil der Beiträge für die Pflegezusatzversicherung steuerlich abzusetzen. Und das unabhängig von Ihrem Alter jedes Jahr.