Nachhaltiges Öko-Recycling: Was Sie über kompostieren in der Stadt mit Wurmkiste & Co. wissen müssen

Dank verpackungsfreien Lebensmitteln, dem Zero-Waste-Trend und der E-Mobilität ist das Thema „Nachhaltigkeit“ längst in unserem heimischen Alltag angekommen. In einigen Lebensbereichen halten sich ökologische Alternativen jedoch noch versteckt. Wie etwa beim Abfall, den wir tagtäglich produzieren.

Doch Reste des verarbeiteten Gemüses wie Kartoffelschalen, Kaffeesatz und andere Essensreste sind nicht nur für die Tonne, sondern haben vielmehr echtes Nachhaltigkeitspotenzial – und das nicht nur auf dem Land, sondern auch in der städtischen Wohnung.

Mit Wurmboxen, Bokashi-Eimern & Co. lässt sich die herkömmliche Abfallentsorgung nämlich neuerdings ganz einfach um das sogenannte Öko-Recycling erweitern. Das kommt besonders Stadtmenschen zugute. Denn die neuen Öko-Hacks funktionieren ganz im Urban-Gardening-Style auch ohne eigenen Komposthaufen im Garten.

Kann das Öko-Recycling nun also auch den Umgang mit unserem Alltagsmüll nachhaltiger gestalten? Oder ist eine korrekte Mülltrennung und -entsorgung nach aktuellen Vorgaben ausreichend, um der Umwelt einen Gefallen zu tun?

Wir klären, was hinter dem neuesten Öko-Trend steckt und stellen Ihnen die spannendsten Hacks auch gleich vor!

Öko-Recycling und Mülltrennung: Was ist der Unterschied?

Recycling wird in Deutschland großgeschrieben. Auch in den Köpfen der Menschen. Schließlich befürworten ganze 92 Prozent der Verbraucher die Wiederverwertung des hauseigenen Abfalls.

Eine Entwicklung, die besonders unserer Umwelt zugutekommt. Denn das Müllrecycling ist ein entscheidender Faktor für eine geringere Umweltbelastung. Jedoch nur, wenn wir den Müll wirklich korrekt trennen.

Schließlich kann der Abfall nur so auch tatsächlich recycelt und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Im Idealfall stehen hierfür fünf verschiedene Entsorgungsmöglichkeiten bereit:

  • Restmüll
  • Biomüll
  • Papier, Pappe und Karton
  • Behälterglas
  • Leichtverpackungen aus Kunststoff oder Plastik, Alu, Weißblech oder Verbundmaterialien

Die Realität vieler Kommunen sieht jedoch anders aus. Denn besonders die Trennung von Rest- und Biomüll funktioniert vielerorts nur unzureichend. Daran sind jedoch nur in den seltensten Fällen die Anwohner schuld. Grund für die falsche Mülltrennung sind vielmehr meist fehlende Biotonnen in Mietshäusern und Wohnblöcken. Deshalb landen auch organische Abfälle dort in der Restmülltonne – und sind damit leider unbrauchbar für die Weiterverarbeitung oder umweltfreundliche Verwertung. Daran kann und sollte also etwas geändert werden!

Das bedeutet: So gut die Theorie des Recyclings hierzulande auch sein mag, scheint die perfekte Umsetzung noch in weiter Ferne zu liegen. Das ist mehr als frustrierend. Schließlich kann den anfallenden Alltagsmüll kaum jemand vermeiden. Deshalb ist klar: Eine Lösung muss her, am besten eine natürliche!

Mülltrennung und Öko-Recycling Hand in Hand: Kompostieren und fermentieren geht heute dank Wurmkiste oder Bokashi-Eimer auch zu Hause!

Geniale Umweltpioniere könnten den Ausweg aus der Müllkrise schon längst gefunden haben. Denn mit dem neuesten Öko-Recycling-Trend nehmen sie die Müllverarbeitung ganz einfach selbst in die Hand. Und zwar, indem die Verwertungskette (zumindest für Bio-Müll) nicht mehr ausschließlich über Sortierungsanlagen und Recyclingunternehmen läuft, sondern direkt im eigenen Zuhause endet. Hört sich ziemlich aufwendig an? Ist es aber nicht!

Denn ganz egal, ob großer Garten oder kleine Mietwohnung – mit den klugen, natürlichen Öko-Hacks kann jeder das Recyceln ins eigene Zuhause verlegen. Wie das geht, zeigen wir jetzt!

Diebayerische Ratgeber Oeko Recycling Wurmbox

Wurmbox zum Selbstmachen: Wurmkompost selber herstellen, ist dank einer selbgebauten Wurmkiste gar nicht schwer

Kompostier-It-Yourself: Wurmbox selber machen

Kompostwürmer in der Küche? Klingt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Schließlich versuchen wir in der Regel, Insekten und Ungeziefer so schnell wie möglich aus den eigenen vier Wänden zu verbannen. Tatsächlich haben die kleinen Regenwürmer aber richtig was drauf. Denn Kartoffelschalen und andere Essensreste zersetzen Kompostwürmer in Windeseile, sodass nützlicher Humus – also neuer „Mutterboden“ – entsteht. Den können Sie dann als Pflanzendünger oder Blumenerde verwenden, also auch zum Gärtnern. Das Beste daran: Die Wurmfabrik kann in einer kleinen Box angesiedelt werden und funktioniert deshalb auch ganz ohne Garten und Balkon.   

Für alle, die sofort mit dem Selbst-Kompostieren loslegen wollen, gibt es vorgefertigte Wurmkisten bereits zu kaufen. Sie sind ein Do-It-Yourself-Künstler? Dann basteln Sie sich die Wurmbox mit der folgenden Anleitung doch ganz einfach selber!  

  1. Damit Ihre ganz persönliche kleine "Wurmfarm" nicht das Weite sucht, braucht es Sauerstoff. Deshalb sollte die Grundlage Ihrer Wurmzucht eine luftdurchlässige, jedoch nicht löchrige Behausung für die Würmer darstellen. Die beste Option ist hierbei eine Bäckerkiste, die Sie mit Gartenvlies, Altpapier oder Insektengitter auslegen.
  2. Haben Sie eine passende Behausung gefunden, geht es an die Inneneinrichtung. Den Boden der Wurmbox belegen Sie mit Wellpappe. Das ist sowohl gefundenes Fressen als auch eine passende Eiablage für die kleinen Kriecher.
  3. Die Wellpappe wird mit Laub bedeckt. Gerade im Herbst reichen ein paar Schritte aus der Haustür, um genügend Blätter zu finden.
  4. Im nächsten Schritt geben Sie etwas Kompost in die Kiste, damit sich die kleinen Kriecher sofort wie zu Hause fühlen. Den gibt es in Baumärkten oder Gartencentern zu kaufen.
  5. Nun können die neuen Bewohner auch schon einziehen. Bei warmem Wetter können Sie auf Würmersuche in Parks oder auf Wiesen gehen. Möchten Sie sich die Suche ersparen, gibt es passende Regenwürmer und Wurmeier auch im Tierfachhandel oder Internet zu kaufen.
  6. Als Futter eignet sich nahezu jeder Biomüll. Obst- und Gemüsereste essen die Tierchen am liebsten. Kleine Mengen an Kaffee- und Teesatz nehmen sie auch freudig auf – genauso wie zerkleinertes Papier und gebrauchte Küchentücher.
  7. Haben die Kriecher ihre erste Mahlzeit erhalten, bedecken sie die Masse mit feuchten Küchentüchern. Diese wehren Obstfliegen ab und halten den Lebensraum der Würmer feucht.
  8. Im letzten Schritt decken Sie die Box mit einem Holzbrett ab. Und schon ist die Do-It-Yourself Box bereit für das Kompostieren!

Achten Sie dabei regelmäßig auf das Kistenklima. Ist der Kompost trocken, können Sie mit etwas Wasser nachfeuchten. Ist der Inhalt der Box sehr nass, können Papierstücke die Feuchtigkeit aufsaugen.

Außerdem mögen die Würmer nicht jede Temperatur. Zwischen 20 und 25 Grad fühlen sie sich am wohlsten. Je wärmer oder kälter, desto inaktiver werden die Tierchen.

Das Schöne: Von der Wurmkiste geht übrigens kein schlechter Geruch aus!

Diebayerische Ratgeber Oeko Recycling Bokashi Eimer

Selbst einen Bokashi-Eimer bauen? Auch das klappt schneller als man denkt.

Fermentier-It-Yourself: Bokashi-Eimer selber machen

Bei Bokashi verstehen Sie nur Bahnhof? Kein Wunder! Schließlich kommt der Begriff aus dem Japanischen und heißt so viel wie „fermentiertes Allerlei“. Das beschreibt das Bokashi-Prinzip perfekt. Denn der Bioabfall wird hier ganz zu einem wertvollen, nährstoffreichen Ferment. Der wird auch als Wurmhumus bezeichnet.

Dabei verwandeln Mikroorganismen in einer luftdichten Umgebung jegliche Küchenabfälle effektiv zu Kompost und Dünger – wenn Sie wollen, sogar in Ihrem Haushalt. Denn ähnlich wie die Wurmkiste benötigt der Bokashi-Eimer wenig Platz und kommt somit in jedem Zuhause unter, ohne schlecht zu riechen.
Da der Bokashi-Eimer absolut luftundurchlässig verschließbar sein muss, ist ein Do-It-Yourself Projekt etwas schwieriger. Deshalb können Sie die Bastelstunde mit einem gekauften Fermentier-Eimer auch ohne schlechtes Gewissen überspringen. Für alle Profibastler haben wir den Selbstmachplan dennoch in Petto, damit das fertige Bokashi schnell gelingt:

  1. Die Grundlage des Do-It-Yourself-Bokashi sind zwei gleichgroße, luftdicht verschließbare Behälter, die Sie hierfür ineinander stapeln. Zusätzlich benötigen Sie einen Hahn zum Ablassen der entstehenden Flüssigkeit und Dichtungsband. Bohrmaschine, Messer und Stift sind Ihre Bastelhelfer.
  2. Bohren Sie etwa 20 bis 30 Löcher mit zwei bis drei Millimetern Durchmesser in den Boden des inneren Eimers. Über die Löcher soll die fermentierte Flüssigkeit ablaufen.
  3. Nun wählen Sie die Stelle am äußeren Eimer, an welcher sich der Hahn zum Ablassen der Flüssigkeit befinden soll. Die Stelle sollte so weit unten wie möglich sein, damit die gesamte Flüssigkeit ablaufen kann.
  4. Schneiden Sie an dieser Stelle das Loch für den Hahn. Ist der bereits mit einer Dichtung ausgestattet, setzen Sie ihn einfach ein. Ist das nicht der Fall, müssen Sie ihn mit dem Dichtungsband abdichten.
  5. Die Behältnisse müssen nun luftdicht ineinander gestapelt werden. Im Normalfall bleibt hierbei eine Lücke. Wickeln Sie das Dichtungsband in mehreren Lagen um den inneren Eimer, um diese zu schließen.
  6. Nun kann das fröhliche Fermentieren des Wurmkomposts beginnen. Obst- und Gemüsereste, Schalen von Zitrusfrüchten, Joghurt, Käse, Brot, Eier, sowie Pflanzenreste, Küchenpapier, Kaffee- und Teesatz können Sie dazu in den Eimer geben. Doch Vorsicht: Wasser, Öl und Essig, Saft und Milch, sowie Knochen, Fleisch und Asche haben nichts im Eimer zu suchen.
  7. Haben Sie die Kiste mit Ihren ersten Abfällen gefüttert, fehlen nur noch die Mikroorganismen. Diese gibt es als Bokashi-Flüssigkeit beispielsweise im Internet zu kaufen. Nun verschließen Sie den Behälter mittels Deckel luftdicht.

Alle zwei bis drei Tage können Sie das Ferment mithilfe des Hahns ablassen. Gemischt mit Wasser lässt sich das sofort als Dünger für Pflanzen verwenden. Nach etwa 14 Tagen haben die Mikroorganismen dann auch innerhalb des Behälters ihre Arbeit vollbracht. Das Ergebnis ist ein effektiv und recht schnell hergestellter Dünger, der als „Rohstoff“ (gemischt mit herkömmlicher Erde) auch als tolle Blumenerde und Nährstoff für Pflanzen fungieren kann.

Öko-Recycling mit Wurmkiste & Co. – echte Chance oder sinnlose Karma-Spielerei?

Wurmbox und Bokashi verlegen ökologisches Müllrecycling ins eigene Zuhause – mehr noch: in die eigenen vier Wände. Das kommt der Umwelt vor allem zugute, wenn die fehlende Biotonne eine korrekte Mülltrennung in der Stadt nicht möglich macht. Denn biologische Reste wie Teesatz oder Obst- und Gemüseschalen müssen so nicht im Restmüll landen, sondern können einfach selbst zu praktischem Kompost verwertet werden.

Wir meinen: Das macht die neuen Öko-Hacks gerade für alle umwelt- und nachhaltigkeitsbewussten Städter ohne eigenen Balkon, Garten oder (wenigstens einer) Biotonne zur echten Chance, die Ökobilanz und den Alltag durch selbstgemachte Kompostierung ein weiteres Stück nachhaltiger zu gestalten.